Energiesparen in Weissach Im Ernstfall gibt es Tee aus der Feldküche

Von Sophia Herzog
Schlecht isoliert und schwer zu beheizen: Um Energiekosten zu sparen, bleiben das Heimatmuseum in Flacht (im Bild) und das historische Rathaus in Weissach diesen Winter zu. Foto: Simon Granville

Es waren klare Worte, die Weissachs Bürgermeister Jens Millow in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats fand: „Wir machen den Laden dicht“, verkündete er. Gemeint ist nicht etwa der Sitzungssaal in der Strudelbachhalle, sondern das historische Rathaus am Weissacher Marktplatz. Auch das Heimatmuseum in Flacht muss in diesem Winter seine Türen schließen. Der Grund ist einer, der aktuell nicht nur Bürgerinnen und Bürger, sondern auch Verwaltungen umhertreibt: Energiesparen.

Fast dreifache Preissteigerung

Bisher waren die Strom- und Heizkosten in den kommunalen Gebäuden über Jahre recht konstant. 780  000 Euro fielen dabei im Jahr 2021 an. „Drei Viertel der Energie, die wir verbrauchen, ist Strom“, erklärte Millow in der Sitzung, in der er gemeinsam mit Klimaschutzmanager Dominik Karczag das Energiesparprogramm der Gemeinde vorstellte. Die meisten kommunalen Liegenschaften werden mit Erdgas beheizt, insgesamt sieben mit Öl und nur eins mit einer Pellet-Heizung. Die größten Energieverbraucher sind etwa die Ferdinand-Porsche-Schule, die alte Strickfabrik, die Heckengäu- und die Flachter Sporthalle und der Bauhof.

Unter anderem dort werden sich die aktuellen Kostensteigerungen in Sachen Energieversorgung besonders deutlich abzeichnen. Mit Gesamtkosten von knapp 2,3 Millionen Euro rechnet Karczag für das Jahr 2023 – eine fast dreifache Preissteigerung. Hinzu kommt, dass die Strom- und Erdgasverträge der Gemeinde Ende des Jahres auslaufen, die Sterne für neue Vertragsverhandlungen aktuell denkbar schlecht stehen. „Wir agieren hier mit Steuergeldern und sind deshalb auch zu großzügigen Einsparungen verpflichtet“, so Karczag. „Wir wollen einen Beitrag leisten.“

Heimatmuseum und Altes Rathaus bleiben zu

Gewählt hat man dafür unter anderem eine laut Millow besonders „radikale Lösung“: Über die Wintermonate schließen soll das Heimatmuseum in Flacht, in dieser Zeit könnten aber die Flure und Wände im Rathaus für kleine Ausstellungen genutzt werden, so Millow. „Das Gebäude ist wirklich schlecht isoliert.“ Die Museumsleiterin wolle sich in den Wintermonaten außerdem dem Sortieren der Bestände widmen. Nicht geheizt wird im Winter außerdem das historische Rathaus in Weissach, das derzeit nur über Nachtspeicheröfen verfügt. Die dort ansässige Hausaufgabenbetreuung und die Corona-Teststation ziehen temporär ins neue Rathaus um. „Alle Betroffenen sind glücklich mit der Situation“, so Millow – nicht zuletzt, weil die Räumlichkeiten im neuen Rathaus etwas gemütlicher seien.

Neben den Schließungen stehen auch Temperaturabsenkungen im Bauhof, der Festhalle Flacht und in den Sporthallen an. Einige Schulen und Kitas, die bisher noch nicht mit smarten Thermostaten ausgestattet sind, sollen solche nun bekommen und so bis zu 25 Prozent weniger Energie verbrauchen. Mit elektronischer Steuerung der Straßenbeleuchtung, die bereits jetzt stellenweise für Einsparungen sorgt, wird das Licht von 20 Uhr abends bis sechs Uhr morgens gedimmt. Und auch die Weihnachtsbeleuchtung wird in diesem Jahr nicht mehr ganz so hell erstrahlen. 130  000 Euro will die Verwaltung mit all diesen Maßnahmen zumindest für das Jahr 2023 einsparen.

Mittel- und langfristig sollen zudem die Heizungen in kommunalen Gebäuden modernisiert und Gebäude energetisch saniert werden. Zwei Sanierungspläne, für die Flachter Festhalle und die Alte Strickfabrik, wurden bereits beauftragt. Und auch das Thema Photovoltaik will die Verwaltung im neuen Jahr vorantreiben.

Katastrophenschutz im Notfall

Und wenn in diesem Winter doch alles schiefgeht – und Heizung und Strom aufgrund von Mangellagen tatsächlich ausfallen? Für den Ernstfall hat die Rathausspitze einen Katastrophenschutzplan erstellt, mit „Maßnahmen, die man hoffentlich niemals braucht“, so Millow. Kommt es tatsächlich zu Ausfällen, plant man also Wärmepunkte, die beheizt werden sollen. Auch „Unmengen an Tee und Brühe“ soll es dort geben. Dafür hat die Kommune für 3000 Euro eine gebrauchte Feldküche gekauft. Drei Notstromaggregate wurden angeschafft, damit werden jeweils die Feuerwehr, das DRK und der Bauhof ausgestattet. Immerhin ein kleiner Hoffnungsschimmer blitzt bei all den Hiobsbotschaften durch: „Aktuell ist dieses Szenario noch sehr fern“, so der Bürgermeister.

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