Fastenzeit der Muslime beginnt Corona bremst auch den Ramadan aus

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Gemeinsam Fastenbrechen – Bilder wie dieses vom Ramadan 2019 vor der Herrenberger Moschee wird es in diesem Jahr nicht geben. Foto: factum//Simon Granville

Herrenberg/Sindelfingen - Mehr als 12 000 Essen hat die Herrenberger Ditib-Gemeinde im vergangenen Jahr im Fastenmonat Ramadan ausgegeben. Vier Wochen lang war die Moschee ein Treffpunkt für Muslime aus der Stadt und der Umgebung. Täglich 300 bis 400 Gäste zählte die Gemeinde, an Wochenenden bis zu 600.

Auch andere Moscheegemeinden in der Stadt, aber auch Gemeinden in Sindelfingen oder Weil der Stadt laden im Ramadan zum öffentlichen Fastenbrechen ein – und freuen sich auch über deutsche Besucher. Denn anders, als es die die meisten Nichtmuslime verstehen, geht es im Fastenmonat nicht primär um den Verzicht. „Das schönste am Ramadan ist die Gemeinschaft, das gemeinsame Beten und Essen am Abend“, sagt Osman Yozgat vom Vorstand der Herrenberger Moschee.

Moscheen sind auch in vielen arabischen Ländern geschlossen

Dieses Jahr jedoch müssen die Gläubigen – nicht nur in Leonberg, Herrenberg, Sindelfingen und Stuttgart, sondern auch in vielen muslimischen Ländern – auf diesen Brauch verzichten. „Es wird ein trauriger Ramadan für viele“, sagt Osman Yozgat. Denn wegen des Coronavirus sind Treffen und Versammlungen jeglicher Art verboten. Bereits seit Wochen sind die Moscheen geschlossen – und das fast überall auf der Welt. Gebetet wird nur noch zuhause.

Wie auch viele Kirchengemeinden sich zu Ostern virtuelle Events für die Gläubigen ausgedacht hatten, versuchen nun auch die Muslime online ein wenig Gemeinschaftsgefühl zu vermitteln. „Unser Imam wird täglich nachmittags in unserer Moschee aus dem Koran lesen. Das wird dann per Skype übertragen“, sagt Yozgat.

Auch der Ditib-Bundesverband bietet den Gläubigen einen besonderen Service. Während des Ramadans wird der Koran einmal komplett gelesen – eigentlich gemeinsam in der Moschee. Dieses Jahr wird die Lesung zentral aus der Kölner Moschee per facebook, Instagram und Youtube übertragen – täglich von 12 Uhr an. Manche Muslime – wie die Sindelfingerin Yasemin Yüzbasi vom muslimischen Frauenverein Nisa sehen in der Krisensituation gar eine Chance für die Gläubigen.

Zeit für Spiritualität

„Eigentlich ist der Ramadan ja der Monat der Besinnung und Spiritualität“, sagt Yüzbasi. Doch diese gehe häufig verloren. „Die Frauen stehen oft den ganzen Tag am Herd und kochen, weil sie abends Gäste erwarten.“ Zum Meditieren und Beten bleibe da oft kaum Zeit. „Dieses Jahr fällt das alles weg. Da bleibt Raum und Zeit für mehr Spiritualität.“

Eines freilich wird auch Yasemin Yüzbasi vermissen: „Das gemeinsame Gebet nach dem Ramadanessen. Dafür gehen wir normalerweise in die Moschee.“ Doch dieses Jahr muss es zuhause im Familienkreis stattfinden.

Eine kleine Hoffnung bleibt den Muslimen: Während des Ramadans, der bis Ende Mai dauert, könnten weitere Lockerungen der Kontaktsperre in Kraft treten. Vielleicht kann ja zumindest das abschließende Zuckerfest mit einigen Gästen gefeiert werden.

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