Containersiedlung Warmbronn Das Studentenwohnheim ist noch lange nicht vom Tisch

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Vor drei Jahren wurden die Container aufgebaut, seitdem sind sie ungenutzt. Foto: factum/Granville

Leonberg - Die Flüchtlingshilfe in Warmbronn war 2016 schnell gegründet. Sie brachte sich ein bei der Frage nach dem möglichen Standort der Containersiedlung, wie die Kinderbetreuung dafür organisiert werden konnte, sammelte Fahrräder, damit die älteren Kinder und Erwachsenen auch unabhängig und mobil sein konnten. Allein: die Flüchtlinge kamen nie in Warmbronn an. Denn als die Container endlich standen und an alles Nötige angeschlossen waren, ebbte die Flüchtlingswelle gerade wieder ab. Der Landkreis behielt die Kästen zwar als Notreserve, wie es aus dem Landratsamt heißt. Auch geheizt werden musste, damit nichts kaputt geht. Doch es blieb eine Geistersiedlung.

Gespräche mit dem Landkreis

Und die wird wohl auch noch eine Weile dort stehen. Ob sie dann abgebaut oder anderweitig genutzt wird, ist noch nicht entschieden. „Wir sind in Gesprächen mit dem Landkreis, die Container-Wohnanlage zu mieten beziehungsweise zu pachten“ teilt die Stadt Leonberg auf Anfrage mit. Vor genau einem Jahr hatte Oberbürgermeister Martin Kaufmann angeregt, die Anlage am Warmbronner Ortsrand doch als Studentenwohnheim zu nutzen.

Zur Universität in Stuttgart-Vaihingen ist es nicht weit, die Busanbindung gut. Ein Studentenwohnheim könnte auch mehr Frequenz bringen für die Linie 747. „Ich gehe davon aus, dass es in Kürze eine Einigung geben wird über die weitere Nutzung in Warmbronn“, sagt der Erste Bürgermeister Ulrich Vonderheid.

Im Rückblick auf die Hochzeit des Flüchtlingszustroms sagt er heute: „Wir haben damals Vieles richtig gemacht.“ Schon früh habe sich die Stadt Leonberg darum gekümmert, genügend Unterkünfte für heimische Wohnungslose wie auch für Menschen in der Anschlussunterbringung zu schaffen. So wurde zunächst in Höfingen eine neue Unterkunft gebaut, dann eine Containersiedlung am Kreisel Schweizermühle und später im Gebiet Niederhofen in Eltingen. Alle sind voll belegt.

Bürgermeister: Weitere Unterkunft ist notwendig

„Das Thema ist für uns trotzdem nicht erledigt“, sagt Vonderheid. Die Anschlussunterbringung, für Asylsuchende mit Aufenthaltsgenehmigung oder Duldung, sei schließlich zeitlich nicht befristet. Wer von allein keine Wohnung auf dem freien Markt findet, kann in der städtischen Unterkunft bleiben. Zwar seien die Zuweisungszahlen gesunken. „Doch jeder, der in die Anschlussunterbringung kommt, der kommt obendrauf“, sagt der Erste Bürgermeister.

Derzeit beherberge die Stadt 224 Menschen ohne Wohnung, darunter sind 28 Familien mit insgesamt 33 Kindern. 2015 waren es noch 159 Obdachlose, darunter 21 Familien mit 18 Kindern. Damals waren nur 88 Menschen in der Anschlussunterbringung, 49 davon Kinder. Heute sind es 413 Menschen, darunter 71 Familien mit 186 Kindern.

Nicht nur Wohnraum für Flüchtlinge knapp

Deshalb sei bald die nächste neue Unterkunft nötig. „Wir planen bereits und werden noch vor dem Sommer damit in die Gremien gehen“, erklärt er. Derzeit reichten die städtischen Kapazitäten bis Ende des Jahres. Dann wird es knapp.

Und das hat auch noch weitere Gründe. So nutzt die Stadt derzeit eine Reihe an Wohnungen, die auf dem Gelände für den geplanten Brückenschlag unterhalb der Altstadt liegen. Der Mietvertrag für das frühere Hotel Online im Ramtel läuft zum Jahresende 2020 aus. Auch bei einigen Wohnungen laufen befristete Verträge bald aus. „Deshalb planen wir kurzfristig eine Unterkunft und mittelfristig eine weitere“, berichtet Vonderheid.

Doch nicht nur bei den Flüchtlingen steigen die Zahlen. „Es gibt auch immer weniger Einheimische, denen es gelingt, einfache bezahlbare Wohnungen zu finden“, berichtet der Erste Bürgermeister. Ein Grund dafür sei der Zuzug von Arbeitern aus dem Ausland, vor allem Osteuropa. „Es ist ein Ausdruck der Prosperität unserer Region. Aber da wird auch jede Menge günstiger Wohnraum abgegriffen“, meint Vonderheid.

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