E-Scooter-Verleih Mit dem E-Roller durch Renningen

Von Kathrin Klette
Mit rund 50 Rollern können die Bürger jetzt durch Renningen „cruisen“. Foto: Simon Granville

In Sachen Carsharing spielt Renningen schon in der obersten Liga, auch das Angebot von Regio-Rad, einem Fahrrad-Verleihsystem in der Region Stuttgart, hat die Deutsche Bahn vor Kurzem erweitert. Nun bekommt die Stadt auch noch einige E-Scooter, kleine Elektro-Roller, die man sonst vor allem aus Großstädten kennt.

Die Firma Zeus Scooters will das Verleihsystem in einem sechswöchigen Zeitraum austesten, am Wochenende fiel der Startschuss mit zunächst rund 50 Rollern. Wenn das Angebot sich rentiert, soll es dauerhaft eingerichtet werden, dann mit deutlich mehr Fahrzeugen. Parallel dazu möchte die Deutsche Bahn am Renninger Bahnhof gerne einen sogenannten Mobility-Hub einrichten, an dem alle Angebote zur Anschlussmobilität zusammenlaufen.

Die Meinungen gehen auseinander

Die Meinungen über die E-Roller sind geteilt: Die einen schätzen die kleinen Gefährte, um damit schnell und bequem unterwegs zu sein. Andere sind vor allem genervt, weil die Nutzer die Roller oftmals irgendwo mitten auf dem Weg ablegen oder trotz Verbot auf dem Gehweg fahren und damit Fußgänger gefährden. Die meisten Mitglieder im Renninger Gemeinderat standen dem Angebot sehr offen gegenüber. Trotzdem gab es bei der Entscheidung, ob die Gefährte zugelassen werden, sechs Gegenstimmen.

Ausschlaggebend für die Kontroverse war das Thema Abgabestation. Es gibt für die E-Roller die Möglichkeit, feste Abgabepunkte einzurichten. Sie einfach irgendwo abzulegen, ist dann nicht möglich, die Nutzer müssen sonst weiterzahlen. Die Nachfrage ist bei so einer Einschränkung aber geringer. Die andere Möglichkeit ist, dass die Roller weitgehend beliebig abgestellt werden können, man spricht dann von „free-floating“. Dort bleiben sie, bis sie weitergenutzt oder vom Unternehmen an einen anderen Standort gebracht werden.

Die Stadtverwaltung Renningen sieht im free-floating, auch nach Rücksprache mit anderen Kommunen, keine Probleme. Denn das sei nicht ganz so frei, wie man vielleicht meinen könnte, erklärt Marcello Lallo, Leiter des Fachbereichs Bürger und Recht im Rathaus. „Wir können vorher festlegen, an welchen Orten die Roller nicht abgestellt werden dürfen.“ Das Geotracking, mit dem der Abgabestandort ermittelt wird, sei bis auf wenige Meter genau. Bestimmte Plätze oder Wege könnten von der Rückgabe also trotz free-floating ausgeschlossen werden.

„Parken auf schmalen Gehwegen, vor Ausfahrten und so weiter ist natürlich grundsätzlich verboten“, erklärt Marcello Lallo. Menschen, die sich daran nicht halten, werde es zwar immer geben. Jedoch bestehe immer die Möglichkeit, „Falschparker“ zu melden. Das kann zu finanziellen Strafen oder sogar zur Sperrung des Nutzer-Accounts führen.

Preisnachlass für bestimmte Abgabepunkte

Vor allem in der Testphase seien flexible Abgabemöglichkeiten wichtig, so Lallo, damit der Anbieter eine Rückmeldung bekommt, welche Orte besonders frequentiert werden. „Als Alternative gibt es ein Hybrid-Modell, bei dem die Roller zwar frei abgegeben werden können, aber der Nutzer bekommt einen Preisnachlass, wenn er sie in einem bestimmten Radius abstellt.“

Einigen im Gemeinderat geht selbst diese Hybridlösung nicht weit genug. „Zum einen ist das für die Verwaltung ein sehr hoher Aufwand“, sagt Jan Hambach, Sprecher der SPD-Fraktion. „Denn sie muss genau definieren, welche Stellen in der Stadt tabu sind.“ Zudem glaube er nicht, dass das Geotracking eine hundertprozentige Sicherheit gewährt. „Sobald die ersten Roller falsch stehen, gibt es sofort Ärger.“ Die SPD stellte daher den Antrag, von Anfang an die festen Stationen einzuführen. Unterstützung erhielt sie unter anderem aus den Reihen der Freien Wähler. „Man sieht ja, wie es in den größeren Städten zum Teil aussieht“, sagt Marcus Schautt (FW). Denkbar knapp, bei Stimmengleichheit, wurde der Antrag letztlich aber abgelehnt.

Doch was hat es mit dem Mobility-Hub auf sich? Als solcher wird ein Standort bezeichnet, an dem alle Möglichkeiten zur Anschlussmobilität für Bahnfahrer zusammenlaufen. In Renningen gibt es dafür unter anderem bereits das Carsharing, Regio-Rad, den Lastenradverleih und das Bürgerrufauto, bald vielleicht sogar die E-Scooter als feste Einrichtung. Die Abholstationen befinden sich zum Teil bereits am Bahnhof, würden bei einem Mobility-Hub aber noch näher zusammenrücken. Auch diesem Vorhaben stand der Rat grundsätzlich positiv gegenüber. Als Bedingung stellten die Politiker aber, dass auf die Stadt dabei keine Kosten zukommen dürfen.

Informationen zu den Scootern und zum Verleih unter zeusscooters.com

E-Scooter im Altkreis

Ditzingen sagt Ja
 E-Scooter sind außerhalb von Großstädten nicht so sehr verbreitet. Auch im Altkreis findet man die kleinen Gefährte bisher allenfalls bei privaten Nutzern. Außer in Renningen könnte sich das auch in Ditzingen bald ändern. Dort hat der Gemeinderat Ende Juni den Beschluss gefasst, dass die Stadtverwaltung die Vergabe der Nutzungsrechte für E-Scooter vorbereiten und öffentlich auszuschreiben soll. Für den Bürgermeister Ulrich Bahmer sind sie „Teil der neuen Mobilität“.

Kein Interesse
 In Städten wie Weil der Stadt und Gerlingen ist das Thema noch gar nicht aufgeschlagen. Auch in Leonberg gibt es seitens der Stadt keine konkreten Überlegungen, die Gefährte in die Stadt zu holen, sagt der Pressesprecher Sebastian Küster. „Der Grund dafür sind im Wesentlichen die zu befürchtenden negativen Auswirkungen, wie sie in vielen Kommunen sichtbar werden, zum Beispiel Vandalismus.“ Außerdem versperrten die abgestellten E-Scooter leider häufig Geh- oder Radwege. „Auch das Umweltbundesamt hat sich mit den E-Scootern bereits beschäftigt. Es kommt zu dem Ergebnis, dass eher Fußgängerinnen und Fußgänger oder Radfahrende auf die Roller ausweichen.“ Wünschenswert wäre jedoch, dass das Angebot vor allem von Bürgern genutzt wird, die dafür ihr Auto stehen lassen.

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