Uhrmachermeister Morweiser Eine Juwelierstradition in der Altstadt geht zu Ende

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Abschied nach 40 Jahren: Sieglinde und Helmut Morweiser. Foto: factum/Granville

Leonberg - Der Laden in der Graf- Ulrich -Straße ist schon erkennbar leer. Doch hochwertige Uhren und Schmuck zum Sonderpreis sind noch zu haben – bis Ende Januar, vielleicht sogar bis zum Pferdemarkt. Dann, so erwartet es Helmut Morweiser, werden seine Vitrinen endgültig geleert sein. Der Traditionsjuwelier und Uhrmacher-Meister in der Altstadt kann sich in den Ruhestand verabschieden.

Damit geht eine mehr als 40-jährige Unternehmenstradition zu Ende. So lange stehen Helmut und Sieglinde Morweiser für Qualitätsware, kompetente Beratung und fachgerechte Reparaturen. Denn Helmut Morweiser kümmert sich auch um das fehlende Glied in der Kette oder das Innenleben einer mechanischen Uhr.

Die Kunden werden ihm fehlen

Das aus Südhessen stammende Ehepaar zieht sich aus eigenen Stücken zurück. „Ich bin jetzt über 65, habe 45 Jahre in die Rente eingezahlt und bin seit vier Jahrzehnten selbstständig“, erzählt Morweiser. „Irgendwann ist es einmal gut.“ Wobei der Uhrmachermeister eine gewisse Aufgeregtheit mit Blick auf den Tag X nicht verhehlt: „Im Moment bin ich noch zu eingespannt. Aber wenn dann wirklich Schluss ist, werden mir besonders die Gespräche mit unseren treuen Kunden fehlen.“

Ganz einfach hatten es die Morweisers nicht, als sie 1978 in die Stadt am Engelberg kamen. Sie hatten das Angebot, das Geschäft des damaligen Juweliers Fassl in der Leonberger Straße zu übernehmen. Für den jungen Uhrmachermeister Morweiser, der seine Ausbildung im südhessischen Lampertheim beendet hatte und damals in Ludwigshafen arbeitete, war das die Einstiegschance zur Selbstständigkeit.

Am Anfang ohne Wohnung

„Meine Frau war schwanger und wir wussten am Anfang noch nicht einmal, wo wir schlafen konnten“, erinnert sich Morweiser an die bewegten Anfangstage. Zum Glück konnten die Neuankömmlinge in die Wohnung der Familie Fassl ziehen.

Sieben Jahre später hatten sie die Chance, ein Haus in der Altstadt zu kaufen. Der Grundstein für eine langfristige Selbstständigkeit war gelegt. Die Morweisers bauten das Gebäude um, zogen oben ein und eröffneten am 2. November 1978 ihr Geschäft.

Familie ist verwurzelt

Damit war auch die endgültige Entscheidung getroffen, in Leonberg zu bleiben. Denn anfangs hatten es die Zugezogenen nicht so einfach. „Wir wurden nicht von allen akzeptiert“, erinnert sich Helmut Morweiser. „Das hatte sich gerade bei der Wohnungssuche gezeigt.“ Mittlerweile ist die Familie verwurzelt. Der Vater war bei der TSG, der Sohn ist bei der Feuerwehr.

Wie bei Kleidern gibt es auch beim Schmuck modische Trends. So gab es früher neben dem eigentlichen Trauring noch einen sogenannten Vorsteckring mit einem Diamanten drin. Der ist mittlerweile weggefallen, der Diamant ist im Trauring.

Große Uhren sind in

War vor zehn Jahren noch Weißgold die In-Farbe, so variieren die Schmuckstücke jetzt zwischen Silber, Gold und Platin. Bei den Uhren geht der Trend zur Größe, nicht nur für Männer. „Viele Frauen tragen Herrenuhren“, weiß der Fachmann. Die haben wieder sehr oft ein mechanisches Getriebe.

Für eine hochwertige Uhr gehen schon mal fünfstellige Beträge über den Ladentisch. „Es gibt ein Publikum für das hohe Preissegment“, sagt Morweiser. Gerade Männer würden auf die Qualität ihrer Uhr achten, ist sie doch zumeist das einzige Schmuckstück. Und geht es um Glashütte oder andere Edelmarken, führt der Weg der Kunden dann doch zum Fachgeschäft.

Das soll auch so bleiben. „Wir sprechen gerade mit potenziellen Nachfolgern“, berichtet Morweiser. Damit die Graf-Ulrich-Straße auch weiterhin eine Adresse für hochwertige Uhren und Schmuck bleibt.

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