CMT Stuttgart Weil setzt auf Fastnet, Leonberg auf Kurztrips

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Die Narrenzunft Weil der Stadt wirbt mit Süßem für den Landkreis. Foto: factum/Jürgen Bach

Leinfelden-Echterdingen - Och süß, was ist denn das für ein Hund? Aus Welzheim im Rems-Murr-Kreis kommt die rüstige ­Dame mit den lachenden Augen. Einen solchen riesigen Hund mit dem gold-gelb glänzenden Fell hat sie noch nie gesehen. Aber Frauchen Melanie Kaiser kann weiterhelfen. „Das ist ein Leonberger“, sagt sie und blickt in erstaunte Augen. „Ja, eine solche Rasse gibt es.“

Kiwi, der fünfjährige Leonberger Hund, ist der Star an diesem Montagmittag am Leonberger Stand auf der Reisemesse CMT. Zahlreiche Spuren aus der Region finden sich auf der Messe. Schräg gegenüber präsentieren sich Böblingen und die dortige Mineraltherme, auch „Schönbuch & Heckengäu“, die Tourismusinitiative des Landratsamts, ist vertreten. An diesem Stand des Landkreises wechseln sich zudem die Städte Herrenberg, Waldenbuch, Holzgerlingen und Weil der Stadt ab.

Altesten Naturpark des Landes gibt es im Kreis

„Unsere Zielgruppe sind vor allem die Tagestouristen aus der Region“, berichtet Siegfried Zenger, der als Leiter der Regionalentwicklung im Landratsamt quasi der Tourismuschef des Kreises ist. Er verweist auf Umfragen, wonach der typische CMT-Besucher aus Baden-Württemberg, vor allem aus dem Stuttgarter Speckgürtel, kommt – also genau jene, die man für einen Tagesausflug gewinnen will. „Wussten Sie zum Beispiel, dass der älteste ausgewiesene Naturpark Baden-Württembergs bei uns liegt?“, fragt Zenger. Schon 1972 wurde der Schönbuch dazu ernannt.

Klar, die Maschinen- und Automobilwirtschaft steht im Fokus. Dennoch lohnen sich auch im Kreis Böblingen Anstrengungen im Bereich Tourismus. „Wir haben einen Mangel an Fachkräften“, sagt Siegfried Zenger. „Da sind Möglichkeiten zu einer erlebnisreichen Freizeitgestaltung ein wichtiger Standortfaktor.“

Der neue Schönbuchturm, den seit seiner Eröffnung im Mai 2018 schon eine halbe Million Besucher bestiegen haben, ist auf Plakaten zu sehen. Dazu Leonbergs Pomeranzengarten und Weil der Stadts historische Altstadt. Sabine Frenzel steht am Stand. Die Ehningerin ist Heckengäu-Naturführerin und bewirbt ein buntes Programm. Im Mai bietet sie eine Führung auf den Büchelberg in Münklingen an. „Auf der dortigen Wacholderheide gibt es viele Heilkräuter, die ich ­erkläre“, sagt sie. „Das würden Sie als Spaziergänger wahrscheinlich nicht entdecken.“

Der Bürger als Tourist im eigenen Landkreis – das passt in das Konzept der Stuttgart-Marketing-Gesellschaft. Die Kommunen der Region Stuttgart beteiligen sich an ­deren großen Stand auf der CMT. „Bei den Schwaben ist noch Luft nach oben, was den Stolz auf die eigene Region anbelangt“, sagt Geschäftsführer Armin Dellnitz. „Unsere wichtigste Aufgabe ist es, den eigenen Bürgern zu zeigen, in welch schöner Region sie leben.“ Wo sonst, so nennt Dellnitz ein Beispiel, gebe es auf dem Lande ein Museum von Weltrang wie das Museum Ritter in Waldenbuch.

Kommunen haben großes Interesse an einem Stand

Die Städte und Gemeinden hätten ein großes Interesse, sich zu zeigen. „Ja, der Platz wird knapp“, berichtet Dellnitz. Leonberg zum Beispiel hat seinen Auftritt im vergangenen Jahr auf die komplette CMT ausgedehnt. Zuvor war die Pomeranzengarten-Stadt nur an wenigen Tagen vertreten. „Der Erfolg gibt uns recht“, zieht Oberbürgermeister Martin G. Cohn (SPD) eine Zwischenbilanz. Der Stand sei ständig von interessierten Menschen belagert. „Wir sind strategisch an der Autobahn so gut gelegen, diese Autofahrer wollen wir für Leonberg gewinnen.“ Cohn kündigt daher eine Qualitätsoffensive für den Tourismus an und nennt nur ein Beispiel: „Wir denken darüber nach, wo wir einen geeigneten Standort für Wohnmobile in der Stadt finden.“ Von der Autobahn könne man dann abfahren und hier einen Zwischenstopp einlegen. „Leonberg ist schließlich mehr, als nur Autobahn und Stau.“

Das sind die Zielgruppen für den Tourismus im Kreis: Die eigenen Bürger und Durchreisende. Böblingens OB Stefan Belz (Grüne) zielt noch eine weitere Zielgruppe an. 22 000 Übernachtungen gibt es dort, die meisten sind Geschäftsreisende. „Auch sie wollen wir gewinnen, unsere Stadt zu entdecken“, sagt Belz. Ein Oldtimer macht am Stand Werbung für die Motorworld, dazu ­gebe es die Mineraltherme. Auf der CMT einen Stand zu betreiben, ist für ihn deshalb keine Frage. „Wir müssen Flagge zeigen und das, was wir vor der Tür haben, präsentieren.“

Dazu gehört dieses Jahr die Fasnet. Landrat Roland Bernhard hat zu seinem Besuch deshalb die Narrenzunft Weil der Stadt und die giftgrünen Schlossberghexen Böblingen mitgebracht. „Die Fasnet in Weil der Stadt ist eine ganze alte, ganz schöne Tradition“, berichtet Bernhard aus seiner eigenen ­Erfahrung. Am 23. Februar ist großer  ­Umzug. Dann kommen in der Tat Tagestouristen aus der kompletten Region nach Weil der Stadt.

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