Fechten Statt in Singapur landet er im Strohgäu

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Der Ungar Zoltán Szegedi (rechts) und sein Trainerkollege Michael Hartelt haben sich mit schützenden Trainerjacken „präpariert“. Foto: Steffen Eigner

Ditzingen - Seit Saisonbeginn haben die Fechter der TSF Ditzingen zwei neue Trainer: Zoltán Szegedi entstammt einem der erfolgreichsten Fechtvereine der Welt, hat unter anderem die Junioren-Weltmeisterschaft 1986 in Stuttgart bestritten. Davon kann der Ungar noch heute ein kleines Klagelied singen. Außerdem ist Michael Hartelt zum TSF-Trainerteam gestoßen.

Als Zwölfjähriger begann Zoltán Szegedi bei MTK Budapest mit dem Fechten, einer seiner Trainer dort war der 2016 verstorbene Bertalan Szöcs. „Er dürfte mit um die 150 Medaillen bei Weltmeisterschaften der erfolgreichste Fechttrainer überhaupt sein – und das in zwei Waffen, was sehr selten ist“, schwärmt Szegedi von seinem einstigen Mentor. Ganz so weit nach oben ging es für den heute 49-Jährigen in seiner aktiven Zeit nicht, aber: „Ich war zwölf oder dreizehnmal ungarischer Meister; Einzel und Mannschaft, Jugend und Aktive zusammengerechnet.“

Der Shuttle-Bus kommt nicht

1986 wurde Szegedi für die Junioren-WM (U 20) in Stuttgart nominiert. „War bescheiden, aber ich war dabei“, sagt er lachend und erzählt, was damals schieflief: „Der Shuttle-Bus hatte vergessen, mich abzuholen. Ich musste eine Stunde am Hotel warten, bis er noch einmal kam.“ Weil der Fehler aufseiten der Veranstalter lag, wurde Szegedi nicht disqualifiziert, obwohl der Wettbewerb schon lief, als er in der Halle ankam. „Aber ich musste dann gleich drei Gefechte in Folge machen, ohne mich vorher aufzuwärmen. Dementsprechend waren die Ergebnisse. Ich habe in der Vorrunde nur ein Gefecht gewonnen.“

Ein wenig mit Stuttgart versöhnt wurde Szegedi, der seinerzeit an Position fünf der U 20-Weltrangliste lag, am Abend: „Die Party beim Oberbürgermeister im Rathaus war richtig gut.“ Seine letzte Gelegenheit, eine Junioren-WM zu bestreiten, wurde ihm 1987 verwehrt. „Der Verband teilte mit, sie hätten kein Geld und würden deshalb nur zwei Säbelfechter und sechs Politiker nach Sao Paulo schicken. So war das halt bei den Kommunisten“, erzählt Zoltán Szegedi, der auch seine Trainerlaufbahn Bertalan Szöcs verdankt.

Jobangebot aus Leverkusen

„Ich war Kraft- und Konditionstrainer und habe Trainingspläne für Boxer und Bodybuilder erstellt. Fechttrainer wollte ich eigentlich nie werden, aber dann hat mich Szöcs darum gebeten.“ Seine Trainerlizenz erwarb Szegedi in Ungarn. „Die Ausbildung dauerte sechs Semester, also drei Jahre. Zu meinen Schülern zählten dann auch einige Fechter aus dem Herrendegen-Nationalkader.“ Nach Deutschland gelangte Zoltán Szegedi durch ein Jobangebot von Bayer Leverkusen, beinahe aber wäre er stattdessen im Fernen Osten gelandet. „Ich hatte schon ein Angebot aus Singapur, und das ist wirklich ein Wunderland“, schwärmt Szegedi von dem Stadtstaat. Allerdings auch ein Land mit überbordender Bürokratie, wie Szegedi dann feststellen musste.

Denn eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis war nicht zu bekommen. „Ich hätte mich immer nur für drei Monate in Singapur aufhalten dürfen, dann eine Nacht in einem Hotel in Malaysia übernachten und wieder für drei Monate einreisen müssen. Meine Tochter hätte also nicht in den Kindergarten gehen können.“ Also tauschte Zoltán Szegedi das Wunderland gegen das Rheinland, wo er in den vergangenen drei Jahren den Damendegen-Nachwuchs von Bayer Leverkusen und Tim Kuchalski, den U 17-Vizeweltmeister von 2011, betreute. Als sein Vertrag in Leverkusen 2016 nicht verlängert wurde, fand Szegedi mit den TSF Ditzingen und der FS Pforzheim gleich zwei neue Arbeitgeber. Bei der Pforzheimer „Fechterschaft“ leitet Szegedi die Trainingsabende montags und donnerstags, bei den „Turn- und Sportfreunden“ in Ditzingen ist er dienstags, mittwochs und freitags im Einsatz.

Die ganze Familie ist vom Fechtvirus infiziert

Ebenfalls neu im Ditzinger Trainerteam ist Michael Hartelt, der als Fünfjähriger in Schwäbisch Hall mit dem Fechten begann, eines seiner ersten Turniere bestritt er mit sechs Jahren beim Ditzinger Young Masters. Der heute 28-Jährige bekam Florett und Degen quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater Manfred ist ebenfalls Fechter und steht heute dem Fechtbezirk „Unterer Neckar“ vor, dem auch die TSF Ditzingen angehören. Michael Hartelts ältere Schwester Martina fungiert als Schriftführerin des Bezirks, sein Bruder Markus ist hauptamtlicher Leistungssportkoordinator der Fechtverbände Württembergs, Nord- und Südbadens. Michael Hartelt selbst ist als ehrenamtlicher Schülersportwart des württembergischen Fechterbundes für das Turnierwesen des U 12-Nachwuchses im Land verantwortlich. In seiner Jugend gehörte er einige Jahre dem Landeskader Württemberg an. Seit 2010 hat er die C-Trainerlizenz Leistungssport, er arbeitet bei einem Gerlinger Unternehmen und ist vor einiger Zeit nach Stuttgart gezogen.

Zwei Trainer haben die TSF Ditzingen allerdings auch verlassen. Bereits vor einigen Monaten wurde László Kovács verabschiedet, der mit seiner Familie zurück nach Ungarn ziehen wollte, weil die Tochter Réka in Budapest im Leistungszentrum für Schwimmer lebt. Kovács hat dort seinen bisherigen Nebenberuf als Fechttrainer zum Hauptberuf gemacht.

Reinhard Berger, der seinen Hauptberuf bei einer Versicherung ausübt, ist nach sechs Jahren erfolgreicher Trainerarbeit in Ditzingen wieder in seiner Heimatstadt Tauberbischofsheim. Der U 20-Vizeweltmeister von 1984 ist jetzt dort der sportliche Leiter des Fechtclubs Tauberbischofsheim.

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