Corona-Lockdown Rutesheim fordert neue Lockerungsstrategie

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„Wir dagegen sind irritiert, dass sich die Menschen beim Discounter auf die Füße treten, aber den Schuhladen nicht betreten dürfen“, heißt es unter anderem in den Schreiben an die Landesregierung. Foto: dpa/Bernd Wüstneck

Rutesheim - Es sind keine Ostergrüße, die im Staatsministerium in der Villa Reitzenstein für den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) dieser Tage eingegangen sind. Es ist eher ein recht erboster offener Brief, den die Rutesheimer Bürgermeisterin Susanne Widmaier, der Erste Beigeordnete Martin Killinger, die Wirtschaftsförderin Elke Hammer sowie die Vorstandsmitglieder des Vereins der Selbstständigen, Werner Dengel und Winfried Albrecht, unterzeichnet haben.

Am 22. Februar hatten sich das Rathaus und der Verein der Selbstständigen mit einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten gewandt. Kernaussage war, dass der Inzidenzwert nicht alleiniger Entscheidungsfaktor in Sachen Lockdown sein dürfe. Am 19. März kam die Antwort. „Auf unsere Fragestellungen wird so gut wie gar nicht eingegangen. Wir sind immerhin eine Stadt mit 11 000 Einwohnern und haben uns gewünscht, von Ihnen wahrgenommen zu werden“, heißt es nun aus Rutesheim.

Öfnung mit Hygienekonzept und Teststrategie

Die Hoffnung sei gewesen, dass der Appell aus Rutesheim Gehör findet und in die weiteren Beratungen einfließe. Der aktuelle Coronabeschluss zeige jedoch, dass die Entscheidungen von Bund und Länder weiterhin einzig und allein auf Inzidenzwerten basieren. „Wir müssen eine differenziertere Betrachtung aller maßgeblichen Faktoren zugrunde legen und davon wegkommen, ausschließlich die Inzidenzwerte als Grund für Schließungen heranzuziehen“, heißt es in dem offenen Brief.

„Wie lange sollen diese On-Off-Situationen denn noch andauern?“, fragen sich die Rathausspitze und die Vertreter zahlreicher örtlicher Firmen. Klare Worte aus Rutesheim an den Ministerpräsidenten: „Wir fordern daher ein Öffnen des Einzelhandels, der Gastronomie und der Kultureinrichtungen mit strengen Hygienekonzepten sowie mit entsprechenden Teststrategien. Wir gehen davon aus, dass mit dem Prinzip mit Sicherheit öffnen ein vertretbarer, wenn auch eingeschränkter Betrieb von Kultur, Hotel und Gastronomie als auch von Veranstaltungs- und Sportangeboten möglich ist.“

Akzeptanz geht nur mit Mehrwert

Faktoren, wie die Belegung der Intensivbetten, die Krankheitsverläufe, die Quote der geimpften Bevölkerung und auch der Altersgruppen oder welche Mittel es mittlerweile gibt, um Krankheitsverläufe zu mildern, müssten in die Abwägung einbezogen werden, lautet der Rutesheimer Standpunkt. Es werde auch nicht jeder Bundesbürger bereit sein, sich impfen zu lassen, gibt man in dem Schreiben zu bedenken.

Seit Wochen biete Rutesheim kostenlose Tests für Bürger, für Mitarbeiter und Schüler an. „Diese können die Impfstrategie begleiten, aber für die Akzeptanz in der Bevölkerung müssen sie auch einen Mehrwert bedeuten“, lautet die Forderung. „Sie waren irritiert, dass unsere Bürger nach Mallorca fliegen dürfen, aber nicht in der Ferienwohnung in Norddeutschland Urlaub machen dürfen“, schreiben die Rutesheimer. „Wir dagegen sind irritiert, dass sich die Menschen beim Discounter auf die Füße treten, aber den Schuhladen nicht betreten dürfen.“

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