Corona-Wochenende Eis schlecken oder Notfall-Pläne erarbeiten

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Leer gefegt war der Marktstand von Klaus Stammel am Samstagmittag.. Foto: / privat

Leonberg - Mireille Blindowski reckt ihren Kopf Richtung Sonne und blinzelt. „Wir können uns doch jetzt nicht einsperren“, sagt sie und nippt am Cappuccino. Herrlich ist der Sonntagnachmittag auf dem Leonberger Marktplatz. Das Eiscafé Stefanello hat seinen ersten Öffnungstag nach der Winterpause, viele Tische sind belegt, aber nicht alle.

„Es ist deutlich ruhiger als sonst“, sagt der Chef Alberto Stefanello, der an der Eistheke gerade eine Portion Malaga und Mango ausgibt. Dass die Leute zurzeit Cafés meiden, merkt er nicht nur auf dem Marktplatz, sondern auch in seiner Hauptstelle im Leo-Center, wo der ­Umsatz in den vergangenen Tagen um 60 Prozent eingebrochen ist. Was ihm noch mehr Sorgen macht, ist seine Familie in Italien, zu der er ständigen Kontakt hat. „Ich bin erstaunt, wie entspannt die Leute hier im Norden mit der Katastrophe umgehen“, sagt Stefanello.

Schulleiterin muss viel vorbereiten

Keine Zeit zum ­Eisschlecken hatte Sascha Annette Sauter am Wochenende. Um 14  Uhr am Freitag hat die Schulleiterin der Weil der Städter Heinrich-Steinhöwel-Schule – so wie alle Lehrer – ­erfahren, dass von Dienstag an die Schulen geschlossen sind. „Geahnt hatten wir es, deshalb bin ich schon die ganze Woche im Notfallmodus“, sagt Sauter. Über das Wochenende musste sie nun organisieren, was es noch nie gab, nämlich den Unterricht zuhause.

„Zunächst haben wir geregelt, wie der Montag abläuft“, berichtet sie. Damit das Infektionsrisiko möglichst gering ist, hat sie alle klassenübergreifenden Aktivitäten abgesagt. Schüler sollen nur noch mit ihrer jeweiligen Klasse Kontakt haben. Frei haben die Schüler ab Dienstag dann nicht. „Wir möchten, dass sie zuhause weiterarbeiten“, sagt Sascha Annette ­Sauter. Einen Elternbrief hat sie aufgesetzt, in dem sie bittet, feste Lernzeiten mit den Kinder zu vereinbaren.

Erschwerend kommt hinzu, dass nicht alle der 520 Schüler Zugriff zu einem Computer mit Drucker haben. „Wir regeln es jetzt so, dass wir Arbeitsmaterialien und Lern­videos auf unsere Homepage einstellen“, sagt die Rektorin. Das können dann alle mit ihrem Smartphone abrufen. Per Mail sollen die Schüler dann mit den Lehrern kommunizieren. Angespannt sei die Stimmung im Kollegium, sagt Sauter. „Aber wir versuchen trotzdem den Schülern gegenüber Zuversicht zu zeigen.“

Bürgermeister muss Dienstpläne erstellen

Respektvoll, aber dennoch mit der notwendigen Gelassenheit geht auch der Weissacher Bürgermeister Daniel Töpfer mit der aktuellen Situation um. Seine Führungskräfte und er waren ebenfalls am Wochenende im Dienst. Am Samstag hat der Krisenstab der Verwaltung getagt, am Sonntag arbeitet Töpfer Dienstpläne aus. „Wir richten in kritischen Bereichen einen Zwei-Schicht-Betrieb ein“, sagt der Bürgermeister. Das betrifft zum Beispiel die Wasserversorgung, die Kläranlage, den Bauhof, Haupt- und Ordnungsamt, aber auch das Standesamt. Mitarbeiter sollen sich dort vor- und nachmittags abwechseln und auf keinen Fall begegnen, sodass alle Bereiche arbeitsfähig bleiben, selbst wenn es eine Infektion gibt.

Schon am Freitag seien im Rathaus die Drähte heißgelaufen, als die Schließung der Kindertagesstätten bekannt wurde. Nun muss die Notbetreuung organisiert werden für ­Kinder, deren Elternteile beide in kritischen Berufen arbeiten. „Wir haben ein Kind, dessen Eltern sind Polizisten“, nennt Daniel Töpfer ein Beispiel. Er rechnet aber nicht damit, dass es viele Kinder werden, genaueres steht dann am Montag fest. Um dasselbe Problem muss sich auch die Weil der Städter Rektorin Sascha Annette Sauter kümmern. „Wir fragen per Mail ab, wen das betrifft“, sagt sie. „Ich denke, allerhöchstens zwanzig Kinder.“ Verglichen mit ihren 400 Schülern von Klasse 1 bis 6 eine kleine Zahl.

Der Markt ist leer gefegt

Ruhig ist der Sonntag bei dem Höfinger Gärtnermeister Klaus Stammel. Am Samstagvormittag war allerdings das ganz anders. „So ­etwas hab ich noch nie erlebt“, sagt er. Leer gefegt war sein Marktstand am Ende des Wochenmarkt-Vormittags in der Steinstraße. 30 Prozent mehr als sonst hat er verkauft. „Es hätte noch viel mehr sein können, wenn ich mehr Ware gehabt hätte.“ Stammel macht aber deutlich, dass das nicht die viel zitierten Hamsterkäufer sind – bei schnell verderblichem Salat sei ja auch kein Panikkauf möglich. Er schmunzelt: „Viele berufstätige Mütter und auch Väter sind jetzt zuhause und müssen jeden Tag für vier bis fünf Menschen ­kochen.“

Wenn das so weitergehe, müsse er mehr zukaufen, weil sein eigener Gärtnerbetrieb nicht plötzlich mehr Ware her­gebe. „Viele haben auch gesagt, sie kaufen gerne im Freien ein, weil man dort nicht so eng mit Menschen zusammen ist wie in Supermärkten“, berichtet der Gärtnermeister. Angespannt sei der Markttag aber nie gewesen: „Nein, es war ein superentspanntes Einkaufen.“

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