Evangelische Bildungsreferentin Mit Kreativität und Offenheit läuft es einfach

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Nach elf Jahren in Leonberg verabschiedet sich Ursula Wagner in den (Un-)Ruhestand. Foto: factum/

Leonberg - Ursula Wagner sitzt an dem kleinen Besprechungstisch in ihrem Büro im Leonberger Haus der Begegnung, der marineblaue Hosenanzug sitzt perfekt, das bunte Tuch um Hals und Schulter mildert die Strenge. Gerade eben hat sie noch im ersten Stock die Gäste des Kunstfrühstücks begrüßt, später wird sie noch einige Details mit ihrer Nachfolgerin Monika Johna besprechen. Am Freitag, 10. Mai, 19 Uhr, wird sie im Haus der Begegnung offiziell in den Ruhestand verabschiedet.

Seit 2008 ist Ursula Wagner die Bildungsreferentin des evangelischen Kirchenbezirks Leonberg, und das mit Leib und Seele. „Bildung“, weiß sie, „war schon für Philipp Melanchthon, den besonnenen Partner Martin Luthers, überaus wichtig.“

Verantwortung übernehmen können

Und ganz im Sinne Melanchthons, für den Bildung das eigenständige Denken und Diskutieren fördern sollte, erklärt sie kurz die Bildungsziele der evangelischen Erwachsenenbildung: „Wir wollen dazu beitragen, dass die Menschen sich eine eigene Meinung bilden, diese auch ausdrücken können und schlussendlich dadurch auch Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen.“ Die dreifache Mutter lacht und erzählt entspannt: „Es hat mir immer viel Spaß gemacht, dafür neue Formate zu entwickeln und Ideen umzusetzen.“

Wie das Kunstfrühstück, zu dem versierte Referenten bei Kaffee und Laugenweckle einen Vortrag über eine Kunstrichtung halten. Oder die After-Work-Partys, die an wechselnden Orten stattfinden und ungewöhnliche Begegnungen ermöglichen. Ursula Wagner ist sogar 2017, im Jubiläumsjahr der Reformation, mit einem Stück, das Schuldekan Andreas Hinz über Luthers Ehefrau Katharina von Bora geschrieben hat, in Leonberg auf Tour gegangen, um Gespräche und Diskussionen über Glaube und Leben damals und heute anzuregen. „Das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht“, erzählt sie, „obwohl ich ziemlich Lampenfieber hatte. Ich wusste ja auch nicht, ob ich das auch wirklich kann.“ Ja, sie konnte.

Afrika hinterlässt bleibenden Eindruck

Die Diplompädagogin und Diplombetriebswirtin mit der Zusatzqualifikation Organisatorin im kirchlichen Kontext hat in der Erwachsenenbildung ihre Berufung gefunden. Stationen waren das Haus der Familie in Sindelfingen oder die Caritas, wo sie im Projektmanagement tätig war. Tief beeindruckt hat sie ihre Zeit in Nigeria, wo sie drei Jahre mit ihrem Mann im kirchlichen Entwicklungsdienst tätig war. „Ein Teil von meinem Herzen ist in Afrika geblieben“, sagt sie denn auch mit leichter Wehmut in der Stimme.

In Leonberg hat sie sich schnell zuhause gefühlt. „Ich habe von Anfang an sehr gerne hier gearbeitet. Nicht nur aufgrund der freien Gestaltungsmöglichkeiten, sondern auch der optimalen Rahmenbedingungen wegen. Dekan Wolfgang Vögele steht für die Erwachsenenbildung und ist, wie der gesamte Leitungskreis, offen für alle Anregungen“, resümiert Ursula Wagner. Das hat ihr die Kooperation mit den unterschiedlichsten Menschen, Initiativen, Einrichtungen und Vereinen, selbstverständlich konfessionsübergreifend, erleichtert. „Und Kooperation ist das Wichtigste“, findet sie.

Schwere Krankheit überstanden

2015 ereilte Ursula Wagner die Diagnose Leukämie. „Ich habe die Krankheit gut überstanden“, sie macht nicht viele Worte, „aber sie hat mich in dem Entschluss bestärkt, früher in den Ruhestand zu gehen.“ Kurz hält sie inne. „Dabei war es schön zu erleben, dass die Stelle der Bildungsreferentin in der Leonberger Kirchengemeinde so wertgeschätzt wird, dass die Wiederbesetzung zu keiner Zeit in Frage gestellt wurde. Das ist nicht selbstverständlich“, erklärt die künftige Ruheständlerin.

Langweilig wird es der heute 60-Jährigen im neuen Lebensabschnitt sicher nicht, denn da gibt es ja noch die Ideensammlung, die sie jetzt in Angriff nehmen kann. Doch mit fünf Enkelkindern, einem reiselustigen Temperament und einem Wohnmobil wird es nicht viele Pausen geben. Die erste Reise ist schon geplant: Slowenien, das Land, das in diesem Jahr im Mittelpunkt des Weltgebetstags stand und ihre Neugier geweckt hat.

Was Wagner nicht vermissen wird, ist der fast tägliche Stau von ihrem Heimatort Weil im Schönbuch nach Leonberg. Monika Johna, der neuen Bildungsreferentin, gibt Ursula Wagner nur einen Tipp mit auf den Weg: „Kreativ und offen sein.“ Und dann, das weiß sie aus Erfahrung, läuft’s.

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