„Eiserei“ in Rutesheim Im Eiscafé geht es täglich heiß her

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Eine willkommene Abkühlung für Bürgermeisterin Susanne Dornes von Kerstin Mack und Peter Rebmann. Foto: factum/Jürgen Bach

Rutesheim - Der 18. Januar hat das Leben von Kerstin Mack, Peter Rebmann und ihrer Familie radikal verändert. An diesem Tag haben die beiden eine Entscheidung getroffen, die alles bisher Dagewesene auf den Kopf gestellt hat. Die beiden Endvierziger haben beschlossen, ihre bisherigen Berufe aufzugeben und in Rutesheim eine Eisdiele zu eröffnen.

„Schuld“ daran ist ein Besuch in Rimini an der italienischen Adriaküste in der Emilia-Romagna. Kerstin Mack und Peter Rebmann haben auf der Fachmesse für Speiseeis-, Konditoren- und Bäckerhandwerk, die dort seit 42 Jahren stattfindet, vorbeigeschaut. „Am Abend im Hotel ist für uns klar gewesen: Das machen wir auch“, sagt Kerstin Mack im Rückblick. „Schon dort haben wir begonnen, ganz konkret Pläne zu schmieden“, sagt Peter Rebmann, wenn er an diese Tage zurückdenkt.

Wenige Monate Vorbereitungszeit

Zurück in Deutschland haben sie nicht lange gezögert und mit hohem Tempo Nägel mit Köpfen gemacht. Mögliche Lieferanten und Ausstatter waren überrascht und zum Teil auch überfordert mit dem ehrgeizigen Zeitplan, den sich die beiden gesetzt hatten. „Als wir Mitte Juni als Eröffnungstermin ins Gespräch gebracht haben, dachten nicht wenige, wir meinen Juni 2021“, sagt Kerstin Mack und muss lächeln. „Ein Ausstatter meinte: Da sollte ich Sie aber auf die Prioritätenliste setzen“, erzählt Peter Rebmann von den gemachten Erfahrungen. Und Corona hat die Sache nicht einfacher gemacht. Doch die beiden haben viel selbst Hand angelegt, auch mal improvisiert, und so konnten sie ihren Eröffnungstermin retten.

Nach dem ersten offenen Wochenende ist Kerstin Mack begeistert. Die Kunden haben „Die Eiserei“, die die beiden Weissacher in der Leonberger Straße 18 eröffnet haben, buchstäblich überrannt. „Wir müssen unsere Planungen überdenken“, lautet ihr Fazit. „Ursprünglich dachten wir, dass wir mit vier Aushilfen auskommen und an sieben Tagen die Woche von 10 bis 22 Uhr öffnen können“, sagt Kerstin Mack. Doch es werde wohl darauf hinauslaufen, dass bis zu zwölf Aushilfen gebraucht werden, wenn die eigenen erwachsenen Kinder nicht mehr aushelfen können und zudem mittwochs nun doch ein Ruhetag eingelegt wird.

Der Finanzplaner Peter Rebmann und die gelernte Erzieherin Kerstin Mack, die privat Kinder betreut hat, hatten im Rutesheimer Rathaus mit ihrem Vorhaben offene Türen eingerannt. „Es ist schon immer meine Vorstellung gewesen, den neuen, etwas steinigen Rathausplatz mit Leben zu füllen“, sagt die Bürgermeisterin Susanne Dornes. Und „Die Eiserei“ habe nicht nur eine geniale Lage, sondern passe zum Gesamtbild. „So einen Besuchermagnet braucht es in der Ortsmitte.“

Die Rathauschefin hört es zufrieden, dass die beiden Neu-Unternehmer voll des Lobes für die Unterstützung aus dem Rathaus sind. Kerstin Mack fasst es so zusammen: „Für unser Vorhaben braucht es Herzblut, gute Nachbarn und eine offene Stadt, die einem keine Steine in den Weg legt.“ Unterstützung und Hilfe von den regionalen Banken oder Fördergelder? Der Finanzfachmann Peter Rebmann winkt enttäuscht ab: „Hindernisse und Hürden über Hürden, gepaart mit Bergen von Bürokratie. Obwohl wir einen sehr hohen Eigenkapitalanteil mitgebracht haben.“

200 000 Euro für die Eismaschinen

Und der ist auch notwendig, allein in den Maschinenpark mussten rund 200 000 Euro investiert werden. Denn das Duo macht nicht etwa Eis aus der vorverpackten Fertigmischung. Es wird im eigenen Eislabor, in das man einsehen kann, immer frisch zubereitet. „Unser Credo lautet: beste und hochwertige Zutaten für den besten Geschmack. Und da müssen die Rezepte der täglich 24 Sorten aufs Gramm stimmen“, sagt Kerstin Mack. Die beiden haben beim Lieferanten für Speiseeismaschinen und Eisrohstoffe in Iserlohn eine Eisschulung absolviert.

Vor dem Rathaus stehen nun die bunten Sonnenschirme und Sitzgelegenheiten für die Eisgenießer. Der Wunsch der Bürgermeisterin von einem belebten Platz ist in Erfüllung gegangen. Das Kühle wird entweder in der Waffel oder im kompostierbaren Pappbecher serviert. Oder im 500-Milliliter-Behältnis für zu Hause.

Von der „Eiserei“ aus hat man den Platz mit den Stühlen bestens im Blick. Doch woher kommt der Name? „Bei einem Besuch im Rathaus fiel beim Blick auf das ehemalige Schild Metzgerei erst im Scherz der Vorschlag Eiserei, doch dann fanden wir es alle gut und sind dabei geblieben“, sagt Kerstin Mack.

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