Ein Stadtgarten für Leonberg Grüne Oase statt Geröllhalde

Von Nathalie Mainka
Noch herrscht hier zwischen Wohnbebauung und Bahnhofstraße Tristesse. Künftig soll dieses Areal zum Verweilen einladen. Foto: Jürgen Bach

Liegewiesen und Sitzmauern inmitten von Stauden, Sträuchern und Bäumen sowie ein Wasserspiel laden zum Verweilen ein. Spielterrassen mit einer Kletterwand, einer Bobbycar- und Rollerbahn sowie einer Röhrenrutsche sollen Leben in den künftigen Stadtgarten bringen. Kleinkinder dürfen sich grenzenlos auf einer Matschanlage austoben.

Herzenssache für den Baubürgermeister

So stellt sich das Bruchsaler bhm Planungsbüro das knapp 6000 Quadratmeter große städtische Areal zwischen den neuen Häusern des Wohnbauunternehmens Layer und der Bahnhofstraße vor. Im März dieses Jahres hatte der Leonberger Gemeinderat grünes Licht für die internationale Ausschreibung gegeben und sich aus Kosten- und Zeitgründen gegen einen Architektenwettbewerb entschieden.

Vier potenzielle Planungsbüros hatten sich im Oktober mit ihren Ideenskizzen im Leonberger Bauderzernat vorgestellt. „Aus der Sicht des Gremiums hat das Bruchsaler Planungsbüro seinen Entwurf richtig gut gemacht“, sagte Baubürgermeister Klaus Brenner, als er diesen Entwurf nun den Mitgliedern des Leonberger Planungsausschusses vorstellte und regelrecht ins Schwärmen geriet.

Längst sind der Stadtgarten und die Planung des angrenzenden Postareals zu seiner Herzenssache geworden. Vielleicht reagierte er daher auch mit großem Unmut und fast ungestüm mit den Worten „man kann alles totreden“ auf die Kritik von Bernd Murschel, der den vorliegenden Entwurf als „schön grün, aber langweilig“ bezeichnete und die Hoffnung gehabt hatte, dass es mehr werden würde als ein paar Terrassen.

Unmut wegen Kritik

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende sowie seine Parteikollegin Gudrun Sach erinnerten an Diskussionen und Anregungen aus der Vergangenheit, als man die Idee hatte, Wasser, das beim Brombeerweg entspringe und unterirdisch von der Seestraße und dem Seedammcenter in Richtung des früheren Bausparkassen-Geländes verlaufe, künftig im Stadtgarten freilegen zu können. „So baut man zukunftsträchtig, und es wäre gut, wenn wir Informationen bekämen, was aus dieser Idee geworden ist“, sagte Gudrun Sach.

Letztendlich beruhigte sich auch Klaus Brenner wieder und nahm die Anregungen für das Gesamtprojekt „Postareal“ auch gerne auf. „Wir haben es letztendlich in der Hand, was daraus wird.“ So werde er das Wasser-Thema in die Gespräche mit dem potenziellen Investor des Postareals mitnehmen. „Wenn Strabag baut, wovon ich ausgehe, werden sie auch die Bachläufe intensiv untersuchen.“

Planung soll nach neun Monaten stehen

Jörg Langer (Freie Wähler) hätte gerne gewusst, wie im Zuge der Stadtgarten-Konzeption die Bahnhofstraße gestaltet werden soll. „Das wird in die aktuelle Planung noch nicht einfließen, weil die Bahnhofstraße während der Umgestaltung des Areals mit Sicherheit von den Baufahrzeugen intensiv genutzt wird“, sagte Brenner. Mehrheitlich gab der Ausschuss schließlich die Empfehlung an den Gemeinderat, der Vergabe der Leistungen an das Bruchsaler bhm Planungsbüro zuzustimmen. Die gesamten veranschlagten Planungskosten belaufen sich auf etwa 366 000 Euro. Nach neun Monaten soll die Konzeption stehen, die Vergabe der Bauleistungen kann frühestens im vierten Quartal 2023 erfolgen.

Für den Stadtgarten sind im Finanzhaushalt der Stadt Leonberg 1,8 Millionen Euro an Investitionsauszahlungen veranschlagt. Für den Stadtumbau Leonberg-Mitte kalkuliert die Verwaltung Förderungen in Höhe von 1,8 Millionen Euro aus dem Landessanierungsprogramm mit ein. Und im Juni dieses Jahres gab es das Okay für weitere Zuschüssen in Höhe von 1,1 Millionen Euro.

Anwohnern kann es nicht schnell genug gehen

Nicht schnell genug beim Stadtgarten kann es den Anwohnern des angrenzenden Layher-Areals gehen. Einige liefen bereits Sturm, weil seit dem Jahr 2019, in dem bereits die ersten Eigentümer eingezogen waren, noch nichts passiert war – entgegen der Versprechung beim Abschluss ihres Kaufvertrages. Einige Jahre lang türmte sich nun ein riesiger Berg aus Erde, Steinen, Geröll und Schutt auf dem Areal – es waren die Reste des ehemaligen Hochhauses der Leonberger Bausparkasse, das bereits im Jahr 2009 gesprengt worden war. Dann veranlasste die Firma Layher endlich den Abbau der unerwünschten Materialien.

Die nicht befestigte Brachfläche allerdings führte bei Starkregen dazu, dass das Wasser auf dem abschüssigen Gelände einige Keller überschwemmte. Wer zu Fuß in die Altstadt laufen möchte, muss sich immer noch den Weg durch den Schutt bahnen. Mit der Vergabe der Planungen jetzt ist zumindest schon mal Land in Sicht.

Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden

Sonderthemen