Corona-Krise Die Handballer helfen – und viele ziehen mit

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Die Handballer vom SV Leonberg/Eltingen helfen, wo sie können – auch Trainer Tobias Müller. Foto: factum/Jürgen Bach

Leonberg - Es ist richtig toll, wie das gemacht wird. Vormittags den Einkaufszettel weitergereicht und am Nachmittag war alles da.“ Friedrich K. (Name von der Redaktion geändert) ist begeistert von dem Angebot des SV Leonberg/Eltingen – und sehr dankbar. Die Handballsparte hat vor einer Woche beschlossen, ältere Menschen und andere Risikogruppen zu unterstützen, indem sie auf Zuruf verschiedene Dienste für sie übernehmen – vom kleinen Einkauf bis hin zum Umzug oder Handwerksarbeiten.

„Wir haben heute, da wir Risikopatienten sind, das Angebot der Handballer in Leonberg angenommen und unseren Einkauf durch die Handballer durchführen lassen“, berichtet Friedrich K. Das habe wunderbar funktioniert. „Wenn gewisse Waren nicht im Regal vorhanden waren, wurde telefonisch Rücksprache gehalten und ein Ersatzprodukt vorgeschlagen. Ich finde es überragend, was da auf die Beine gestellt wurde.“

Die Idee zu der Aktion entstand vor einer Woche nach dem Training der Handballer, berichtet Tobias Müller, Trainer der 1. Herrenmannschaft. Da ahnte man zwar schon, dass sich einiges ändern würde, „aber mit diesem Ausmaß hätten wir nie gerechnet“. Erst Schließungen der Schulen, dann Schließung aller Sportstätten. Der Trainingsbetrieb und viele Teile des sonstigen Vereinslebens wurden damit erst mal auf Eis gelegt.

Vereine sind nach wie vor wichtig

Daher gibt der Trainer auch ganz unumwunden zu: die Aktion soll neben dem sozialen Aspekt auch die Bedeutung der Vereine in diesen Zeiten in den Vordergrund rücken. „Wir möchten für uns damit auch Werbung machen und die Menschen daran erinnern, wie wichtig die Vereine sind. Man darf nicht vergessen: durch die jetzige Situation reißt es vielen Sportvereinen den finanziellen Boden unter den Füßen weg.“ Mit der Hilfsaktion könne man einerseits etwas zurückgeben, andererseits die Menschen vielleicht ermutigen, die Vereine vor Ort ihrerseits zu unterstützen.

Am Anfang haben die Handballer ihre Aktion hauptsächlich über soziale Medien beworben. Da die Zielgruppe aber vor allem ältere Menschen sind, habe man auch noch Flyer gestaltet, die in der ganzen Stadt verteilt werden. „Übers Wochenende haben wir uns sogar noch zwei Prepaid-Handys zugelegt. Denn einige ältere Menschen hätten keinen E-Mail-Zugang oder wollten lieber persönlich mit jemandem sprechen. „In der Druckerei Reichert durften wir die Flyer kostenlos drucken, das hat uns sehr gefreut“, berichtet Müller. Auch sonst erfahren sie viel Unterstützung von örtlichen Unternehmen, bekamen von einem Metzger zum Beispiel Iso-Boxen für den Transport von zu kühlenden Waren bereitgestellt.

Flyer, Kühlboxen – alle helfen mit

„Erst lief es langsam an, aber seit wir die ersten Flyer verteilt haben und auch ein Interview mit uns im Radio lief, bekommen wir immer mehr Anfragen“, sagt Tobias Müller. Und er gehe davon aus, dass der Bedarf in den nächsten Tagen noch mal deutlich zunehmen wird. „Wir haben inzwischen schon viel Dankbarkeit erfahren, das gibt einem wieder richtig Energie“, sagt der Handballtrainer. Das Hilfsangebot der Handballer hat längst Schule gemacht – weit über die Grenzen von Leonberg hinaus.

Stand Mittwochmittag waren es bereits 18 Vereine in unterschiedlichen Bundesländern, die sich die Aktion zum Vorbild genommen haben. „Das ist Wahnsinn, was das für Kreise zieht“, sagt Tobias Müller. Und auch im Umkreis erfahren die Handballer sehr viel Solidarität, „es melden sich immer mehr Leute aus anderen Vereinen, die mitmachen wollen und ihre Hilfe anbieten“. Mittlerweile sind mehr als 60 Personen in der Whats-App-Gruppe, über die sich die Helfer austauschen.

Andernorts organisieren sich die Menschen ebenfalls, um Risikogruppen zu schützen und zu unterstützen. Wer in Warmbronn wegen der Corona-Pandemie das Haus nicht verlassen kann oder mag, der kann zum Beispiel auf den Lieferservice der örtlichen Einzelhändler zurückgreifen, für Getränke, Lebensmittel, Medikamente aus der Apotheke oder Pflanzen und Gemüse vom Blumenhändler.

„Die Kümmerer“ packen mit an

Um das Personal der Einzelhändler, das bis zum Anschlag arbeitet, bei den Lieferungen vor Ort zu unterstützen, übernehmen „Die Kümmer“ des Warmbronner Gemeindevereins in Absprache mit den Geschäften die Lieferung von Lebensmitteln und Medikamenten. „Die Kümmerer“ des Gemeindevereins ist eine Gruppe von Freiwilligen, die seit 2015 ältere Bürger in Warmbronn unterstützt. Außer dem Lieferservice bringen die Freiwilligen der „Kümmerer“ Briefe zur Post, Überweisungen zur Bank und sorgen auch für Lesestoff gegen Langeweile.

„Familiäre, nachbarschaftliche, freundschaftliche oder kollegiale Hilfe ist jetzt gefragt und herzlich willkommen“, sagt der Rutesheimer Beigeordnete Martin Killinger. Wer in seiner Nachbarschaft, im Verein oder in der Kirchengemeinde eine Person kennt, die Hilfe benötigt, der sollte Unterstützung angeboten werden. Für Bürger, deren Versorgung im Falle einer Quarantäne oder aufgrund besonderer persönlicher Risiken trotz dieser Hilfen wirklich nicht mehr gesichert ist, wird ein ehrenamtlicher Bringdienst für das Lebensnotwendige organisiert.

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