Erinnerungen an 90 Jahre Weihnachten Immer leuchten der Stern und die Krippe

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Weihnachten 1935: Annelies Schermaul (r.) mit den Eltern, der jüngeren Schwester (links), einem Nachbarmädchen und dem jüngsten Bruder. Der Ältere hatte sich einen Fotoapparat gekauft und damit das erste Blitzlicht-Foto der Familie geschossen. Foto: privat

Rutesheim - Ein Zauberglanz liegt auf dem Wort Weihnachten, ein Glanz, der mich ein Leben lang begleitet hat. Sei es in der Kindheit, in den Jugendjahren, in trauter Umgebung oder in schrecklichen, kriegerischen Zeiten, in Not und Elend. Immer wieder leuchteten der Stern und die Krippe.

Ich werde noch kein Schulkind gewesen sein, als ich bewusst dieses Fest im Kreise der Familie erlebte. In einem richtigen Bauerndorf aufgewachsen, gab es in damaligen Zeiten wenig Veranstaltungen oder besondere Ablenkungen. Waren alle bäuerlichen Arbeiten auf den großen Bauernhöfen im Herbst verrichtet, erwarteten wir den Schnee, der die Häuser und Höfe umhüllte und die winterliche Ruhe einkehren ließ. Mit ihm kamen die Vorboten der Weihnachtszeit, St. Kathrin, St. Andreas, St. Barbara, der Hl. Nikolaus. Weihnachtliche Vorfreude breitete sich aus. Der Christbaum wurde vom Vater im Bauernwald geschlagen, die Christbrote im Haus gebacken.

Erstes Weihnachtsbild der Erinnerung

Geschmückter Christbaum, duftendes Gebäck, Eltern und Großvater, Stille, Schnee, Kirchgang.

Ein zweites Bild

Weihnachten in der Dorfschule. Alle acht Schuljahre in einem Klassenraum versammelt, großer, strahlender Weihnachtsbaum, Lehrer mit der Geige, die singenden Kinder begleitend, selbst gebastelter Baumschmuck, andachtsvolle Erwartung. Der Blick aus den Fenstern über die verschneiten Dächer hinüber zum Hausberg Jeschken. Mit kleinen Geschenken (Schal, Handschuhe, Socken, Pudelmütze, Äpfel und Nüsse) durch den Schnee stampfend in die warmen Stuben. Glücklicher Tag im Schulleben.

Foto: privat
Diese Bilder, dieses weihnachtliche Geschehen, begleiteten uns durch die Kindheit ins jugendliche Alter. Das politische Leben hatte sich verändert, andere Lieder, hinweisend auf ein Deutschtum, kamen dazu. Hohe Nacht der klaren Sterne, Weihnachtszeit kommt nun heran. Es war für uns und viele andere eine Zeit angekommen, bald war wieder Weihnachtszeit. Wir sangen mit Freuden. Das Lied von der Stillen heiligen Nacht blieb über alle Grenzen bestehen.
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