Elf Nestflüchter Ein Seerosenteich voller Entenküken

Von Arnold Einholz
Eins, zwei, drei ... elf, alle Entenküken folgen artig der Mutter zum ersten Schwimmausflug auf dem Seerosenteich im Garten der Familie Zühlke in Warmbronn. e Foto: Simon Granville/Simon Granville

Seit Jahren bekommt die Familie Zühlke in Warmbronn im Frühling auf ihrer Gartenwiese und am Seerosenteich Besuch von einem Stockenten-Paar. Das war wahrscheinlich auf der Suche nach einer bezahlbaren Mietwohnung. Was in der Region und vor allem im Speckgürtel der Landeshauptstadt schier unmöglich ist.

Doch das Paar zeigte sich beständig und hatte endlich Erfolg. „Als es vor einigen Wochen überraschend geschneit hat, ist der Erpel allein im Schnee herumgewatschelt“, erinnert sich Rainer Zühlke. „Das war überraschend, denn die beiden sind immer im Duo aufgetreten, da musste etwas im Busch sein – im wahrsten Sinne des Wortes .“

Mutterente lässt sich nicht stören

Und so hat sich der Hausherr behutsam auf die Suche gemacht. Am Fuße einer etwa 1,5 Meter hohen mit Wildem Wein bewachsenen Mauer an der Terrasse beim Seerosenteich wurde er fündig. Gut getarnt durch ihr Federkleid saß die Ente auf einem Nest.

„Wir haben dann gleich gegoogelt und erfahren, dass sie etwa 28 Tage brüten muss“, schildert Rainer Zühlke. Die Ente ließ sich nicht stören. „Die hatten wohl auch herausgefunden, dass unsere Katze viel zu alt ist, um auf die Entenjagd zu gehen“, mutmaßt der Senior. Jeden Morgen schaute Rainer Zühlke vorbei und wünschte „Guten Morgen“, was die werdende Mutter aber nicht beeindruckte. Einzig als es regnete und er von der Terrasse aus einen schützenden Regenschirm über das Nest aufspannen wollte, verkroch sich die Ente.

Aus jedem Ei ein Küken

„Da konnte ich zum ersten Mal einen kurzen Blick auf die Eier im Nest werfen, bevor ich mich zurückzog – es waren elf“, sagt der 81-Jährige, der immer noch begeistert ist. Gespannt fieberte die Familie dem 28. Tag entgegen, an dem die Entenküken schlüpfen sollten. Doch diese hielten sich überhaupt nicht an den Termin und wollten anscheinend früher die warmen Strahlen der Mai-Sonne genießen.

„Es war der 24. Tag, als sich das freudige Ereignis ankündigte“, erzählt der Warmbronner. Irgendwie habe in der Nacht auf Donnerstag Unruhe in dem Nest geherrscht. „Ich habe sogar den Kegelabend abgesagt. Meine Entschuldigung war Nachwuchs in der Familie“, erzählt Rainer Zühlke. Und am Morgen schauten die ersten Flauschebällchen unter den Federn der Entenmutter hervor, die sie aber zurück in den warmen Schutz schubste. „Am Freitag um 9.30 Uhr dann die große Überraschung: Insgesamt elf Nestflüchter folgten der Mutter in den vier mal drei Meter großen Seerosenteich . Dort drehten sie gemeinsam ihre Runden – da war richtig Leben in der Bude“, sagt Rainer Zühlke und freut sich.

Und dann waren sie weg

„Sie hat alle Eier durchgebracht“, so der Warmbronner, der stolz auf seine tierische Mieterin ist. Die Freude währte aber nicht lange: Nach Stockenten-Art hat sich die Familie unbemerkt in Marsch gesetzt und war am Samstag spurlos verschwunden. Und so blieb auch der Tragekorb leer, den der Senior vorbereitet hatte, um den Entennachwuchs zum Renninger See zu bringen.

Mit dem Fahrrad hat er einige Runden in der Nachbarschaft gedreht, um vielleicht noch einen Blick auf die muntere Schar zu erhaschen. „Leider ohne Erfolg, aber diese Tragik kann ich ertragen, denn sie haben gemacht, was in der Natur der Stockenten liegt, nämlich sich vom Nest zu entfernen“, weiß Rainer Zühlke. „Trotzdem sind es aufregend schöne Tage gewesen, die uns diese Entenfamilie geschenkt hat“, sagt er und hofft auf eine Wiederholung im nächsten Frühling.

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