Entwicklungszentrum von Porsche Ausbau der Zufahrt lässt auf sich warten

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Eigentlich darf man von der Südzufahrt des Entwicklungszentrums kommend nur rechts abbiegen – nicht jeder hält sich dran. Foto: Simon Granville

Weissach - Ortstermin an einem Samstagvormittag an der neuen Südzufahrt zum Porsche-Entwicklungszentrum (EWZ): Schon das erste Auto, das von dort kommt, biegt nach links in Richtung Flacht ab – unerlaubterweise. Denn vorgesehen ist nur die Ausfahrt nach rechts auf die Kreisstraße 1017, die kurz nach Querung der Gemarkungs- und Landkreisgrenzen als K4569 Richtung Mönsheim (Enzkreis) führt.

Ebenfalls nicht erlaubt ist, von Flacht kommend nach rechts zum Firmengelände samt neuem Parkhaus mit 1500 Plätzen abzubiegen. Es gilt also, vorbei an Perouse, über den Diebkreisel auf die Landesstraße 1134 bis kurz vor Mönsheim zu fahren, dann nach rechts in die Kreisstraße 4569 abzubiegen und nach zwei Kilometern links in Richtung EWZ einzufahren.

Seit Kurzem ist die Südzufahrt geöffnet, das neue Parkhaus fertiggestellt. „Wir haben die Mitarbeiter über die Verkehrsführung informiert“, sagte Jana Jessen, Pressesprecherin am Standort Weissach. Diese Verkehrslenkung sei als Teil eines städtebaulichen Vertrags mit der Gemeinde Weissach vorgegeben gewesen. Kritik habe es nicht gegeben, auch nicht von Mitarbeitern aus Flacht, die einen Umweg fahren müssen, wenn sie ins neue Parkhaus wollen. Sie könnten eventuell auch mit dem Jobrad der Firma fahren, nannte Jana Jessen eine mögliche Alternative.

Porsche-Mitarbeiter soll aus der Ortsdurchfahrt heraus

Auch der Weissacher Bürgermeister Daniel Töpfer (CDU) führte spontan diese Möglichkeit an, wenn auch eher augenzwinkernd. Ziel der Planungen sei von Anfang an gewesen, den Ortsteil Flacht frei von zusätzlichem Durchgangsverkehr zu halten. Seither lief der gesamte Werksverkehr über die Nordzufahrt in Weissach, die von dort und ebenfalls aus Richtung Mönsheim kommend über die L1177 zu erreichen ist. Wenn sich die Pendlerströme auf zwei Zufahren aufteilen und verstärkt über die Landesstraße L1134 anfahren, soll die Gemeinde vom Durchgangsverkehr entlastet werden.

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Soweit er wisse, so Töpfer, wohnen etwa 220 Porsche-Mitarbeiter in Weissach und Flacht. Insgesamt arbeiten beim EWZ etwa 7000 Menschen. Von Bürgern seiner Gemeinde sei bisher keine Kritik an der Verkehrsführung gekommen. Die Gemeinde Mönsheim hat ihre Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau der Kreisstraße K4569/K1077 im Juli zurückgezogen. Nach Ansicht des beauftragten Anwalts könnten „keine weiteren Verbesserungen für die Gemeinde erzielt werden“.

Die Verkehrsführung an der Südzufahrt selbst war kein Verfahrensbestandteil. Mit ihrer Klage wandte sich die Kommune vor allem gegen einen ihrer Meinung nach falsch trassierten neuen Radweg. Der Straßenausbau verschärfe auch die Wasserproblematik, hieß es, denn das Oberflächenwasser von der höher gelegenen Kreisstraße soll teilweise über Mönsheimer Auffangbecken geführt werden. Inzwischen hat der Enzkreis als Vorhabenträger dafür eine finanzielle Beteiligung zugesagt.

Straße kostet 4,5 Millionen Euro

An ihrer deutlichen Kritik am geplanten Straßenbauvorhaben, für das mit Kosten von etwa 4,5 Millionen Euro gerechnet wird, halten indes die Gemeinderäte der Unabhängigen Bürgerliste Mönsheim fest. „Wir verstehen die Flachter, dass sie eine beruhigte Ortsmitte wollen“, sagte Joachim Baumgärtner. „Aber bei uns in Mönsheim wird sich der Autoverkehr bis weit hinein in die Ortsmitte zurückstauen“, prophezeite Simone Reusch. Das gelte vor allem, wenn zu der schon vorhandenen Ampel auf der Landesstraße L1134 zwischen Mönsheim und dem zur Hauptverkehrszeit überlasteten Diebkreisel noch eine weitere hinzukomme, die den Abbiegeverkehr von der Landesstraße zur K4569 regelt.

Die Forderung der Mönsheimer UBLM-Gemeinderäte: Das Abbiegen von der Südpforte nach Flacht nur für LKWs sperren, PKW-Fahrer sollten wählen können. Die Räte kritisieren auch den geplanten Radweg, der durch ein geschütztes FFH-Gebiet (Flora, Fauna, Habitat) „von irgendwo nach nirgendwo“ führe, so Joachim Baumgärtner. „Wir sind für Radwege“, betonte er, „aber da, wo sie Sinn machen.“ Die Wasser-Problematik ist den Gemeinderäten ebenfalls ein Dorn im Auge. Gemeinderat Hans Kuhnle bedauerte, dass es den Arbeitskreis Porsche mit Vertretern der Landratsämter, der Gemeinden und Porsche nicht mehr gebe. Man müsse jetzt wieder an einen Tisch sitzen, forderte er.

Der Weissacher Bürgermeister sagte dazu, dass die Arbeitsgruppe vor Jahren auf seine Initiative hin entstand, um über die Entwicklung bei Porsche und den Straßenausbau zu sprechen. Derzeit gebe es keine akuten Themen, neue Treffen seien nicht geplant. Porsche-Sprecherin Jessen erklärte, man habe sich darauf verständigt, dass der Kreis bei Bedarf wiederbelebt werden könne. „Wir sind offen für Gespräche und im ständigen Austausch mit den Gemeinden“, betonte sie.

Grundstückseigentümer klagen

Wann tatsächlich mit den Bauarbeiten an der kurvigen, schmalen und hügeligen Kreisstraße begonnen wird, lässt sich derzeit laut dem Enzkreis-Landratsamt nicht verbindlich sagen. Denn von privaten Grundstückseigentümern ist noch eine Klage gegen die geplante Straßenbreite anhängig. Erst mit dem Ausbau des 2,1 Kilometer langen Straßenstücks wird die jetzt noch provisorisch gestaltete Kreuzung an der Südzufahrt baulich so ausgestattet, dass kein Autofahrer unerlaubterweise in Richtung Flacht abbiegen kann, „ohne das Auto kaputt zu machen oder ein hohes verkehrliches Risiko einzugehen“, so Daniel Töpfer.

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