Der Eichenhof in Leonberg Wo Kinder in Not ein neues Zuhause finden

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Die Kinder im Eichenhof haben zahlreiche Möglichkeiten zum Spielen. Foto: factum/Bach

Leonberg - Weit und breit nur Felder, es ist still, und nur ein Traktor ist entfernt zu hören. Ein Hund springt freudig durch das hohe Gras und legt sich schließlich erschöpft in den Schatten eines Baumes. Inmitten dieser Abgeschiedenheit steht ein großes Haus. Es handelt sich allerdings nicht um das Haus eines Bauernpaares, wie man vermuten könnte, sondern um eine sozialpädagogische Einrichtung der Jugendhilfe. Den Eichenhof, wie die Außenwohngruppe im Grenzgebiet von Leonberg und Rutesheim genannt wird, gibt es schon seit 14 Jahren, er wurde auf Wunsch des Leonberger Landratsamtes gebaut. Dort wohnen derzeit acht Kinder, drei Mädchen und fünf Jungen, die alle zwischen zehn und 18 Jahren alt sind. Diese Kinder haben eine besondere Familiengeschichte und finden im Eichenhof vorübergehend ein Zuhause, weil es im Elternhaus Probleme gibt.

Um auf die Einrichtung aufmerksam zu machen, und um die Räumlichkeiten vorzustellen, hat der Eichenhof zu einem Sommerfest eingeladen. Dabei gab es ein großes Kuchenbuffet und eine Tombola. Zudem traten die Siesta Dancers, eine Tanzgruppe aus Leonberg, auf. Die Kinder und das Betreuerteam hatten schon frühmorgens angefangen, Tische aufzustellen und alles vorzubereiten. Interessierte Besucher konnten sich ein Bild von den Zimmern der Jugendlichen machen. Die Einrichtung der Räume zeigt, dass die Kinder dort genauso leben wie andere Kinder in ihren Familien.

Teils traumatische Erlebnisse

Doch viele haben bereits traurige Dinge erlebt: In manchen Fällen waren es die Kinder selbst, die die Polizei angerufen haben, um von ihrer Familie wegzukommen. In anderen Fällen waren es die Lehrer oder die Nachbarn, die die Polizei kontaktiert haben. Missbrauch und Gewalt innerhalb der Familie sind meistens der Grund dafür. Nicht selten klingelt im Eichenhof nachts das Telefon, und kurz darauf steht ein Kind vor der Tür, das nur mit seinen Sachen am Leib gekommen ist. „Inobhutnahme“ nennt man solche Fälle in der Behördensprache. Die Kinder wohnen bis zu drei Wochen im Eichenhof, bis sie in eine andere Wohngruppe vermittelt werden.

Die 16-jährige Amina war ein solcher Fall, allerdings lebt sie dauerhaft im Eichenhof. Sie kommt ursprünglich aus Sindelfingen und geht dort immer noch zur Schule. Dafür nimmt sie einen sehr langen Schulweg in Kauf. „Am Anfang bin ich immer um 4 Uhr aufgestanden, um in die Schule zu gehen. Dann musste ich aber fast eine Stunde warten, bis die anderen gekommen sind. Irgendwann ist mir dann aufgefallen, dass ich ja eigentlich auch eine Stunde später aufstehen kann“, erzählt Amina lachend, die vorher noch nie Bahn gefahren und am Anfang ein bisschen überfordert war.

Den langen Fahrtweg nach Sindelfingen nehme sie gerne auf sich, um ihre Freunde zu sehen, sagt sie weiterhin. Nur der Weg vom Hof zur S-Bahn sei manchmal nervig gewesen. Gerade als es so warm war. „Manchmal sind die Kinder nach der Schule hier mit hochrotem Kopf angekommen. Dabei hätten wir sie doch einfach abholen können“, erzählt Rebecca Sauter, eine Betreuerin des Eichenhofs. Amina genießt den langen Weg zum Hof, weil sie dadurch einen freien Kopf bekomme.

Sommerfest mit Lokalprominenz

Beim Sommerfest waren nicht nur Freunde und Familienmitglieder der Kinder anwesend, sondern auch Alfred Schmidt, der Sozialdezernent des Landkreises Böblingen, Gabriele Schmauder, die Jugendamtsleiterin der Stadt Leonberg, sowie die CDU-Gemeinderätin Elke Staubach. Sie wollten sich ein Bild von der Einrichtung machen und sich gleichzeitig bei dem Team und Michael Weinmann, dem Bereichsleiter für stationäre erzieherische Hilfen, bedanken. In seiner Dankesrede sagt Alfred Schmidt: „Wenn Jugendhilfe qualitativ ist, kann sie eine sehr hohe Wirkung haben. Und da die Kinder hier sagen, dass der Eichenhof ihr Zuhause sei, ist das hier offensichtlich gelungen.“

Ein Zuhause – das haben die Kinder am Eichenhof auf jeden Fall verdient. Einen Ort, an dem sie sich geborgen fühlen, und an dem liebevolle Betreuer sie auf das spätere Leben vorbereiten. „Es ist klar, dass wir nicht mit der Familie konkurrieren können“, meint Michael Weinmann. „Unsere Hilfe ist allerdings trotzdem wichtig und notwendig“. Zwar gebe es das Konzept der Rückführung der Kinder in ihre Familien, doch oft blieben die Kinder sechs oder sieben Jahre im Eichenhof.

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