„Deutschland singt“ in Leonberg Sie machen die Einheit hörbar

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„Leonberg singt“ auf dem Marktplatz: Das Singen mit Kerzen in den Händen steht als Symbol für den friedlichen Protest vor dem Mauerfall. Foto: Jürgen Bach

Leonberg - Gleich ein zweifaches Statement haben Chöre in ganz Deutschland am Sonntag mit ihren Auftritten zum 3. Oktober gesetzt: Sie haben die Deutsche Einheit zelebriert und spürbar gemacht – und haben gleichzeitig gezeigt: Wir sind noch hier und machen weiter. Denn Corona hat die Chorlandschaft stark verändert, erst seit dem Sommer ist das gemeinsame Singen wieder möglich. Auch im Altkreis haben sich zahlreiche Sängerinnen und Sänger an der Aktion „Deutschland singt“ beteiligt und in Leonberg, Weissach und Weil der Stadt gemeinsam mit ihren Zuhörern musiziert.

Die Zuhörer sollen mitsingen

Die Aktion zum Tag der Deutschen Einheit wurde 2020 zum 30-jährigen Jubiläum von der Initiative „Danken. Feiern. Beten.“ organisiert – allen Widrigkeiten der Pandemie zum Trotz. „Die Idee dahinter war es, den Tag wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken“, erklärt Angelika Puritscher, Präsidentin des Chorverbands Johannes Kepler und Vizepräsidentin des Schwäbischen Chorverbands. Sie ist außerdem Gründungsmitglied des neuen Vereins „Danken. Feiern. Beten.“.

Im Vordergrund stehe bei der Aktion die Gemeinschaft. Denn nicht nur die Chöre selbst singen, alle Zuhörer sind aufgerufen, mitzumachen. „Es werden daher extra bekannte Lieder gewählt, bei denen jeder mitsingen kann“, so Angelika Puritscher. In diesem Jahr waren es Klassiker wie „Kein schöner Land“ und „Der Mond ist aufgegangen“, aber auch englische Titel wie „Thank you for the music“ von Abba.

Doppelt so viele Teilnehmer wie 2020

Besonders freut sich Angelika Puritscher, dass sich in diesem Jahr doppelt so viele Sänger für das Singen auf dem Marktplatz angemeldet haben wie bei der Premiere 2020. „Letztes Jahr waren es 40 Teilnehmer, dazu kamen 40 Instrumentalisten.“ Dieses Mal waren es 80 Sänger. Die Beteiligten kamen aus Chören in Leonberg, Rutesheim, Korntal und Hemmingen. In Weissach und Weil der Stadt haben die Chöre je eine eigene Veranstaltung auf die Beine gestellt.

Die Lust am gemeinsamen Singen ist offenbar ungebrochen. Das hat Angelika Puritscher nicht erst bei den Planungen für „Leonberg singt“ festgestellt. „Der zweite Lockdown war natürlich für alle ein Einbruch.“ Während Chöre mit vornehmlich jungen Mitgliedern fast einen durchgehenden Probebetrieb über Online-Plattformen aufrecht erhalten konnten, haben Vereine mit vielen älteren Sängern meist durchgehend geruht.

Corona hat seine Spuren hinterlassen

Doch statt dass diese Chöre es nach den neuen Lockerungen endgültig dabei belassen, haben zumindest im Kepler-Chorverband sämtliche Vereine ihren Probebetrieb nach und nach wieder aufgenommen. „Ein Chor, der sich vor Corona eigentlich schon abmelden wollte, war sogar der erste, der sich für dieses Jahr wieder angemeldet hat“, stellt sie erfreut fest. Gleichwohl hat Corona natürlich seine Spuren in der Chorlandschaft hinterlassen.

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„Innerhalb des gesamten schwäbischen Chorverbands gab es schon ein paar Chöre, die auch jetzt noch ruhend gemeldet sind oder die Abmeldung beantragt haben“, bedauert sie. Für Gruppen, die schon vor Corona nur noch „vor sich hingedümpelt sind“, sei die Pandemie eine Art Katalysator gewesen, der deren Ende endgültig besiegelte.

Angebot soll Chören Konzerte erleichtern

Diejenigen, die weitermachen, sind aber mit vollem Eifer dabei. Der Frauenchor Voices of Joy aus Renningen zum Beispiel habe sogar schon ein erstes Konzert gegeben. Und auch bei anderen laufen die Vorbereitungen für Auftritte. Ein Gemeinschaftsprojekt der Musical-Akademie Tübingen und des Chors Stimmkraft, beide unter der Leitung des Verbandsleiters Jonas Kronmüller, soll es lokalen Chören außerdem ermöglichen, zeitnah ein Konzert auf die Beine zu stellen, ohne dabei einen kompletten Abend füllen zu müssen.

Und so funktioniert’s: Die Chöre von Jonas Kronmüller gestalten die eine Hälfte des Konzerts, die lokalen Chöre die andere. Neun Chöre aus der Umgebung haben sich dafür angemeldet, darunter der Liederkranz Renningen und die Singgemeinschaft Hemmingen. Ermöglicht wird das Vorhaben durch das Förderprogramm des Bundes „Neustart Kultur – Neustart Amateurmusik“.

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