Corona im Enzkreis Über die Dynamik eines Pop-up-Impfzentrums

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Bis zum 30. Juni ist das Kreisimpfzentrum in der Mönsheimer Appenberg-Sporthalle offiziell geöffnet. Wie es dann weitergeht, ist noch nicht definitiv geklärt. Foto: Jürgen Bach

Mönsheim - In den Rathäusern der Enzkreis-Gemeinden Friolzheim, Mönsheim, Wimsheim und Heimsheim war in den vergangenen Wochen neben der alltäglichen Arbeit – in Heimsheim steht zudem jetzt die Bürgermeisterwahl an – geschäftiges und reges Treiben. Die Drähte liefen heiß. Das Landratsamt im Enzkreis hatte schon vor vier Wochen angekündigt, sogenannte Pop-up-Impfzentren zu eröffnen, um die übrig gebliebenen Astrazeneca-Dosen der mobilen Impfteams, die die bewegungseingeschränkten über 80-Jährigen in den Kommunen versorgten, weiteren Impfberechtigten zur Verfügung zu stellen. Also galt es, diese Termine zu vergeben.

Dafür wurde der Enzkreis in zehn Bereiche, sogenannte Cluster, aufgeteilt. Die Koordination für das zehnte übernahm Friolzheims Bürgermeister Michael Seiß. Vor gut vier Wochen hatte er sich erstmals mit seinen Kollegen aus Wimsheim, Heimsheim und Mönsheim getroffen. „Das war am Tag, als Astrazeneca erstmals kurzfristig eingestellt wurde“, erinnert sich Seiß. Es sollte nicht die einzige Verunsicherung bleiben.

Fakt war zunächst einmal: Für die vier Gemeinden wurden insgesamt 195 Termine für das Pop-up-Impfzentrum in Mönsheim – hier befindet sich auch das Impfzentrum des Enzkreises – für Freitag bereitgestellt. Friolzheim beispielsweise durfte entsprechend seiner Einwohnerzahl 53 Termine vergeben. „Wie wir die Vergabe handhaben, blieb uns selbst überlassen“, sagt Michael Seiß, der den Weg über das Amtsblatt der Gemeinde wählte. Die Herausforderung war dabei, dass sich die Vorgaben und Rahmenbedingungen seitens des Landratsamtes stets änderten. Mal kam die Ansage, dass nun doch der Impfstoff Biontech zur Verfügung stünde, dann kam erneut Astrazeneca ins Spiel. „Das hat einige abgeschreckt“, beschreibt Seiß die dynamische Entwicklung.

Auch die Angabe, welcher Personenkreis nun impfberechtigt sei, änderte sich permanent. „Zunächst waren es nur die über 80-Jährigen, dann wurde der Kreis mit den über 70-Jährigen erweitert.“ Und am vergangenen Mittwoch wurden schließlich auch die über 60-Jährigen mit ins Boot geholt. „Bedauerlicherweise kam diese Information sehr spät, denn einen Tag drauf war bereits der Anmeldeschluss.“ Da wurden nochmals kurz die Kontakte zu den Vereinen genutzt. In Friolzheim konnte man die 53 Impftermine letztendlich alle vergeben.

Nicht so in Wimsheim. „Viele der über 80-Jährigen wurden schon geimpft, haben bereits Termine oder warten, bis sie zu ihrem Hausarzt dürfen“, sagt der Bürgermeister Mario Weisbrich. Auch für ihn kam die Information, dass schließlich Personen ab 60 Jahren ebenfalls das Angebot wahrnehmen dürfen, viel zu spät. „Falls wir noch ein weiteres Pop-up-Impfzentrum eröffnen, müssen von vornherein die Rahmenbedingungen feststehen“, sagt der Gemeinde-Chef. Welcher Impfstoff ist verfügbar, wer darf geimpft werden, wann ist der genaue Termin. „Nur, wenn man alle Informationen hat, kann man auch vernünftig kommunizieren.“ Zudem müssten die Betroffenen auch die Möglichkeit haben, sich mit der Familie oder mit dem Hausarzt absprechen zu können.

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Im Heimsheimer Rathaus hat sich das Team um Bürgermeister Jürgen Troll für den postalischen Weg entschieden, die Impfberechtigten anzuschreiben. Im ersten Anlauf gingen 320 Schreiben raus, im zweiten nach den ersten Änderungen waren es 200. Bei einer weiteren Aktualisierung folgten dann zahlreiche Anrufe, um möglichst noch Interessenten erreichen zu können. 72 Termine waren in Heimsheim zu vergeben, keiner blieb mehr frei. Auch hier waren die Reaktionen der Bürger unterschiedlich. Manche waren sehr erfreut, manche waren schon mit Terminen versorgt, manche schreckten vor Astrazeneca zurück.

Im regulären Impfzentrum des Enzkreises in der Mönsheimer Appenberg-Sporthalle wurde zuletzt am 7. April zwei Menschen der Impfstoff von Astrazeneca verabreicht. Seitdem steht dort nur noch Biontech zur Verfügung. Die restlichen Dosen von Astrazeneca gehen an die Pop-up-Impfzentren. „Die ursprüngliche Laufzeit des Impfzentrums endet am 30. Juni, deshalb wäre es nicht mehr möglich, nach acht bis neun Wochen einen zweiten Impftermin für Astrazeneca zu vereinbaren“, sagt Stefanie Frey, die Pressesprecherin beim Landratsamt in Pforzheim.

Schließt das Impfzentrum in Mönsheim?

Ob das Impfzentrum tatsächlich zum 30. Juni geschlossen wird, sei allerdings noch nicht definitiv. „Eine Entscheidung ist da seitens des Sozialministeriums noch nicht getroffen“, sagt Frey.

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