Feuer in Perouse Backofen-Brand zerstört ein ganzes Haus

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Mithilfe von zwei Drehleitern löschen die Feuerwehrkameraden das Feuer im Dachstuhl. Foto: SDMG/Dettenmeyer, factum/Simon Granville

Rutesheim - Eines möchte Viola Eigenbrodt unbedingt loswerden: „Ich habe eine Nachbarschaftshilfe erlebt, wie sie wunderbarer nicht hätte sein können“, sagt sie. Es ist Dienstagabend, kurz nach sieben, als sie vor ihrem Haus steht und schockiert zusehen muss, wie die Flammen ihr Zuhause auffressen. „Schon da sind die Nachbarn auf mich zugekommen“, erzählt Eigenbrodt. Ob Kleidung, Schuhe, Sanitärgegenstände: „Wir sind unglaublich beschenkt worden“, ist sie auch am Tag danach immer noch dankbar.

Gegen 19 Uhr war bei der Feuerwehr der Alarm eingegangen: Ein Einfamilienhaus in Perouse steht im Vollbrand. Viola Eigenbrodt selbst hatte die Feuerwehr alarmiert, nachdem ihr Mann gerufen hatte, dass die Küche in Flammen steht. Sie selbst ist sofort aus dem Haus gerannt, weil aber auch das Treppenhaus verraucht war, konnte er vom oberen Stockwerk nicht mehr runterkommen. Viola Eigenbrodt muss schließlich zusehen, wie ihr Mann auf dem Balkon steht – direkt vor der lodernden Küche.

„Unsere ersten Kräfte haben den Mann über tragbare Leitern gerettet“, berichtet Michael Jäger, der Kommandant der Feuerwehr Rutesheim. Er leitet sofort einen Großeinsatz ein. Alle Feuerwehren aus Rutesheim, Leonberg, Renningen, Sindelfingen und Herrenberg mit insgesamt 111 Kameraden eilen nach Perouse, dazu der Rettungsdienst mit 22 Kräften, die Polizei mit fünf Streifenwagen und einem Hubschrauber.

Feuerwehr verhindert ein Übergreifen des Brandes

Das brennende Haus steht in der Hauptstraße im Ortskern von Perouse, dicht bebaut, voller alter Bausubstanz. „Die Brandbekämpfung war schwierig, da das Feuer drohte, auf angrenzende Gebäude überzugreifen“, sagt Jäger. Dazu kommt, dass das Gebiet über oberirdische Leitungen mit Strom versorgt wird, die von Dach zu Dach hängen. Auch bei dem betroffenen Haus ist ein solcher Strommast angerissen.

Heinz Kreuz ist einer der Nachbarn von Viola Eigenbrodt. Am Tag nach dem Brand steht er vor seinem Haus und blickt hinüber zur Ruine. „Ich war gerade im Bad, da sehe ich durchs Fenster, wie es brennt“, erzählt er. Die Funken fliegen nur so durch die Luft, vermischen sich mit dem nieselnden Schneeregen, der einsetzt. „Die Polizei hat uns aus dem Haus geholt, weil sie Angst hatten, dass Funken auch unser Haus treffen“, sagt Kreuz. Sofort treffen auch Techniker der EnBW ein, die das Stromkabel abmontieren, das das Haus von Heinz Kreuz mit dem Haus von Viola Eigenbrodt verbindet. Riegelstellung nennt sich das, was die Feuerwehr versucht. Und es klappt: Mit Wasser erreichen die Kameraden, dass das Feuer nicht übergreift. Parallel müssen sie den lodernden Dachstuhl löschen. Auf zwei Drehleitern stehen die Kameraden und zielen mit dem Wasser ins Haus. Zweieinhalb Stunden nach ihrer Alarmierung hat die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle. „Wir mussten dann das Dach öffnen, um weitere Glutnester gezielt abzulöschen“, berichtet Kommandant Michael Jäger. Die Polizei setzt gleichzeitig einen Hubschrauber ein, der mit Wärmebildkameras nach Glut Ausschau hält. Eine Brandwache behält das Haus die ganze Nacht über im Auge.

Nach der genauen Ursache wird noch gesucht

Schwer verletzt wird niemand. Der Mann von Viola Eigenbrodt erleidet zwar ein paar Brandverletzungen und muss zur Beobachtung ins Krankenhaus. „Es geht ihm aber gut“, sagt sie.

Wie es zu dem Feuer überhaupt kam, steht auch am Tag danach nicht fest. „Das Gebäude ist bis auf weiteres nicht betretbar“, sagt Peter Widenhorn, der Sprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg. Auch die Ermittler dürfen deshalb noch nicht in die Ruine. „Nach den bisherigen Ermittlungen gilt der Betrieb eines Backofens als Ursache als sehr wahrscheinlich“, sagt Widenhorn.

Noch am Abend eilen auch Rutesheims Beigeordneter Martin Killinger und Mitarbeiter des Ordnungsamts zur Brandstelle. „Wir stehen unserer Feuerwehr bei, die einen großartigen Job gemacht hat“, sagt er. Killinger nennt als Beispiel den kritischen Moment, die Rettung des Mannes vom Balkon. „Da sind Sekunden entscheidend, das hat hervorragend geklappt“, lobt er die Kameraden. Zugleich muss er sich aber auch um die Bewohner kümmern. Weil es viel Löschwasser abbekommt, ist auch ein Haus nebenan unbewohnbar – neun Menschen insgesamt sind noch in der Nacht ohne Obdach. Manche kommen bei Verwandten und Bekannten unter, einige Menschen bringt die Stadt in Hotels unter. „Bis die Häuser wieder bewohnbar sind, stellen wir ihnen jetzt städtische Notunterkünfte zur Verfügung“, sagt Martin Killinger.

Das sind aber nur kurzfristige Lösungen. Viola Eigenbrodt und ihr Mann sind jetzt auf der Suche nach einer Wohnung – was auf dem derzeitigen Wohnungsmarkt nicht einfach ist. Sie ist aber optimistisch. „Die Perouser haben uns jetzt schon unglaublich unterstützt und beschenkt“, sagt sie. Und dann hofft die Journalistin, Dozentin und Schriftstellerin, möglichst bald die Ruine betreten zu dürfen. „Dort steht mein Computer, dort ist mein ganzes Lebenswerk drin“, berichtet die 59-Jährige. „Erst gestern habe ich den letzten Satz meines neuen Buches geschrieben.“ Auch dieses Manuskript ist im Computer.

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