Fehlende Fachkräfte im Strohgäu Wie Kitas gegen Personalmangel kämpfen

Von Stefanie Köhler
Kitas brauchen Erzieherinnen und Erzieher – doch die sind in der Regel Mangelware. Foto: dpa/Uwe Anspach

Fragt man Melita Caleta nach der Personalsituation in Hemmingens Kitas, sagt die Leiterin des Sachgebiets Personal: „Gut.“ Klar, offene Stellen gebe es immer wieder. „Wir haben aber kein großes Problem, sie zu besetzen.“ Die vier Mitarbeitenden für die Naturkita Buschpfad, die im Herbst öffnet, sind gefunden. Derzeit sind in den sieben Einrichtungen fünf Stellen frei.

Warum es in Hemmingen läuft? Schwer zu sagen, so Melita Caleta. Sie berichtet von Zufriedenheit der Mitarbeitenden: Die Fluktuation sei gering, Bewerber erzählten, sie stellten sich auf Empfehlung vor. „Die interne Weiterbildung spielt bei uns eine große Rolle“, sagt Melita Caleta. Auch achte man darauf, genug Azubis zu haben – acht im Jahr. Zuletzt lag die Übernahmequote bei 100 Prozent. Ein Teil der Azubis sind junge Leute, die zuvor in einer Hemminger Kita ihren Bundesfreiwilligendienst geleistet haben.

Davon träumen andere Kommunen

Hemmingen gelingt, wovon andere Kommunen träumen. Fehlendes Personal gehört zum Alltag in Kitas. Der Betreuungsbedarf wächst, die Kommunen sind verpflichtet, ihn zu decken – doch es steigt nicht in gleichem Maß die Zahl der Erzieherinnen und Erzieher. „Wir sind ständig auf der Suche nach Personal“, sagt der Ditzinger Rathaussprecher Jens Schmukal. Er spricht von einem „großen Mangel“. Zurzeit zählt die Verwaltung 23,7 offene Stellen. „Wären alle Stellen besetzt, könnten wir im gesamten Stadtgebiet 100 Kinder mehr betreuen.“

100 Kinder mehr könnten betreut werden

Zwar gibt es Ditzingen im Regelbetrieb aktuell keine eingeschränkten Öffnungszeiten. „Allerdings kann es bei Ausfällen von Personal recht schnell dazu kommen“, sagt Schmukal. Das sei nicht die Regel, „es kommt jedoch hin und wieder vor“. In Krankheitsfällen Springer einzusetzen, ist der Stadt nur bedingt möglich. „Die Personalsituation ist angespannt, und durch den Einsatz von Springern würden diese Fachkräfte in anderen Einrichtungen fehlen“, so Schmukal.

Bonusleistungen fürs Personal?

Die Kommune muss daher andere Lösungen finden. So gibt es Überlegungen, Bonusleistungen in finanzieller Hinsicht einzuführen. Eine Beratung in den Gremien erfolgt laut Schmukal voraussichtlich noch vor den Sommerferien. Um sich im Wettbewerb mit anderen Kommunen hervorzutun, setzt die Stadt auf „attraktive Stellenanzeigen“ im Kampf um das rare Personal. Außerdem versuche man, Rahmenbedingungen zu schaffen, die das Arbeiten für die Beschäftigten angenehm machen, sagt Jens Schmukal. Zum Beispiel ermögliche die Stadt Freistellungen für Leitungsaufgaben über die gesetzlichen Anforderungen hinaus sowie Supervisionen und Coaching der Mitarbeitenden, setze eine hohe Zahl an nicht-pädagogischen Fachkräften zur Unterstützung ein, schaffe mehr Ausbildungsplätze.

Ab September sinken Betreuungszeiten

Gegen den Fachkräftemangel helfen soll in Korntal-Münchingen eine Social-Media-Kampagne, für die die Stadt rund 20 000 Euro in die Hand nimmt. Damit will sie ihre Vorzüge in Szene setzen und sich als attraktiven Arbeitgeber präsentieren. „Wir gehen davon aus, Anfang 2023 startbereit zu sein“, sagt die Rathaussprecherin Angela Hammer.

Öffnungszeiten werden eingeschränkt

Der Personalmangel hat Folgen: Aktuell können bis zu 20 Krippenplätze nicht vergeben werden. Und auf Anregung des Gemeinderats sinkt von September an in sämtlichen Ganztagseinrichtungen die Öffnungszeit auf maximal 42,5 Stunden pro Woche.

Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden

Sonderthemen