Falschaussage vor Gericht Haft für Opfer eines Osmanen-Überfalls

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Der Angeklagte wird wegen Falschaussage verurteilt. Foto: Archiv

Böblingen - Die Stimmung im Saal des Böblinger Amtsgerichts hat etwas Gespenstisches. Auf den Zuschauerplätzen sitzen dunkel gekleidete junge Männer, die meisten mit langen schwarzen Bärten, einige von ihnen kahl geschoren. Sie scherzen und lachen. Der Angeklagte schaut mal finster, mal grinst er zu ihnen hinüber. Zwei Sicherheitskräfte der Justiz mit schwarzen Handschuhen lassen den Angeklagten nicht aus den Augen. Der 36-Jährige musste sich jetzt wegen einer Falschaussage und Freiheitsberaubung verantworten. Er selbst sitzt seit fast einem Jahr in Untersuchungshaft. Im Gefängnis wird er vorerst auch bleiben. Denn der Amtsrichter Werner Kömpf verurteilte ihn zu einem Jahr und sechs Monaten Haft – das Grinsen und Lachen verging dann allen.

Eine Weile hatten die Kumpels des Angeklagten und wohl auch der 36-Jährige noch gehofft, dass der Richter Milde zeigen würde. Schließlich hatte der Mann aus dem Kreis Ludwigsburg ein Geständnis abgelegt und von seinem Verteidiger ausrichten lassen, dass er während des Verhörs bei der Polizeidirektion Böblingen unter Drogen gestanden und ganz einfach Angst hatte.

Das Opfer hatte Angst

Angst vor denjenigen, die ihn im Februar vorigen Jahres gegen 18 Uhr unweit seiner Wohnung überfallen hatten. Der 36-Jährige stieg gerade in seinen Mercedes, als vier Männer vor die Fahrertüre traten. Sie waren mit Mützen und Schals vermummt. Einer hieb ihm mit einem Baseballschläger auf den linken Arm, ein anderer schwang eine Machete, die ihn am Knie und am Oberschenkel traf. Ein Dritter versetzte dem 36-Jährigen sieben Messerstiche, durch die er ebenfalls am Oberschenkel und am Knie verletzt wurde. Der Vierte stand vor dem Wagen Schmiere. Eigentlich hatten die Täter ihn aus dem Wagen zerren wollen. Doch das misslang ihnen, weil sich der Mann mit einer Hand am Lenkrad festhielt. Irgendwie muss er auf die Hupe gekommen sein. Als diese ertönte, ließen die Angreifer von ihrem Opfer ab und suchten das Weite.

Welchen Sinn hatte die brutale Attacke? Ein 43 Jahre alter Beamter der Polizeidirektion Böblingen versuchte das als Zeuge vor Gericht zu erläutern. Der 36-Jährige habe wohl einst einer rockerähnlichen Gruppierung angehört und seine Mitgliedschaft aufgekündigt. Die Täter hatten den 36-Jährigen nun wohl als ihren Feind betrachtet. Näheres wurde in der Gerichtsverhandlung nicht bekannt.

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