Das Leobad hat wieder auf Eine grüne Oase mit türkisblauem Wasser

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Los geht es: Auf das frisch sanierte Leobad freuen sich Klein und Groß. Maximal 450 Gäste dürfen auf das Gelände. Foto: factum/Granville

Leonberg - Sandra Burger geht auf Nummer sicher. Gemeinsam mit ihrem Sohn Mats rückt sie bereits um halb elf vor dem Leobad an, eine halbe Stunde bevor die Tagesschicht hereingelassen wird. „Ich habe nicht gewusst, wie groß der Andrang ist“, sagt die Leonbergerin. „Deshalb kommen wir lieber früher.“ Sie reiht sich in eine Schlange hinter einem Absperrband ein. So werden Menschenmengen vermieden.

Der Einlass verläuft unproblematisch: An zwei Kassen zeigen die Gäste ihre Handys oder Ausdrucke mit den Barcodes der Buchungen vor. Schon ist man drin.

Abends nur für Schulen und Vereine

Damit nicht mehr als 450 Gäste gleichzeitig im Leobad sind, haben der Bäderleiter Stefan Hilse und sein zehnköpfiges Team den Tag gedrittelt: Die Frühschicht dauert von 7.30 bis 10 Uhr. Dann werden sämtliche Duschen, Kabinen, Handläufe und andere Bereiche des Freibads gereinigt und desinfiziert. Zwischen 11 und 17.30 Uhr gehört das Bad wieder den Gästen. Danach wird erneut Klarschiff gemacht. Die Abendstunden sind für Schulsport und Vereine reserviert.

Eine Regelung, die Ottmar Pfitzenmaier für nicht so glücklich hält. „Auch die Berufstätigen sollten die Gelegenheit haben, abends einige Runden zu drehen“, sagt der Chef der Leonberger SPD-Fraktion, der sich für die Sanierung des Bades und eine Eröffnung noch in diesem Sommer mit Nachdruck stark gemacht hatte. Versteht sich von selbst, dass er am Eröffnungstag die Gelegenheit nutzt, nach anderthalbjähriger Sanierungspause endlich wieder schwimmen zu können.

Maximal 450 Gäste

Er ist nicht der einzige. 186 Menschen sind am Mittwoch schon morgens gekommen. Am Nachmittag sind es die maximal erlaubten 450. Stefan Hilse kann das so genau sagen, weil die Karten vorher gekauft werden müssen, entweder im Internet oder im Geschäft „Die Tonleiter“.

Dort war Gerhard Hinzel zum Start des Vorverkaufs am Montagfrüh der erste Kunde. „Ich wollte auf jeden Fall ein Ticket für die Eröffnung am Mittwoch“, sagt der langjährige Stammgast. Ein Leobad-Routinier ist auch Maik Zwanzig, der sich seine Liege gleich mitgebracht hat. Daran hat er gut getan. Denn im Gegensatz zu Vor-Corona-Zeiten werden Liegen nicht mehr vermietet. Was eine Dame überrascht: „Früher gab’s die doch immer.“ Zum Glück sind am Schwimmerbecken große Stufen zum Liegen und Sitzen. Da kann man sich bequem niederlassen und von dort aus die sportlichen Mitgäste beobachten, die tapfer eine 50-Meter-Bahn nach anderen ziehen.

Bademeister mit wachsamen Blick

Was allerdings nicht die allergrößte Belastung ist. Das Wasser ist angenehm warm, die neue Edelstahlverkleidung lässt das Becken türkisfarben schimmern und Kollisionen bleiben aus. Dass auch im Wasser die Abstandsregeln eingehalten werden, darauf passen schon die Bademeister auf, die gemächlich, aber mit wachsamen Blick die Beckenränder abschreiten. Einschreiten hingegen müssen sie kaum.

Auf der Liegewiese sind die Distanzen überhaupt kein Problem. Je nach Vorliebe suchen sich die Menschen ein schattiges Plätzchen unter den zahlreichen Bäumen oder lassen sich von der Sonne kitzeln. Stets mit weit mehr als 1,50 Meter Abstand. Das erinnert fast an eine Oase.

Hier zahlen sich die großen Rasenflächen aus, deren Weitläufigkeit politisch nicht unumstritten waren. Dieser Platz, so wurde vor drei Jahren diskutiert, könnte auch für Wohnungsbau genutzt werden.

Da staunt selbst ein Hamburger

Spätestens jetzt ist klar: Die Wiesen sind nicht nur für coronabedingtes Abstandsliegen ideal, sondern insgesamt ein echtes Alleinstellungsmerkmal des Leobades, das nach der Sanierung einen einladenden wie großzügigen Charakter hat, um den so manche Kommune Leonberg beneiden wird. Das beeindruckt sogar einen Besucher aus Hamburg: Für Stefan Waack-Lexa ist das Leobad ein idealer Urlaubsauftakt: Seine Frau Susanne ist ihm zwar aus Leonberg in den hohen Norden gefolgt. Doch ihre schwäbische Heimat besucht sie immer wieder. Und da werden in der ganzen Familie Erinnerungen wach.

Monika Wirth-Lexa erzählt von ihrer aktiven Zeit als Lehrerin: „Nach dem Unterricht bin ich ins Leobad gegangen, hab ein paar Runden gedreht, etwas gegessen und auf der Liegewiese ein Schläfchen gehalten. Danach war ich wieder fit.“

Leckeres im Bistro

Der Nachwuchs erfreut sich an den aktuellen Vorzügen des Leobads, vor allem an der dreispurigen Racer-Rutsche: Die misst sogar die Zeit für eine glitschige Tour . Das spornt die jungen Racer an: Vinzenz braucht beim ersten Versuch 11,4, beim zweiten nur 10 Sekunden. Und wer sich auf Rutschen, Sprungtürmen und in den Becken doch zu sehr verausgabt hat, dem sei ein Besuch im Bistro angeraten. Jetmir und Semira Etemi schwingen gemeinsam Sejla Zukiz den Kochlöffel, damit der Vorrat an klassischen und vegetarischen Burgern, an Currywürsten, Pommes, wilden Kartoffeln und Salaten nicht ausgeht.

Die Familie ist von der Corona-Krise hart getroffen. Sie betreibt auch das Bistro von Hallenbad und Sauna und hatte seit Mitte März keinerlei Einkünfte. Umso mehr freuen sich die Bistrobetreiber jetzt auf hungrige und durstige Wasserratten. Von denen dürfte es in der kommenden Wochen mehr als genug geben.

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