Coronavirus und Schutzausrüstung „Wir konnten uns schon 370 000 Masken sichern“

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Schutzmasken sind derzeit nur schwer zu beschaffen. Foto: dpa/Christian Beutler

Stuttgart - Lars Hörnig (46) arbeitet als Geschäftsführer der Medi Verbund Praxisbedarf GmbH. Sein Hauptjob ist derzeit, Schutzausrüstungen für Ärzte zu beschaffen. Der Medi Verbund ist ein freier Ärzteverband mit Basis in Baden-Württemberg. Er vertritt die Interessen von bundesweit 15 000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten.

Herr Hörnig, Sie haben für die Mitgliedsärzte des Medi Verbunds mehr als 370 000 FFP2-Schutzmasken besorgt. Die Masken werden aktuell verteilt. Wo haben Sie das Material her?

Ich bitte um Verständnis, wenn wir als Medi Verbund unsere Quellen nicht offenlegen. Die herkömmlichen Lieferketten sind angesichts der Corona-Pandemie vollkommen kollabiert. Momentan helfen nur sehr gute Marktkenntnisse und Beziehungen. Wir setzen alles daran, die Praxen unserer Mitgliedsärzte mit Schutzmaterial auszustatten. Ohne Schutzmaterial müssen die Praxen schließen, die Patienten würden dann in die Kliniken strömen. Das wäre katastrophal, denn die Kliniken würden unter dieser Last zusammenbrechen.

Bund und Länder haben die Beschaffung und Verteilung von Schutzmaterial schon vor Wochen zentralisiert. Bei vielen Ärzten, Kliniken, Pflegeheimen und -diensten scheint aber nichts anzukommen. Wie bewerten Sie die Lage?

Ich möchte das zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren. Es trifft aber zu, dass viele Leistungserbringer und auch Ärzte sich von der Politik kläglich im Stich gelassen fühlen. Mein Eindruck ist, dass Schutzmaterial durchaus noch verfügbar ist. Es erfordert aber Kreativität und Hartnäckigkeit, sich die Ware auch zu sichern. Das ist jetzt nicht die Zeit für Bedenkenträgerei. Das Virus ist jetzt da, es kommt nicht erst im März 2021. Wenn es jetzt ein Angebot gibt, muss man schnell zuschlagen, sonst ist es weg.

Ist es zutreffend, dass Wucherpreise verlangt werden?

Ja, das ist so. Es gibt keine Preise mehr. Was vorhanden ist, wird verauktioniert. Medi-Mitglieder erhalten die FFP2-Schutzmasken zum Nettopreis von 7,50 Euro pro Stück. Das ist ein Vielfaches des normalen Preises, aber wegen der aktuellen Marktlage und der vorherrschenden Wucherpreise ist das schon extrem knapp kalkuliert. Geliefert wurde an uns nur, weil wir die Mindestbestellmenge von 100 000 Stück per Abfrage unserer Mitglieder in kürzester Zeit erreicht haben. Mittlerweile konnten wir uns schon 370 000 Masken sichern, die ganze Republik meldet sich deshalb inzwischen bei uns und will bestellen. Wir wollen aber vor allem den Arztpraxen in Baden-Württemberg helfen.

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