Faustball in Weil der Stadt Aus einer Bierlaune heraus bis zur WM

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Die Australier holen sich den letzten Feinschliff beim Turnier in Weil der Stadt. Foto: Andreas Gorr

Weil der Stadt - Die Geschichte des australischen Faustballs ist eine, die sich ein Hollywoodregisseur nicht besser hätte ausdenken können. Sie beginnt 2014 mit fünf Jugendfreunden, die sich in einem Pub in Melbourne überlegt hatten, wie sie es schaffen könnten, einmal das Nationaltrikot ihres Landes tragen zu können. Alle fünf waren ambitionierte Hobbysportler, doch für die großen australischen Sportarten wie Rugby oder Australian Football waren sie nicht gut genug. Also kamen sie zu dem Schluss, dass sie sich in einer Sportart ausprobieren mussten, die auf der australischen Sport-Landkarte noch ein weißer Fleck war – und sie landeten beim Faustball.

Ihr Ziel war die Weltmeisterschaft 2015 in Argentinien, die sie als 13. unter 14 teilnehmenden Teams abschlossen – immerhin vor dem anderen WM-Neuling Südafrika. Damit hätte die Geschichte des australischen Faustballs beendet sein können, doch inzwischen hatte die Idee von der neuen Sportart immer mehr Anhänger gefunden: Da zahlreiche Freunde und Arbeitskollegen des Quintetts Spaß am Faustball gefunden hatten, wollte man auf dem fünften Kontinent das Projekt nicht einfach beenden, zu dem Ende 2015 ein Stamm von rund 80 Spielern zählte.

Projekt ohne Bezahlung

Zwei Jahre lang versuchten die Australier, sich in der für sie jungen Sportart mit Blick auf die Weltmeisterschaft 2019 weiter zu verbessern. 2017 sahen sie dann ein, dass ernsthafte Fortschritte nur mit Hilfe externer Experten möglich sind und fragten beim Internationalen Faustballverband (IFA) an, ob jemand verrückt genug wäre, sich für ein derartiges Projekt ohne Bezahlung begeistern zu lassen. Über Alwin Oberkersch, den Vorstand des Bundesligisten TV Stammheim, landete die Anfrage auch bei Tommy Helber, auf den das Anforderungsprofil „Experte“ in vollem Umfang zutraf.

Der heute 52-Jährige hat in den 1980er-Jahren bei der Spvgg Weil der Stadt und beim TV Unterhaugstett in der Bundesliga gespielt und war auch bei Endrunden um die deutsche Meisterschaft am Ball. Als Trainer führte er den TV Unterhaugstett in die Bundesliga und erreichte mit seinem Team 2012 den IFA-Pokal, das Pendant zur Euro-League im Fußball. Seit 2014 hatte Tommy Helber jedoch eine Faustball-Pause eingelegt, nachdem ihn sein Job als IT-Experte bei DHL nach Bonn geführt hatte.

Unterstützung vom Arbeitgeber

„Meine erste Reaktion war: Das ist verrückt“, erinnert sich Tommy Helber noch gut, als ihn die Anfrage erreichte. Australien hatte er bis dahin nicht einmal als Urlaubsziel erwogen. Doch wenig später machte sich eine chinesische Weisheit in seiner Gedankenwelt breit, nach der einem Menschen Dinge nicht ohne Grund begegnen. Er fragte bei seinem Arbeitgeber nach, ob es eine Möglichkeit gebe, für einen längeren Zeitraum den Job niederzulegen, ohne nach 25 Jahren im gleichen Unternehmen kündigen zu müssen. Als sein Abteilungsleiter die Idee „einfach nur cool“ fand und ihm grünes Licht gab, bot sich Tommy Helber beim australischen Faustballverband an.

Dann stellte sich allerdings gleich das nächste Problem: 13 Bewerber hatten sich für die verrückte Idee gefunden. Dennoch wurde der Weil der Städter schnell zum Favoriten des Verbandes. „Man hat dort bald erkannt, dass ich der Mannschaft mehr vermitteln kann, als ein 21-jähriger Zweitliga-Spieler, der das Projekt auch noch mit einem ,Work-and-Travel‘-Programm verbinden will“, erzählt Tommy Helber, der sich am Ende gegen einen brasilianischen Nationalspieler durchsetzte, der auf einem Aussteiger-Trip war.

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