Ein Badezuber in Weil der Stadt Feuchter Spaß am Badetag der Bürgergarde

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Willkommene Erfrischung: In historischer Badekleidung geht es im Zuber ziemlich feuchtfröhlich zu. Foto: factum/Weise

Weil der Stadt - Vor ihm glitzert die Wasseroberfläche in der Sonne. Hartmut Sigel in seinem schwarz-lilafarbenen Badekostüm konzentriert sich. „Jetzt spring endlich!“, ruft es aus dem Publikum. Dann ein kurzer beherzter Satz und der Kommandant der Bürgergarde landet mit einem riesen Splash im Wasser. Seine Mitstreiter der Bürgergarde machen es ihm nach. Ein wenig eng wird es da schon in dem nur gut 1,60 Meter breiten Badezuber mit einer Wasserhöhe von 1,30 Meter.

Eigentlich handelt es sich um eine finnische Badetonne, die mit Holzfeuer angeheizt wird und in kalten Wintern den Saunagästen zu Entspannung verhelfen soll. Beim Weiler Strandsommer dient sie ein Wochenende lang dem sommerlichen Badespaß für die Bürgergarde und die Besucher. Warum trotz knapp 30 Grad Außentemperatur das Wasser überhaupt geheizt wird, erklärt der Kommandant: „Das Wasser kommt frisch aus der Leitung, so mit 12 Grad. Wenn man da lange im Zuber sitzt, kann es schon recht kalt werden.“ Jetzt ist das Wasser handwarm und die lustige Truppe kann es sich mit einem Bierchen im Wasser gemütlich machen. „Wir bleiben hier drin sitzen, bis das Bier aus ist oder das Wasser“, verspricht Kommandant Sigel.

Wie haben die Menschen früher gelebt?

Wie haben die Menschen früher gelebt, fragten sich die Mitglieder der Bürgergarde schon vor acht Jahren zum Jubiläum der Bürgerdamen. Damals wurde die alte Weiler Badeanstalt an der Würm per Steg und zahlreichen Badezubern wiederbelebt. Und daher stammen auch die historisch anmutenden Badekleider, die bei der jetzigen Aktion anlässlich des Weiler Strandsommers wieder zu Ehren kommen. Die Herren hatten damals ihre Badeanzüge bei einer Schneiderin in Auftrag gegeben, die Damen haben sich ihre Outfits kurzerhand selbst genäht.

Pitschnass steht Ingrid Ohngemach neben dem Zuber. Ihr hochgeschlossenes Badekleid im Biedermeier-Stil ist aus gelb-grün gestreiftem Stoff, mit Spitzenborte abgesetzt. Darunter hat sie ein Paar Pumphosen als Beinkleider, außerdem trägt sie eine Badehaube. Ingrid Ohngemach erinnert sich noch gerne an die zahlreichen Sonntagvormittage, an denen die Frauen gemeinsam ihre Badekleider genäht haben. „Wir haben geschaut, was für Farben und Muster es früher gab und haben dann ähnliche Stoffe gesucht, die leicht sind und schnell trocknen“, erzählt sie. „Wir hatten ein paar Profi-Schneiderinnen dabei, die haben den Schnitt gemacht und uns Tipps fürs Nähen gegeben.“ Die Badekleider sind orange-grün, blau-pink oder rot-schwarz, immer aber gemustert, der damaligen Mode entsprechend. Möglichst viel vom Körper sollte bedeckt sein. Männer und Frauen badeten außerdem getrennt.

Die Bürgergarde nimmt nicht alles so bierernst

So streng nimmt es die Bürgergarde heute nicht. „Wir sind als Bürgergarde zwar der Tradition verpflichtet und wollen zum Nachdenken anregen, aber wir wollen auch Spaß haben und nehmen nicht alles so bierernst“, sagt Sigel. 70 Mitglieder hat die Bürgergarde, 25 davon tragen den „bunten Rock“ der Gardisten. Die historische Uniformierung der Weiler Garde besteht aus einer Uniform mit blauem Frack mit roten Aufschlägen und einem schwarzen Hut. Die Damen tragen Biedermeier-Kleider. Die Bürgergarde Weil der Stadt blickt auf eine jahrhundertealte Tradition zurück. Seit der Wiedergründung 1999 ist Vereinszweck die Pflege und Ausübung städtischen Brauchtums, verwirklicht insbesondere durch die repräsentative Mitwirkung bei historischen Festen und Jubiläen.

Noch bis zum 31. August bieten die Weiler Vereine fast jeden Abend einen Programmpunkt beim Strandsommer an.

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