Einkaufszentrum Süd Herzwerk eröffnet Foodsharing-Standort in Renningen

Von Kathrin Klette
Das Abgabehäuschen vom Herzwerk Renningen wird von ehrenamtlichen Helfern aufgebaut. Alexandra Reise, Soreen Handreck-Kruse, Christine Bandu und Verena Geyer (von links) freuen sich schon auf die Eröffnung. Foto: Jürgen Bach

Renningen - Nachhaltigkeit im Alltag, Brauchbares, aber Ungenutztes nicht einfach entsorgen, sondern weitergeben und vor allem Lebensmittel, die noch völlig in Ordnung sind, nicht auf den Müll werfen: Das alles ist für Alexandra Reise aus Renningen eine echte Herzensangelegenheit. Sie ist die Gründerin der privaten Initiative Herzwerk in Renningen, die sich für genau diese Anliegen stark macht.

Ein Projekt der Gruppe ist die Aktion „Lebensmittelherz“. Ab dem Sommer werden in einem kleinen Häuschen am Einkaufszentrum Süd Lebensmittel gesammelt, die im Supermarkt aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr verkauft werden dürfen. Wer vorbeikommt, kann die Waren kostenlos mitnehmen.

Alexandra Reise engagiert sich bereits seit einigen Jahren bei Foodsharing, einer deutschlandweiten Initiative gegen Lebensmittelverschwendung, und beteiligte sich lange beim Nachhaltigkeitsnetzwerk in Gebersheim, das die gleichen Ziele verfolgt. „Das ist zwar nicht weit weg. Im Sinne der Nachhaltigkeit kam mir aber schon der Gedanke, wie sinnvoll es ist, immer bis nach Gebersheim rauszufahren“, erzählt sie. Daher kam ihr die Idee, zu einem eigenen Foodsharing-Angebot in Renningen, um auch den Menschen hier vor Ort diese Möglichkeit zu bieten.

Standort auf dem Vorplatz des Einkaufszentrums

Nach den nötigen Vorbereitungen meldete die engagierte Renningerin ihr Vorhaben samt Hygienekonzept beim Gesundheitsamt an, wo es genehmigt wurde. Durch private Spenden kamen die nötigen 2000 Euro für das Vergabe-Häuschen zusammen, das von freiwilligen Helfern aufgebaut wurde. Es steht jetzt auf dem Außengelände des Einkaufszentrums Süd in Renningen, nahe der Subway-Filiale.

Und so funktioniert das Ganze: „Betriebe können Lebensmittel, die sie nicht mehr verkaufen können, an uns abgeben, wir holen sie ab und sortieren aus, was noch verwendbar ist und was nicht.“ Das können Frischwaren sein wie Obst und Gemüse, die Dellen oder eine braune Stelle haben, abgelaufene Ware oder zum Beispiel eine aufgerissene Müslipackung. „Was nicht mehr verwendbar ist, müssen wir entsorgen.“ Alles andere wird in der Lebensmittelabgabestelle am Einkaufszentrum einsortiert. Das bedeutet: Es gibt dort kein verlässliches Warensortiment, es kommt das rein, was von den Supermärkten oder Bäckern abgegeben wird.

Die Waren dürfen nur verschenkt werden

Wesentlich an dem Foodsharing-Konzept ist: Die Waren dürfen nicht verkauft, sondern ausschließlich verschenkt werden, ohne Ausnahme. Auch eine Spendenbox wird es daher nicht geben. Jeder, der vorbeikommt, darf mitnehmen, was er möchte – „in normalen, haushaltsüblichen Mengen“, betont Alexandra Reise. Wie sich das im Alltag umsetzen lässt, wird sich noch zeigen, denn das Häuschen wird während der Öffnungszeiten nicht personell betreut, das Projekt läuft vollkommen ehrenamtlich.

Was Alexandra Reise auch wichtig ist: Das Lebensmittelherz bildet keine Konkurrenz zur Tafel. „Wir nehmen denen nichts weg“, betont sie. Lebensmittel würden nur an Tagen abgeholt, an denen die Tafel nicht beschickt wird, oder erst im Anschluss, „wir nehmen dann quasi das, was die Tafel übrig lässt“.

Mit dem Lebensmittelherz möchte es Alexandra Reise aber nicht bewenden lassen. Ein weiteres Projekt der Gruppe ist eine Kooperation mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) im Kreis Böblingen. Seit dem 4. Mai steht auf dem Malmsheimer Wertstoffhof ein sogenanntes Verschenkhäusle, bei dem die Besucher ungenutzte, aber noch brauchbare Gegenstände (keine Elektrowaren) abgeben oder kostenlos mitnehmen können.

Wunsch nach einer Kleidertauschbörse

Ein drittes Projekt, das Alexandra Reise sehr am Herzen liegt, ist eine Art Kleidertauschbörse. „Ich habe das bisher immer bei mir zu Hause angeboten.“ Menschen konnten ungenutzte Kleidung abgeben im Tausch gegen andere Kleidungsstücke. „Das wurde immer gut angenommen.“ Daheim sei das aber nicht mehr möglich, weshalb sie sich nach Alternativen, zum Beispiel einem Stellplatz für einen Container umsah. Das gestaltete sich als schwierig, da die Stadt Renningen für das Projekt keine Unterstützung anbot. Eine Konkurrenz für den ebenfalls ehrenamtlich betriebenen Second-Hand-Laden in Malmsheim wurde befürchtet, „obwohl das Konzept ein ganz anderes ist, bei mir werden Kleidungsstücke gegen andere Kleidungsstücke getauscht“. Ob und was aus der Kleidertauschbörse wird, ist daher noch offen. Einzelaktionen, zum Beispiel in Zusammenarbeit mit dem Jugendhaus, sind aber schon fest eingeplant.

Einen genauen Eröffnungstermin für die Lebensmittelabgabestelle am Einkaufszentrum Süd gibt es noch nicht. Am Freitag, 14. Mai, 15 bis 18 Uhr, und am Samstag, 15. Mai, 10 bis 13 Uhr, wird es dort jedoch einen Infostand geben, an dem sich alle Interessierten über das Konzept informieren können. Auch Helfer sind weiter gesucht. Mehr Infos unter www.herzwerkrenningen.de.

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