Ferienprogramm Renningen Mit der „Jagd“ ins Schwarze getroffen

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Vanessa Müller von der Falknerei Gauda präsentiert ihre Vögel. Foto: factum/Jürgen Bach

Renningen - Alles übers Jagen erfahren, mit Pfeil und Bogen schießen und einen Greifvogel auf der Hand halten – das hat viele Kinder interessiert. Entsprechend groß war die Nachfrage nach der Veranstaltung „Mammutzahn, Hirsch und Falke – Jagd gestern und heute“ im Sommerferienprogramm von Renningen. 70 Kinder hätten gerne daran teilgenommen, berichtete Christian Kübler, seit April neuer Stadtarchivar, 16 konnten am Mittwochvormittag an der Realschule nur dabei sein. Galt es doch auch in den Ferien, Corona-bedingt Abstand zu halten.

Die Idee zum Thema Jagd hatte Christian Kübler selbst. Als Kooperationspartner hat er sich den Heimatverein Rankbachtal dazu geholt. Der Historiker und Archäologe spannt einen weiten Bogen von den steinzeitlichen Jägern über die Jagd im Mittelalter bis hin zur Neuzeit. Für jedes Kind hat er einen Stapel Bilder aus den verschiedenen Epochen mitgebracht. Die jungen Zuhörer – überwiegend im Grundschulalter – zeigen sich mit zahlreichen Wortmeldungen und Zwischenrufen recht kenntnisreich und wissbegierig. „Damals, in der Steinzeit, war Jagen ganz wichtig“, sagt einer. Ein Erstklässler erzählt von einem Buch über die griechischen Götter im Olymp, in dem die Göttin der Jagd, Artemis, abgebildet ist. Auch über die Falkenjagd wissen die Kids schon manches. Sie erfahren, wie sich die Jagd vom Nahrungserwerb für den Menschen über das adelige Freizeitvergnügen vergangener Jahrhunderte bis zur heutigen Jagd, die eher Tier- und Waldmanagement sei, gewandelt hat. Christian Kübler weist aber auch auf die Gefahren für den Menschen hin. „Selbst Könige und Kaiser sind bei der Jagd gestorben“, erzählt er.

Schwerer, als es aussieht

Bevor die Kinder selbst zu Pfeil und Bogen greifen dürfen, müssen sie genau zuhören, wie man damit umgeht. Verena Weidmann-Reisser, die Vorsitzende des Heimatvereins Rankbachtal, und Andreas Reisser – beide sind beim Renninger Ritterbund engagiert – demonstrieren, wie ein Bogen gespannt wird und Pfeile richtig gehalten werden. Und vor allem: „Niemals auf Menschen zielen“, sagt Andreas Reisser. „Wenn ich jetzt diesen Pfeil abschieße, fliegt der von hier bis zur Mediathek“, erklärt er. Dann geht es zur Schießscheibe aus Stroh. Nicht alle Nachwuchsschützen treffen ins Schwarze und auch nur manche überhaupt die Scheibe. Die Teilnehmer merken: Das ist gar nicht so einfach, wie es zunächst aussieht.

Prächtige Greifvögel bringen die Kinder zum Staunen

Als die Kinder auf der großen Wiese beim Schulzentrum ankommen, sitzen schon prächtige Greifvögel auf ihren Plätzen, während die Falknerin Vanessa Müller ihren Falken Stormy auf der Hand hält. In Weil im Schönbuch betreibt sie eine Falknerei, und ihr ist anzumerken, dass sie im Umgang mit jungem Publikum geübt ist. Die Kinder dürfen die Füße von Stormy anfassen – „das fühlt sich an wie bei einer Eidechse“, sagt ein Bub – und sie dürfen diesen schnellsten Vogel der Welt auf Augenhöhe betrachten und ihn bei der Jagd aufs ausgelegte Futter beobachten. Als nächster hat ein Uhu seinen Auftritt. Das prächtige Tier verblüfft die Kinder mit den Drehbewegungen seines Kopfes, sogar streicheln lässt es sich. Dann fliegt der Weißkopfadler Montana mit seiner Flügelspannweite von zwei Metern über die am Boden liegenden Kinder hinweg.

Keine Berührungsängste haben die beiden Wüstenbussarde Lucie und Jake, und mit einem entzückten „Oh, wie süß“ wird schließlich noch eine kleine Eule begrüßt, die die Teilnehmer mit einem Handschuh selbst auf die Hand nehmen und am Bauch streicheln dürfen. So nah ist wohl noch keines der Kinder diesen beeindruckenden Tieren gekommen, und den an der Realschule wartenden Eltern wird gleich ganz aufgeregt von diesem Abenteuer erzählt.

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