Ernst Konarek Auch mit 75 denkt er noch nicht ans Aufhören

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Er sprudelt nur so vor Ideen und Tatendrang: Ernst Konarek in seinem Garten in Malmsheim. Foto: factum/Jürgen Bach

Renningen - Eigentlich standen die Pläne für den runden Geburtstag im Hause Konarek schon längst fest. „An meinem 75. Geburtstag wollte ich mein Stück ‚Herzschnittchen und die fünf Bypässe‘ im Stuttgarter Theaterhaus spielen“, erzählt der Jubilar, „und danach feiern.“ Das Stück war das erste, mit dem der Film- und Theaterschauspieler, Kabarettist, Vorleser, Autor und engagierte Großvater nach seiner schweren Herzoperation vor rund vier Jahren wieder auf der Bühne stand und erzählt auf amüsante Weise von den Erlebnissen des herzkranken Patienten Konarek. Doch wie so manches andere hat das Coronavirus auch die Geburtstagspläne des Jubilars durchkreuzt.

Überhaupt, das Virus: „Ich bin es gewohnt, zu arbeiten, zu reisen und auf der Bühne zu stehen“, rund 80 bis 100 Termine kommen pro Jahr zusammen. „Und ganz plötzlich, schlagartig, ist damit Schluss gewesen. Das war ein sehr eigenartiges Gefühl“, erzählt der umtriebige Künstler, für den der Beruf gleichermaßen sein Hobby ist. Doch alle Termine sind bis auf weiteres abgesagt, die Projekte nach hinten verschoben. „Man gewöhnt sich daran“, sagt er mit milder Geduld in der Stimme, „und es hat ja auch überraschende Effekte. Plötzlich weiß man viel mehr über die Grippe“, sagt er und lacht.

Ein Stück über David Bowie

Doch Untätigkeit liegt dem gebürtigen Wiener, der schon lange in Malmsheim lebt, nicht. Zusammen mit Kollege Gottfried Breitfuß bereitet er das Theaterstück „Indien“ vor, das in der kommenden Spielzeit in Kempten aufgeführt werden soll. Die beiden Schauspieler haben damit bis 2009 in Stuttgart Erfolge gefeiert, 200 Mal gaben sie die zwei sehr unterschiedlichen Restauranttester, die mehr oder weniger feinsinnig über das Leben philosophieren. Weiter geht es im Alten Schauspielhaus in Stuttgart. Hier wollen die beiden „Sonny Boys“ auf die Bühne bringen, Konarek hat das Stück umgeschrieben.

Und die unfreiwillige Pause hat auch ihr Gutes: „Ich habe die Zeit genutzt, um endlich das schon lange geplante Stück über David Bowie zu schreiben.“ Bowie hat er zwar nie getroffen, doch die Recherchen für das Stück versetzen ihn zurück in alte Zeiten und in das Berlin der 70er Jahre, als er auf der Freien Volksbühne Berlin spielte und danach ins Berliner Nachtleben eintauchte. Oft auch ins berühmt-berüchtigte „Chez Romy“, dem Nachtclub von Romy Haag, wo Konarek der „Ikone des Glam-Rock“, wie Bowie auch genannt wird, durchaus hätte begegnen können. Trotzdem ist ihm der Spaß, den ihm das Schreiben des Stücks gemacht hat, deutlich anzumerken. Mit dem österreichischen Schauspieler Hans Piesbergen hat er auch schon die Wunschbesetzung für die Hauptrolle gefunden. „Er sieht aus wie der junge Bowie“, sagt er mit dem für ihn so typischen verschmitzten Lächeln auf dem Gesicht.

Theater, Fernsehen, Radio – Konarek mischt mit

Ernst Konarek hat seine Schauspielausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien absolviert. Danach folgten Engagements an etlichen deutschen Bühnen wie dem Staatstheater Braunschweig, am Schauspielhaus Bochum, dem Schauspiel Frankfurt und natürlich dem Stuttgarter Staatstheater, wo er von 1988 bis 2010 zum festen Stamm gehörte. Auch vom Fernsehschirm kennt man ihn, er spielte im „Tatort“, bei „Kottan ermittelt“, „Kommissar Rex“ und etlichen anderen Filmen. Auch im Hörfunk ist er zuhause, hat für den SWR Konzepte entwickelt, Sendungen gemacht und Hörspiele aufgenommen.

„In meinem Beruf ist vieles Schall und Rauch“, resümiert der Künstler. „Man spielt, und dann ist es vorbei. Das ist immer ein einmaliges Erlebnis, kein Abend ist wie der andere. Deshalb finde ich es so wichtig, vorwärts zu schauen und immer wieder zu vermitteln, dass es um Inhalte geht.“ Wie bei dem ungewöhnlichen Abend im Renninger Bürgerhaus, als er zusammen mit Asylsuchenden aus dem Malmsheimer Flüchtlingsheim auf der Bühne stand. Er hat diesen Abend initiiert, um die Alteingesessenen und die Neuankömmlinge einander näher zu bringen. „Es hat geklappt.“ Das freut ihn bis heute: „Die Menschen sind zwar erst zögerlich, dann aber immer mehr ins Gespräch gekommen.“

„Das Alter wird relevant und bestimmt mit“

In der Region in und um seine Wahlheimat Malmsheim, wo er mit seiner Familie seit gut 30 Jahren lebt, ist Konarek einem breiten Publikum durch Kabarettauftritte und Lesungen bekannt. Viele davon haben schon Tradition, wie die Adventslesung in Warmbronn oder die monatliche Lesung im Kulturverein Botnang. Die werden, so hofft er, auch bald wieder aufgenommen, denn auch 75 Lebensjahre können den tatkräftige Jubilar nicht ausbremsen.

Trotzdem macht er sich Gedanken. „Kann ich das noch realisieren?“ Diese Frage stellt er sich immer wieder. „Ich bin an einem Punkt, an dem das Alter relevant wird und mitbestimmt“, sagt Konarek. Doch dann plant er unbeirrt optimistisch weiter, mindestens zwei Jahre im Voraus.

Es ist noch lange nicht Schluss

Für die Familie und die zwei Enkel hat er immer Zeit eingeplant. „Ich will die Kinder ja groß werden sehen“, sagt er, nicht zuletzt deshalb treibt er regelmäßig Sport. Auch den Urlaub lässt er sich trotz vieler Arbeit nicht nehmen, zuletzt reiste er mit seiner Frau Sabine nach Usbekistan. „Eine Traumreise“, erzählt er, besonders der Abstecher nach Buchara, der Stadt, in der die gleichnamigen Teppiche gefertigt werden. Selbstredend ist der bekennende Teppichliebhaber nicht ohne einen neuen Teppich nach Hause gereist.

Ernst Konarek ist trotz seiner Erfolge ein bodenständiger, lebendiger und vielseitig interessierter Mensch geblieben, der mit viel Humor und unaufdringlicher Vielschichtigkeit sein Publikum begeistert. Und der auch mit 75 Jahren noch lange nicht an den Abschied von der Bühne denkt.

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