Fotoausstellung von Stefan Kranz Fasziniert vom ersten Schnappschuss an

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Der Götterwasserfall in Island ist das Ankerbild auf der Ausstellungin der Heimsheimer Bücherei. Foto: Stefan Kranz

Heimsheim - „Goðafoss ist der Götterwasserfall, dort wurden der Sage nach im elften Jahrhundert die Götterbilder versenkt“, erklärt der 36-jährige Stefan Kranz und zeigt auf das Ankerbild seiner Fotoausstellung. Mystisch anmutend, stürzt das Wasser in fließend weißen Kaskaden in die Tiefe. Die karge, rötliche Landschaft hebt sich ab, gibt der Fotografie Tiefendimension. Es ist ein gelungenes, sehr lebendiges Bild, das er 2017 auf Island geschossen hat.

Der dunkelhaarige Mann mit dem Vollbart steht in der Bücherei Heimsheim, wo seine Fotografien derzeit ausgestellt sind. Auf zwei Stockwerken verteilen sich die 28 sehr unterschiedlichen Bilder.

„Mich verbindet mit jeder Fotografie in der Ausstellung eine Geschichte“, erzählt der ambitionierte Hobby-Fotograf aus Renningen. Wie damals, an einem frühen Sonntagmorgen im Pforzheimer Tierpark. „Über eine Dreiviertelstunde habe ich dort auf diesen Luchs gewartet. Als er kam, lief er erst durchs Gehege und hatte dann die große Güte, in meine Kamera zu schauen.“ Er zeigt auf die Trophäe – ein völlig entspannter Luchs, scharf getroffen. Dann noch das Walbild. Kranz kommt nun regelrecht ins Schwärmen, weist auf Details, wie das herunterperlende Wasser und die Bugwelle. „Ich habe Tonnen an Fotos, besonders von den Murmeltieren. Davon ist eins besser als das andere“, sagt er lachend. Die Auswahl fiel dementsprechend schwer. Bei einem Fotoworkshop, den er 2018 am Großglockner besucht, besticht er die putzigen Nager mit einer Karotte. Alles muss stimmen – vor allem die Statisten.

Die emotionale Bindung zum Bild geht verloren

Seine Bilder sind gut. Sie sind lebendig und sehr kreativ. Kranz konserviert seine Urlaubserinnerungen in der Fotografie und erlebt sie beim Betrachten noch einmal neu. „Ich finde es schade, dass durch die Flut an Fotos, die auf öffentlichen Portalen in Massen verbreitet werden, das einzelne Bild überhaupt nicht mehr wahrgenommen wird“, bedauert er. Seit dem Boom, mit dem Mobiltelefon alles und überall zu fotografieren, meint er, dass die emotionale Bindung zum Bild verloren gegangen sei. „Im Prinzip ist das einzelne Bild wertlos geworden.“ Seine Frau Stephanie teilt seine Leidenschaft und ist begeistert von den Bildern. Die beiden ergänzen sich ausgezeichnet. Die studierte Bibliothekarin ist der kreative Kopf, während Kranz sich selbst als Technik-Fan bezeichnet.

Sein Vater, der früh mit der Hasselblad unterwegs war, hat ihm wohl die Begeisterung fürs Fotografieren vermittelt. 1994 fliegt die Familie nach Spanien in den Urlaub. Der zehnjährige Stefan Kranz knipst sein erstes Bild – den Flughafen Stuttgart. Die Magie beginnt und hält ihn gefangen. Noch immer findet er Flughäfen extrem spannend. Wenn es die Zeit zulässt, stellt er sich an ausgewiesene Stellen zum Plane-Spotting. „Einmal einen großen Airbus A 380 beim Start oder bei der Landung zu fotografieren, das hätte schon etwas“, kommt er ins Schwärmen.

2011 kauft sich der gebürtige Stuttgarter, der bei einer Bank in Ludwigsburg als Risiko-Controller angestellt ist, ein Teleskop, baut es auf dem Renninger Flugplatz auf und beobachtet mit seiner zukünftigen Frau den Mond. Er fotografiert mit dem Handy durchs Okular und ist erstaunt, was er zu sehen bekommt – Mondkrater erscheinen auf dem Bild. Just in diesem Moment ist die Faszination zur Astrofotografie geboren.

Das Weltall fasziniert ihn besonders

Mit einer Spezialkamera, die an dem Teleskop angestöpselt ist, experimentiert er mehr als fünf Jahre herum. Die Resultate lassen jedoch zu wünschen übrig. Er ist todunglücklich, obwohl er sich akribisch an die Ratgeber hält. Eines Tages macht er einen bedeutenden Fehler. Er stellt die Software falsch ein, verflucht sich und bearbeitet die Bilder trotzdem. Als er das Ergebnis sieht, ist er verblüfft. „Es war reiner Zufall, auch wenn diese Entdeckung nicht mit Penicillin gleichgestellt werden kann“, gibt er lachend zu.

Beim Erzählen über das Weltall gerät er richtig ins Schwärmen. „Stellen Sie sich vor“, fängt er an. „Das Licht hat 24 Millionen Jahre benötigt, um zu einem zu kommen.“ Dabei wird ihm immer wieder bewusst, wie klein der Mensch ist und in welchen Dimensionen unsere Welt existiert. „Wir sehen eigentlich gar nichts davon. Nur durch die Technik wird es sichtbar.“ Er genießt die nächtliche Ruhe und den Sternenhimmel über sich.

Mit neuen Foto-Erlebnissen auf dem Erdball war es aufgrund der Corona-Krise in diesem Jahr nicht gut bestellt. Die Urlaubspläne für Spanien jedenfalls fielen ins Wasser. Große Reiseziele hat Stefan Kranz aber noch: Auf der Agenda steht Chile – dort sind es die Teleskope der Europäischen Südsternwarte in der Atacama Wüste. Oder warum nicht mal ein Besuch in der Antarktis? Mit dem Schiff dorthin zu fahren, ist ein ganz großer Traum des Fotografen.

Die Fotografien von Stefan Kranz sind noch bis zum 13. November in der Stadtbibliothek Heimsheim (Schlosshof) zu sehen. Die Bilder können erworben werden.

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