Corona in den USA Tausche Klopapier gegen Teigwaren

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Der US-Bundesstaat Arizona ist auch für den Grand Canyon bekannt. Foto: pixabay

Leonberg - Das Thema Coronavirus und seine Folgen beherrscht nicht nur die Schlagzeilen der Medien rund um den Globus. Auch im privaten Austausch wird kaum noch von etwa anderem geredet. Wie es über dem großen Teich, im US-amerikanischen Phoenix im Bundesstaat Arizona aussieht, geht aus der E-Mail von Stefanie P. an ihre Tante in Leonberg hervor (auszugsweise).

„...die Dinge gleichen sich, hier in Arizona und vielen Staaten. Restaurants sind nur für den Kauf zum Mitnehmen geöffnet oder es besteht ein Schalter zum Durchfahren. Alle Versammlungen und Festivals sind gestrichen. Die Bildung von Gruppen mit mehr als fünf Personen ist nicht erlaubt. Kirchen, Schulen und viele Geschäfte sind geschlossen. Sie sagen zwar nur bis Ende März, aber ich bin sicher, das wird noch ausgeweitet werden. Viele arbeiten von zu Hause aus, so weit sie können, und das wahrscheinlich noch für lange Zeit.

„The Big Orange One“ (Donald Trump) sagt, es wird Tests geben für diejenigen, die sie brauchen. Bei Bedarf geben die Banken Pfandbriefe für ein Jahr aus.

Es ist großartig, dass deine Gemeinde dir hilft. Unsere ist vergleichbar auch nett. Einer nahm seinen fahrbaren Rasenmäher und mähte den Leuten ihren Rasen am Wochenende. Ich handelte mit Karotten und Paprika aus meinem Garten und erhielt dafür von meinem Nachbarn Eier. Als meine Freundin und ich einen Spaziergang machten, kam eine Dame mit Tüten aus ihrem Haus und wir durften Orangen, Grapefruits und Zitronen pflücken und mit nach Hause nehmen.

Abends gehen die Leute spazieren und erzählen dir, was sie brauchen und was sie haben – handeln Toilettenpapier für Teigwaren ein. Es ist sehr interessant,dass wir einander kein Geld mehr geben und sozusagen zum Tauschhandel zurück gekehrt sind. Wir zum Beispiel teilten die Eier mit einer anderen Nachbarin und sagten ihr, wir würden Mehl brauchen, wenn sie zufällig mal welches beim Einkaufen erwische. Später fanden wir eine Tüte Mehl vor unserer Tür.

„Meine Tochter wird dringend gebraucht“

Es gibt viel Täuschung und Schwindel hier, aber wir erleben auch Gutes. Leute, die etwas übrig haben, stellen sich an eine Ecke und verschenken es. Läden öffnen zu speziellen Zeiten nur für Ältere und Gefährdete, damit sie in Ruhe und mit viel Platz einkaufen können. In dem Hospital, in dem unsere Tochter arbeitet, hat das medizinische Personal keine Schutzausrüstung mehr, aber sie sagen, eine Fabrik hat versprochen, ihnen bald zu helfen. Bis jetzt hat sich noch kein Patient mit dem Coronavirus angesteckt. Also noch keine Gefahr für sie, aber sie muss als Krankenschwester weiter machen. Sie wird sehr dringend gebraucht.

In meiner Firma wurde eine Website eingerichtet, die den Menschen helfen soll, Tests zu bekommen. Wir werden auch einen entsprechenden Appell an „The Idiot“ (Donald Trump) richten. Viele meiner Freunde, die in New York arbeiten, haben die Stadt verlassen, um bei Freunden oder Verwandten zu leben oder in anderen Bundesstaaten wie Maine. Eine Freundin hängt in Seattle fest, wo es derzeit sehr schlecht ist.

Mein Mann als Schulbus-Fahrer ist arbeitslos und versorgt zur Zeit Haus und Hof. Jetzt streicht er zum Beispiel den Gartenzaun. An dem notwendigen Material dazu fehlt es natürlich an allen Ecken und Enden. Überall leere Regale – ich habe es am Sonntag mit eigenen Augen gesehen. Du hast auch gar keine Wahl mehr. Wenn etwas noch im Regal ist und du brauchst es, kaufst du es – egal zu welchem Preis. Allerdings haben wir genügend Vorräte und freuen uns über unsere großen, amerikanischen Kühlschränke. Wir haben sogar eine extra Gefriertruhe und eine Speisekammer. Oh, jetzt werde ich langsam hungrig...“

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