Defekt im Klärwerk? Zu wenig Sauerstoff – Fischsterben in der Glems

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Der Angelsportverein war stolz, dass in der Glems wieder Bachforellen lebten. Wie sehr der Bestand nun geschädigt ist, muss sich zeigen. Foto: /imagebroker/Guillaumin

Ditzingen - An Ostern haben Mitglieder des Angelsportvereins Ditzingen (Kreis Ludwigsburg) eine unerfreuliche Entdeckung gemacht: In der Glems zwischen der Nippenburg und Ditzingen trieben 23 Kilo tote Fische. Laut dem Ludwigsburger Landratsamt handelt es sich bei den 63 verendeten Tieren überwiegend um Bachforellen, auch einige Gründlinge, Döbel, Rotaugen und ein gebietsfremder Katzenwels seien dabei. Ein Sprecher sagte, die Fische seien am frühen Ostersonntag mehrere hundert Meter nach der Ausleitungsstelle der Ditzinger Kläranlage entdeckt worden.

Mehrere Experten verschiedener Ämter versuchen nun, herauszubekommen, weshalb die Fische starben. Im Veterinäruntersuchungsamt werden die verendeten Fische unter die Lupe genommen. Zudem werden Wasserproben aus der Glems geprüft. Derweil stimmen sich der Kläranlagen-Betreiber und das Landratsamt über das weitere Vorgehen ab.

Ursache noch nicht gefunden

„Erste Einschätzungen lassen eine Betriebsstörung von Teilen der Belebungsbecken bis hin zu einem Nachklärbecken der Kläranlage vermuten“, sagte der Sprecher des Landratsamts. Laut der Polizei konzentrieren sich die Ermittlungen auf die Kläranlage. „Es gibt keine Hinweise auf andere Verursacher“, sagt eine Sprecherin der Ludwigsburger Polizeidirektion.

Die Betriebsstörung führte zu einer Schaumbildung. Vermutlich handelt es sich um Schwimmschlamm, der über das Nachklärbecken in die Glems gelangte und so den Sauerstoffgehalt des Wassers verringerte – was den Tod der Fische auslöste. Die Schlammschicht wird jetzt abgesaugt und entsorgt. Eines der drei Nachklärbecken wurde bereits an Ostersonntag vom Netz genommen. Es wird entleert und gereinigt, damit es Ende der Woche wieder in Betrieb gehen kann.

Um herauszufinden, wie es nun um den Fischbestand in der Glems bestellt und wie groß der Schaden ist, untersucht der Ditzinger Angelsportverein das Gewässer mittels Elektrobefischung. Weil die Tiere hierbei durch Strom angelockt würden, werde die Glems Stück für Stück gesperrt, sagte ein Vereinsvertreter. Mit jenem „schonenden Verfahren“ kämen die Fische auch aus versteckten Ecken hervor. „Wir haben sowohl junge als auch ältere Fische verloren“, sagte der Vereinsvertreter, der die Glems als so lebendiges wie artenreiches Gewässer bezeichnet.

Großer Abschnitt betroffen

Aufgrund von Klimaveränderungen oder Vandalismus an Stauanlagen komme es in Gewässern immer wieder zu Fischsterben. Davon spreche man, wenn mehr als zehn Tiere verendeten. Im aktuellen Fall sei eine vergleichsweise lange Strecke betroffen.

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