Corona im Altkreis Schwappt die Welle in die Schulen?

Von Sophia Herzog
Angesichts der Corona-Lage ist man an der Heinrich-Steinhöwel-Schule erleichtert über die angeschafften Luftfilter. Foto: Jürgen Bach

Landkreis Böblingen - Der Dienstag markiert einen traurigen Rekord: Nie wurde im Kreis Böblingen an einem Tag eine höhere Sieben-Tage-Inzidenz registriert. Der Wert erreichte mit 261,1 ein neues Allzeit-Hoch. Aufgrund der geltenden Landesverordnung ist allerdings nicht mehr die Inzidenz für Gegenmaßnahmen ausschlaggebend, sondern die landesweite Belegung der Intensivbetten. Zwar gilt im Südwesten seit Anfang November die Warnstufe, doch die Einschränkungen des öffentlichen Lebens bestehen im Wesentlichen in der 3-G- oder 2-G-Regel. In den Schulen gilt seit dem 18. Oktober keine Maskenpflicht mehr im Unterricht – und viele Schüler sind noch nicht geimpft. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, wann die vierte Coronawelle wieder vermehrt in die Klassenzimmer schwappt.

Ausbruch in Weil der Stadt

Ein „einschneidendes Erlebnis“ sei es gewesen, als kurz vor den Herbstferien plötzlich mehrere Schnelltests einer jahrgangsübergreifenden ersten und zweiten Klasse an der Weiler Heinrich-Steinhöwel-Gesamtschule (HSGS) positiv ausgefallen sind. „Wir hatten bis Oktober eigentlich kaum negative Tests“, berichtet Schulleiterin Sascha Sauter. „Und dann hat es uns kalt erwischt.“

Im Laufe einer Woche wurden acht Kinder einer Grundschulklasse positiv auf das Coronavirus getestet, sechs Kinder in einer weiteren. Zusätzlich fielen drei Lehrerinnen aus. „Wir hatten Schwierigkeiten, den Unterricht aufrecht zu erhalten“, erinnert sich Sauter. Und nicht nur die verbleibenden Kinder in der Schule mussten unterrichtet werden – auch die Schülerinnen und Schüler in Quarantäne brauchten Lernmaterialien. Schockierend sei es gewesen, so Sauter, wie schnell der Ausbruch um sich gegriffen habe. Die Herbstferien waren zwar ein Puffer. Aber auch jetzt sind wieder zwei Kinder der dritten Klasse mit positivem Test zuhause.

Luftfilter in jedem Klassenzimmer

Angesichts der rasant steigenden Coronazahlen könnten größere Ausbruchsgeschehen wie an der Heinrich-Steinhöwel-Schule bald Alltag werden. „Der Versuch, auf Masken im Unterricht zu verzichten, hat zunehmend mehr Corona-Ausbrüche an unseren Schulen verursacht“, verkündeten Landesschülerbeirat, Landeselternbeirat, Philologenverband und Realschullehrerverband jüngst in einer gemeinsamen Erklärung.

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Auch Sascha Sauter wünscht sich, dass eine Maskenpflicht im Unterricht wieder eingeführt wird, ist gleichzeitig auch froh darüber, dass man in Weil der Stadt konsequent den Weg der Luftfilteranlagen gegangen sei. An der HSGS steht in jedem Klassenzimmer eine. „Wir müssen jetzt schauen, wie wir vor Ort klarkommen“, sagt sie. „Wir wappnen uns.“ In Absprache mit den Eltern könnte sie sich etwa vorstellen, die Ganztagsbetreuung für betroffene Klassen umzugestalten.

Infizierte müssen Kontaktpersonen selbst informieren

Treten in einer Schulklasse mehrere Corona-Fälle auf, wird das Gesundheitsamt informiert. Um sich in Zukunft mehr auf größere Ausbruchsgeschehen wie an der Weiler Schule oder bei Fällen in vulnerablen Gruppen, etwa Pflegeheimen, zu konzentrieren, hat das Gesundheitsamt des Landkreises Böblingen unlängst neue Regelungen bei der Kontaktverfolgung angekündigt.

Erkrankte Personen werden nun nicht mehr vom Gesundheitsamt angerufen, sondern müssen sich eigenverantwortlich in Quarantäne begeben und Kontaktpersonen selbst informieren. Vollständig geimpfte, symptomlose Kontaktpersonen oder Haushaltsangehörige müssen sich allerdings nicht in Absonderung begeben.

Corona an den Schulen

Regelung
 Schülerinnen und Schüler, die nicht genesen oder geimpft sind, müssen sich dreimal wöchentlich per Schnelltest oder zweimal wöchentlich mit einem PCR-Test testen lassen. Ist das Ergebnis bei einer Schülerin oder einem Schüler positiv, gilt für die jeweilige Klasse zunächst die sogenannte Kohortenpflicht. Fünf Tage lang müssen sich alle anderen Schüler, die nicht geimpft oder genesen sind, mindest einmal täglich testen und dürfen, etwa in Pausen, nur unter sich bleiben. Erkranken mehr als 20 Prozent der Kinder in einer Klasse, kann das Gesundheitsamt auch eine Quarantänepflicht für die gesamte Klasse anordnen.

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