Dank einer Organspende kann Eva Kunzmann trotz ihrer Krankheit wieder sehr aktiv sein und sich am Ditzinger Benefizlauf beteiligen.

Ludwigsburg: Anne Rheingans (afu)

Früher hat man Menschen mit Mukoviszidose angesehen, dass sie krank sind. Heute ist das nicht mehr so“, sagt Eva Kunzmann. Sie selbst ist dafür das beste Beispiel. Seit die 45-Jährige eine Spenderlunge erhalten hat, kann sie ihren Alltag wieder genießen. „Ich lebe bewusster, weil ich weiß, dass es auch anders sein kann.“ Sie lacht viel, ist gesellig und bewegt sich viel. Dieses Jahr möchte sie sich wieder am Ditzinger Lebenslauf beteiligen, der noch bis zum kommenden Sonntag, 10. April, stattfindet.

 

Bevor die Esslingerin eine fremde Lunge transplantiert bekam, ging es ihr ziemlich schlecht. Schon als Kind und Teenagerin musste sie täglich inhalieren und Therapien machen, um den zähen Schleim zu lösen, der ihre Atemwege blockierte. Aufgrund der Mukoviszidose, einer genetisch bedingten Stoffwechselerkrankung, verschlimmerte sich ihr Gesundheitszustand dennoch zunehmend.

Irgendwann war alles nur noch anstrengend

Vor der Operation war sie auf ein Sauerstoffgerät angewiesen. Immer mehr Tätigkeiten waren körperlich nicht mehr möglich. „Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem alles nur noch beschwerlich, alles einfach anstrengend war“, sagt sie. Mit dem Gedanken, sich auf eine Warteliste für ein Spenderorgan setzen zu lassen, hatte sie sich schon befasst, bevor die Leistung ihrer Lunge rapide nachließ. „Für mich war immer klar, dass ich eine Transplantation möchte, wenn es mir einmal so schlecht geht“, erinnert sie sich. Sie hätte dann nichts zu verlieren.

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Sechs Jahre stand sie allerdings auf der Warteliste. Im Sommer 2006 war es endlich so weit: Nachdem Eva Kunzmann von ihren Ärzten als dringlicher Fall für eine Lungentransplantation eingestuft worden war und zuletzt ein Vierteljahr in der Klinik auf der Gerlinger Schillerhöhe bleiben musste, kam der erlösende Anruf.

Entscheidung für Transplantation nie bereut

Der Eingriff in Hannover verlief nach Plan, eine Abstoßungsreaktion konnte verhindert werden. Zwar muss sie nach wie vor täglich viele Tabletten einnehmen und auf einige Lebensmittel verzichten. Aber auch jetzt, 15 Jahre später, ist die 45-Jährige froh, dass sie mit dem Spenderorgan die Chance auf ein neues Leben bekommen hat. „Ich habe die Transplantation nie bereut“, betont sie. Es habe sich für sie sehr gelohnt.

Dank des fremden Organs verfügt Eva Kunzmann wieder über eine Lungenleistung von circa 70 Prozent. Mit einem Asthmamonitor prüft sie täglich, wie es der Lunge geht. Außerdem werden alle drei Wochen ihre Blutwerte überwacht und sie muss einmal im Jahr zu einer umfassenden Kontrolle ins Transplantationszentrum. „Es gibt immer mal wieder schlechtere Tage, an denen ich nicht so gut Luft bekomme. Aber insgesamt kann ich mich in keiner Weise beklagen.“ Dann muss sie sich etwas schonen. „Grundsätzlich darf ich aber alles machen“, sagt sie.

Still sitzen ist nicht ihr Ding

Wegen ihrer Erkrankung, die sich nicht nur auf die Lunge auswirkt, sondern auch Auswirkungen auf ihre Darmtätigkeiten hat, ist sie zwar bereits seit dem Alter von 24 Jahren in Frührente. „Auf dem Sofa sitzen, das passt aber nicht zu mir“, sagt Eva Kunzmann und lacht. Sie fährt gerne mit ihrem Elektrorad, arbeitet in ihrem Garten und ist oft an der frischen Luft unterwegs.

Seit Jahren ist sie außerdem mit dem Lebenslauf verbunden, bei dem sie sich schon vielfach beteiligt hat: einerseits mit einem Informationsstand und andererseits als teilnehmende Läuferin.

Sie möchte wieder mit einer Freundin mitlaufen

Wegen der aktuell wieder hohen Corona-Inzidenzen ist keine klassische, eintägige Joggingveranstaltung in der Glemsaue in Ditzingen vorgesehen, sondern – wie im Vorjahr - ein interaktives und zeitlich entzerrtes Format, bei dem sich die Teilnehmer ortsungebunden beteiligen können. Wie im Vorjahr möchte Eva Kunzmann dieses Mal wieder mit einer Freundin mitmachen. Für jeden gelaufenen Kilometer kommen Spenden zugunsten der Regionalgruppe Ludwigsburg/Heilbronn des Vereins Mukoviszidose zusammen.

Bis zum kommenden Sonntag, 10. April, können sich Interessierte noch für den Ditzinger Lauf registrieren. Der Link zum Anmeldeportal ist online unter www.ditzinger-lebenslauf.de zu finden. Dort gibt es zudem weiterführende Informationen zur Veranstaltung.

Das ist Mukoviszidose

Krankheit
Mukoviszidose, auch Zystische Fibrose (CF) genannt, ist eine unheilbare und vererbbare Stoffwechselerkrankung. Dabei werden lebenswichtige Organe wie Lunge und Darm durch zähen Schleim verstopft. Patienten müssen durch tägliche Therapie das Sekret entfernen. Ihre Lebenserwartung ist stark verkürzt. Ursache der Mukoviszidose ist eine Genveränderung, weshalb sie nicht geheilt werden kann. Entscheidend für die Lebensdauer ist ein früher Therapiebeginn.

Hilfen
In Deutschland leben bis zu 8000 Patienten mit Mukoviszidose, sie gehört deshalb zu den seltenen Erkrankungen. Chronisch kranken Menschen ist nicht nur durch medizinische Forschung, etwa die Entwicklung neuer Medikamente, geholfen. Im Alltag mangelt es auch an der Finanzierung der Hilfen, etwa spezialisierter Physiotherapeuten. Mit dem Lebenslauf werden Spenden generiert, mit denen einzelne Projekte gefördert werden.