Dampfeisenbahn in Weissach Wer rastet, der rostet

Von
Vorsitzender Armin Herdecker am Bahnhof wo die Dampflok Feurige Elias kommen soll Foto: factum/Granville

Weissach - Unscheinbar steht die Halle da, am Ortsausgang von Weissach. Die Gleise weisen zwar darauf hin, dass es hier um das Thema Zug geht. Was für einen Schatz der Schuppen aber beherbergt, das sieht man erst, wenn man die riesigen Eisentore öffnet. Auch Armin Herdecker ist ganz aus dem Häuschen und atmet schwer, aus Faszination, aber auch, weil die Tore so schwer gehen.

Es rostet überall. Das ist der Grund, warum der Zug in der Halle steht, hier in Weissach. Seit etwa zwei Jahren ist hier der „Hohenzollernzug“ untergebracht, vorher war er in Kornwestheim zu Hause, im Freien. „Wir sind gottfroh, dass wir in Weissach diese Halle gefunden haben“, sagt Herdecker und geht rein in die gute Stube.

Es ist dunkel, die Augen müssen sich erst daran gewöhnen. Dann aber, nach und nach, offenbart sich der Anblick. Bis nach hinten stehen die Wagen aufgereiht. Was für eine Ansammlung!, mag sich der Laie denken, aber nur so lange, bis er von Armin Herdecker korrigiert wird. „Nein“, erklärt der Fachmann, „das Besondere ist, dass das keine Sammlung ist“. Sondern die Garnitur eines Zugs, die wirklich vor einhundert Jahren so gefahren ist.

Nämlich im Donautal, zwischen Sigmaringen und dem Laucherttal, später auch von Hechingen bis Burladingen. In Hohenzollern, einem Regierungsbezirk, das um 1900 noch zu Preußen gehört hat. Die 1899 gegründete Eisenbahnfirma hieß daher „Aktiengesellschaft Hohenzollern’sche Kleinbahngesellschaft“. Von 1907 an dann „Hohenzollerische Landesbahn“ (HzL).

Eisenbahnfreaks nennen die Garnitur aus Loks und Wagen deshalb bis heute „Hohenzollernzug“. Zwei Loks gehören dazu, die Dampflokomotive 11 der Maschinenfabrik Esslingen von 1911 und die Dampflokomotive 16 von AEG (Baujahr 1928). Dazu kommen acht Personenwagen aus den Baujahren zwischen 1900 und 1908 und drei Packwagen von 1900.

Es gibt viele Vereine, die in Deutschland historische Züge und Dampfloks betreiben. Der Unterschied aber ist: Die meisten davon sammeln Wagen unterschiedlicher Herkunft. Der Hohenzollernzug aber ist in großen Teilen erhalten, stilrein steht er heute genau so da, wie er vor einem Jahrhundert gefahren ist. „Ich wüsste nicht, dass es das so in Deutschland nochmals gibt“, sagt Armin Herdecker, völlig zu Recht mit ein bisschen Stolz in der Stimme.

Es ist ein wahres Denkmal, das die „Gesellschaft zur Erhaltung von Schienenfahrzeugen Stuttgart“ (GES) besitzt. 2004 hat das auch das Landesdenkmalamt erkannt und den Zug unter Schutz gestellt. „Alle Fahrzeuge sind in Fahrgestell, Aufbau und Radsätzen aus dem Betriebszustand heraus überliefert“, schreibt der Gutachter damals begeistert, „die Personenwagen 3, 6, 21, 22 und 26 besitzen noch die originale Innenausstattung, die sie während des fahrplanmäßigen Betriebs erhalten hatten.“

Bis in die 60er und 70er Jahre waren die Wagen auf den HzL-Strecken regulär in Betrieb, zuletzt mehr schlecht als recht. Der Wagen Nr. 3 zum Beispiel, der älteste Wagen, diente zuletzt als Beiwagen, wenn ein Güterzug Menschen beförderte. Wagen Nr. 7 war zuletzt ein Lagerraum und Transportfahrzeug für Schweißgeräte. Wagen Nr. 9 war am Ende Aufenthaltsraum für die „Landesbahner“, wie man die HzL-Mitarbeiter noch heute nennt.

Fotostrecke
Artikel bewerten
4
loading
Strohgäu Leonberg Rutesheim Weil der Stadt Renningen Weissach Enzkreis-Gemeinden