Rettungshubschrauber Christoph 41 Mehr Einsätze nach Badeunfällen

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Eine kurze Pause für das Team „Christoph 41“ zwischen den Einsätzen. Der Rettungshubschrauber ist am Leonberger Krankenhaus stationiert. Foto: Jürgen Bach

Leonberg - Die ersten sechs Monate dieses Jahres waren für die Crews der Hubschrauber und Flugzeuge der DRF Luftrettung mit Sitz in Filderstadt wieder arbeitsreich: Die Luftretter wurden in diesem Zeitraum insgesamt 18 356 mal alarmiert, um schwer kranken oder verletzten Menschen schnellstmöglich und hochprofessionell medizinische Hilfe zu leisten.

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Dabei stieg in den vergangenen Wochen der Einsatz im Zuge von Badeunfällen an. Die Luftretter sind in diesen Fällen auch auf die Mithilfe der Badegäste angewiesen und appellieren daher an sie, das Wasser zügig zu verlassen, wenn sich ein Hubschrauber nähert.

Der in Leonberg stationierte Hubschrauber der DRF Luftrettung „Christoph 41“ leistete im ersten Halbjahr insgesamt 476 Einsätze, davon 425 in der Notfallrettung und 51 für den Transport kritisch kranker oder verletzter Patienten zwischen verschiedener Kliniken. Die acht in Baden-Württemberg stationierten Hubschrauber der DRF Luftrettung wurden in den ersten sechs Monaten zusammen 4 483 mal alarmiert.

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Seit nunmehr 35 Jahren ist der am Leonberger Krankenhaus stationierte Hubschrauber der DRF Luftrettung im Einsatz. Dies wird an diesem Freitag in einer kleinen Feierstunde mit Vertretern aus der Landes- und Kommunalpolitik unter den gegebenen Corona-Regeln gewürdigt. Ob und wie lange das Team dort noch stationiert sein wird, ist noch immer unklar.

Im vergangenen Jahr hatte das Innenministerium ein Strukturgutachten Luftrettung in Auftrag gegeben. Dort wird vorgeschlagen, die Station des Rettungshelikopters Christoph 41 von Leonberg in den Bereich von Tübingen zu verlegen, um auch bisher mangelhaft abgedeckte Gebiete auf der Schwäbischen Alb besser versorgen zu können.

Was bedeutet eine Verlagerung für den Standort?

Der Böblinger Landrat Roland Bernhard hatte auf das in Auftrag gegebene Strukturgutachten Anfang April mit einem Schreiben an den Innenminister Thomas Strobl reagiert und darin gefordert, dass eine Verschlechterung für die Region damit nicht verbunden sein dürfe. Der Forderung mancher Kommunalpolitiker einer Verlegung deutlich südlicher der Linie Tübingen-Reutlingen müsse definitiv eine Absage erteilt werden, so der Landrat.

Sollte der Standort des Rettungshubschraubers irgendwann in Zukunft verlagert werden, hätte das direkte Auswirkungen auf die Attraktivität des Klinikstandortes Leonberg. In Zeiten, in denen die Gewinnung von Fachpersonal extrem schwierig geworden sei, seien es häufig erweiterte Optionen – wie Notarztdienste im Hubschrauber auf kurzem Wege –, die eine Entscheidung für beziehungsweise gegen eine Zusage beeinflussten. In der Antwort aus dem Ministerium hieß es, dass in jedem Fall mit einem mehrjährigen Verfahren zu rechnen sei.

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Am häufigsten versorgte die DRF Luftrettung bei Notfalleinsätzen im ersten Halbjahr Patienten mit Herzerkrankungen (20 Prozent), wie zum Beispiel Herzinfarkte oder neurologische Vorfälle (17 Prozent). Es folgen mit elf Prozent Unfallopfer durch (Ab-)Stürze und mit zehn Prozent durch Verkehrsunfälle.

Besonders bei Notfalleinsätzen sind die Luftretter oftmals unschlagbar schnell: Innerhalb von 15 Flugminuten erreichen sie Einsatzorte in einem Radius von 60 Kilometern. In der Nacht waren die Crews der bundesweit elf 24-Stunden-Stationen ebenfalls gefordert: Rund 20 Prozent ihrer Einsätze führten die Luftretter hier im ersten Halbjahr während der Nachtstunden durch.

Bereits vor Jahren hat die Luftrettungsorganisation spezielle Verfahren für den Anflug bei Nacht entwickelt. Das Konzept umfasst unter anderem den Einsatz von zwei Piloten mit Instrumentenflugberechtigung sowie von Nachtsichtbrillen.

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