Feuerwehr Leonberg Im Ernstfall muss jeder Griff sitzen

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Mit der motorisierten Drehleiter , aber auch über die traditionelle Steckleiter rücken die Feuerwehrleute vor, um Personen aus der Gefahrenzone zu retten. Foto: Simon Granville

Leonberg - In den Büros der Kreissparkasse in der Grabenstraße brennt es!“, melden Nachbarn bei der Leonberger Feuerwehr. Der Alarm geht raus und nach wenigen Minuten fahren der Einsatzleitwagen mit dem Leonberger Abteilungskommandant Volker Röckle und der Führungsgruppe sowie das erste Löschfahrzeug auf dem Parkplatz und dem Hof der Sparkassenfiliale vor. Es ist die Vorhut des zweiten Zuges der Freiwilligen Feuerwehr unter der Leitung von Lutz Steiger. Ihre Aufgabe ist, die Lage zu erkunden, um den Einsatz zu koordinieren. Es ist die erste Präsenzübung seit Beginn der Pandemie – und die Helfer stehen unter Druck.

Was sie vorfinden, ist dramatisch: Im zweiten Obergeschoss des Bürogebäudes hängt eine anscheinend bewusstlose Person halb aus einen geöffneten Fenster und in dem Raum hinter ihr lodern meterhoch die Flammen. Im selben Geschoss steht eine weitere Person am Fenster und macht sich durch Winken und Rufen bemerkbar. Ihr ist es gelungen, die Tür ins Gebäude zu schließen. In den Raum dringe auch kein Rauch, lässt der junge Mann die Wehrleute wissen.

Es herrscht oberste Gefahr

Jetzt gilt es zu handeln, denn für die bewusstlose Person herrscht oberste Gefahr. Auf die große Drehleiter warten, die noch einige Minuten brauchen wird, oder unverzüglich handeln? Der Zugführer Lutz Staiger rät dazu, mit der Steckleiter, die zur Ausstattung des Löschfahrzeugs gehört, von außen über das Flachdach des vorgelagerten Gebäudes an die Person heranzukommen. Mit ihren mehr als acht Meter Länge müsste die Leiter ausreichen, um eine Rettung einzuleiten. Der Abteilungskommandant stimmt dem zu.

In wenigen Minuten ist die Leiter von einem Teil der Besatzung des Löschfahrzeuges aufgebaut und in Position gebracht, sodass zwei Feuerwehrmänner mit Atemschutzgeräten hinaufsteigen. Andere legen inzwischen eine Schlauchleitung vom Löschfahrzeug, die später über die Leiter nach oben verlegt wird. Denn die Flammen in dem Raum lodern weiter.

Schonende Rettung

Nachdem der reglose Mann im Fenster mit einem Seil gesichert ist, bringen ihn die beiden Feuerwehrleute zügig und doch behutsam die Leiter hinunter, wo Kameraden mit einer Spezialtrage warten, denn die Person muss schonend übers Dach heruntergebracht werden. Weil der Rettungsdienst noch nicht vor Ort ist, kümmert sich ein Feuerwehrmann um den Bewusstlosen. „Wir nehmen regelmäßig an den Kursen für erweitere Erste Hilfe teil“, erklärt er seine Kompetenz.

Neun Minuten nach der Alarmierung fahren auch die große Drehleiter und das zweite Löschfahrzeug auf den Hof. Als erstes wird die ansprechbare Person am Fenster des zweiten Obergeschosses in Sicherheit gebracht. Der Trupp auf der Steckleiter hat inzwischen den Brand mit Hilfe eines Strahlrohrs für Einsätze in Innenräumen unter Kontrolle gebracht.

Derweil bereitet sich die Mannschaft des zweiten Löschfahrzeuges darauf vor, über das Treppenhaus an den Feuerherd vorzurücken und nach weiteren Personen in dem stark verrauchten Gebäude zu suchen. Kein leichtes Unterfangen, denn an die langen Flure reihen sich links und rechts zahlreiche Büros. Die Helfer werden fündig und retten noch drei weitere Personen.

Führungsgruppe dokumentiert Einsatz

Am Einsatzleitwagen dokumentiert die Führungsgruppe derweil den Einsatz. Jedes Vorgehen wird festgehalten, jede Änderung der Situation notiert und auf eine Tafel gezeichnet. Der Einsatzleiter und die Zugführer treffen sich hier, um den Einsatz zu koordinieren. „Alle Personen aus dem Haus gerettet?“, fragt Röckle. Der Zug- und seine Gruppenführer sind sich nicht 100-prozentig sicher und machen selbst einen Rundgang. „Jemand zu übersehen, wäre fatal“, so Staiger. Nach gut einer Stunde ist der Großteil des Einsatzes gelaufen und Volker Röckle ist zufrieden und zieht ein positives Fazit: Die erste große Präsenzübung des zweiten Zuges in diesem Jahr im leer stehenden Sparkassengebäude ist gut verlaufen.

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Lob gibt es für die Reaktion der Erstkräfte vor Ort. „Es war richtig, nicht auf die Drehleiter zu warten und die für die Truppe körperlich sehr anstrengende Rettung über die Steckleiter einzuleiten, jede Minute zählt.“ Der verwendete Dummie wiegt immerhin etwa 80 Kilogramm. „Bei dieser, von uns hier vorgefunden Situation wären im Ernstfall die gesamte Wehr und die Wehren der Teilorte alarmiert worden“, sagt der Kommandant.

Positives Fazit

Nachdem der erste Zug der Leonberger Feuerwehr bereits vor einer Woche in Höfingen in einem leeren Haus geübt hat, ist der dritte kommende Woche an der Reihe. Wegen Corona kann immer nur ein Zug aus gut 20 Einsatzkräften mit vier Fahrzeugen üblich. Und hoffentlich werden sie nicht auch, gerade als die Übung startet, von einem realen Einsatz überrascht – wie am Montag, als im Gartenhausgebiet am Schumisberg starker Raum gemeldet wurde.

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