Corona in Leonberg Der Tafelladen öffnet wieder seine Pforten

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Im Tafelladen ist wieder Obst und Gemüse eingetroffen – die ehrenamtlichen Helfer füllen die Regale auf. Foto: factum/Jürgen Bach

Leonberg - Gerüstet war man auf einen kleinen Ansturm und eine lange Schlange: Doch beides ist am Donnerstag bei der Wiedereröffnung des Tafelladens in der Wilhelmstraße 39 ausgeblieben. Die Leonberger Einrichtung ist nach fast zweiwöchiger Pause wieder offen.

„Es hat sich wahrscheinlich noch nicht herumgesprochen, dass wir wieder geöffnet haben“, vermutet Dagmar Kurz. Sie ist die Bereichsleiterin Läden für die vom evangelischen Diakonieverbund in Leonberg betriebene Tafel, den ebenfalls in der Leonberger Bahnhofsstraße angesiedelten Kontaktladen und den Diakonieladen M 15 in Malmsheim in der Merklinger Straße 15. Weil sie keine Lebensmittel, sondern in der Regel Bekleidung und Haushaltsgegenstände anbieten, bleiben der Diakoniekontaktladen und M 15 in Malmsheim bis auf Weiteres geschlossen. Der Diakonieverbund wird getragen von den drei Kirchenbezirken Leonberg, Böblingen und Herrenberg.

Doch Dagmar Kurz hat trotzdem alle Hände voll zu tun. Denn sie ist mit einer neuen Situation konfrontiert. Fast das gesamte Helferteam im Laden ist an diesem Tag neu. „Weil die Ehrenamtlichen, die sich sonst im Tafelladen engagieren, eher zur Generation 65 Plus gehören, hatten wir zu ihrem Schutz den Laden vorerst geschlossen“, erläutert der Leonberger Dekan Wolfgang Vögele. Dabei wurde gleichzeitig die Suche nach anderen möglichen Helfern eingeleitet. „Zum Teil sind wir unter kirchlichen Mitarbeitern fündig geworden“, sagt der Dekan.

Schnelle, unkomplizierte Hilfe

„Die größte Resonanz und die schnellste Hilfe haben wir aber über die bei der Leonberger Feuerwehr gebündelte Hotline erreicht“, freut sich Dagmar Kurz. Unter der in der Feuerwache geschalteten Rufnummer 0 71 52 / 9 90 46 62 können sich Privatpersonen, Gruppen, Vereine oder Initiativen melden, die helfen möchten. Und es können jene anrufen, die Hilfe und Unterstützung benötigen. „Das hat ganz schnell und effektiv geklappt“, ist Dagmar Kurz dankbar.

Und so stehen am Donnerstagmittag ganz bescheiden und hilfsbereit Handballer des SV Leonberg/Eltingen im Tafelladen, und mit ihnen Studenten, die keine Vorlesungen haben – alle bereit, Menschen in einer Notsituation beizustehen. Sie leben das, was eigentlich die Grundidee der Diakonie ausmacht, ohne in der Institution Kirche verankert zu sein.

„Unser diakonisches Handeln verstehen wir als Antwort des christlichen Glaubens auf die Nöte der Menschen“, umreißt es der Leonberger Dekan. „Wir kümmern uns darum, dass Menschen in ihren Notlagen begleitet und beraten werden. Wir setzen uns für den Aufbau von Netzwerken in Kirchengemeinden ein. Unsere Beratungsstellen sind offen für alle. Religion, Herkunft und Alter spielen dabei keine Rolle“, sagt Wolfgang Vögele.

Auch hier gelten die Regeln

Dagmar Kurz erläutert den jungen Helfern die Regeln für den Umgang mit Lebensmittel, wie Gerätschaften bedient werden müssen. „Der Tafelladen ist ein kleiner Laden, die Kundschaft darf nur einzeln eintreten, die Abstände müssen gewahrt werden“, erläutert sie.

Endlich ist wieder reichlich Gemüse und Obst im Angebot, was vor zwei Wochen nicht der Fall gewesen ist. „Wahrscheinlich hat sich das Einkaufsverhalten der Menschen wieder auf normal eingependelt“, vermutet die Bereichsleiterin Läden. Dem Team rund um den Tafelladen sei es wichtig gewesen, noch vor Monatsende eröffnen zu können. Aus Erfahrung wisse man, dass dann bei der Kundschaft das Haushaltsgeld knapp wird. Im Tafelladen darf nur mit einem Berechtigungsschein eingekauft werden.

„In der Regel haben wir zwischen 30 und 50 Kunden am Tag, aber hinter jedem der einkauft, hängen noch drei, vier Personen, die zum Haushalt gehören“, sagt Dagmar Kurz. Vorerst soll der Tafelladen immer montags und donnerstags von 12 bis 15 Uhr geöffnet werden. Werden Helfer benötigt? Dagmar Kurz ist glücklich, Mal nein sagen zu können. Auch Fahrer werden gegenwärtig keine neuen gesucht. Über die Hotline bei der Feuerwehr habe sich für den Augenblick alles geregelt.

„Doch es wird auch eine Zeit danach geben, und die jungen Helfer von jetzt müssen dann wieder ihr Studium und ihre Arbeit aufnehmen“, weiß Dagmar Kurz. „Dann sind wir froh, wenn wir wieder ein gutes Helferteam haben.“

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