Christian Walter im Interview „Da habe ich gemerkt: Hoppla, es kann klappen“

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Christian Walter sucht jetzt eine Wohnung in Weil der Stadt. Foto: factum/Simon Granville

Weil der Stadt - Es ist der Tag danach: Christian Walter kommt noch einmal nach Weil der Stadt, um den Wahlkampf zu reflektieren. Bevor es für ihn nun endlich in den Urlaub geht, spricht er über seinen Sieg bei der Bürgermeisterwahl in der Keplerstadt. Zum Beispiel, dass er anfangs selbst nicht an den Erfolg geglaubt hatte.

Herr Walter, Glückwunsch zur Wahl! Haben Sie noch schön gefeiert?

Wir haben herzlich gefeiert, im netten, kleinen Rahmen. Unterstützer, Familie und Freunde waren dabei, auch Gäste aus dem Landtag und dem Bundestag. Ich werde aber für meine Unterstützer noch ein Helferfest veranstalten.

Hat schon jemand ausprobiert, ob Sie auf die Anrede „Herr Bürgermeister“ reagieren?

Nein, bis jetzt noch nicht. Ich bin es ja auch noch nicht, muss mich aber wohl bald daran gewöhnen.

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Seit wann im Wahlkampf haben Sie daran geglaubt, dass es wirklich klappt?

Seit meinem Spaziergang in Merklingen. Auf einmal standen da knapp hundert Leute zusammen. Da habe ich gemerkt: Hoppla, auch Ältere sind offen für einen jungen Kandidaten – sie sind zwar kritisch, lassen sich aber auch überzeugen. Mir ist dann bewusst geworden: Es ist eine Aufgeschlossenheit da und ich erreiche viele Leute vor Ort.

Mit welchem Gefühl sind Sie am Anfang in den Wahlkampf gestartet?

Ich habe natürlich kandidiert, um zu gewinnen. Ich selbst habe für mich aber eher eine Außenseiter-Chance gesehen, weil es mit Herrn Katz einen sehr starken Kandidaten aus dem Ort gab.

Das heißt, als Sie Ihren Hut in den Ring geworfen haben, wussten Sie: Bürgermeister Thilo Schreiber tritt nicht mehr an, dafür aber sein Beigeordneter Katz?

Genau! Gegen Herrn Schreiber hätte ich nicht kandidiert. Aus vielen Ecken habe ich gehört, dass er sehr beliebt war und viele seine acht Jahre in Weil der Stadt sehr gut fanden.

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Warum hat sich das Blatt dann zu Ihren Gunsten gewendet?

Dass ich bei der jüngeren Zielgruppe punkten würde, hatte ich erwartet. Da hilft heute auch der Social-Media-Wahlkampf. Die große Unbekannte war: Wie erreiche ich – unter Corona-Bedingungen – die Älteren? Richtig froh war ich deshalb, dass auch diese Bevölkerungsgruppe auf den Marktplatz und zu meinen Spaziergängen gekommen ist. Ich glaube, ich habe mit meiner integren Persönlichkeit und mit meiner Authentizität gepunktet.

Gab es also eine Wechselstimmung?

Das ist nicht mein Lieblingswort. Es gibt jetzt zwar einen personellen Wechsel, inhaltlich aber führe ich natürlich viele Projekte fort. Ich würde eher sagen: Vielen sind meine Themen, also Nachhaltigkeit und eine moderne Bürgerbeteiligung, wichtig – das traut man mir zu.

Sie haben dann einen fehlerlosen Wahlkampf hingelegt. Wer hat Sie beraten?

Ich hatte keinen professionellen Berater, keine Agentur. Ich hatte viele Unterstützer in meinem Umfeld. Ein Bekannter hat mir bei der Homepage geholfen, ein anderer Bekannter mit den Flyern. Aber niemand hat das gegen Geld getan.

Und hier, in Weil der Stadt?

Mit den Grünen habe ich eng zusammengearbeitet und mir viel Input geholt. Aber auch aus der Bevölkerung habe ich viele Anregungen bekommen. Bei all den Terminen haben wir über viele Probleme und Themen diskutiert.

War der Wahlkampf fair?

Ja, sehr. Bis auf einzelne Ausrutscher aus dem persönlichen Umfeld von Kandidaten, wo man sich fragen muss, ob so etwas der Würde des Amtes gerecht wird.

Sie meinen die Ehefrau des Kandidaten Alexander Schopf, die Ihnen in einem beleidigenden Ton vorgeworfen hat, trotz Lehrermangel den Lehrerberuf verlassen zu wollen.

Solche substanzlosen Vorwürfe in der Öffentlichkeit zu platzieren und dann zu meinen, durch Löschen des Posts das rückgängig machen zu können – das ist unprofessionell. Ich denke, das Wahlergebnis hat gezeigt, wie so was ankommt.

„Gute Wahlbeteiligung im zweiten Wahlgang“

Sie haben jetzt eine starke Mehrheit bekommen, aber nur die Hälfte der Weil der Städter ist im zweiten Wahlgang zur Wahl gegangen. Wie wollen Sie die andere Hälfte von sich überzeugen?

Ich denke, knapp 50 Prozent sind eine gute Wahlbeteiligung – für einen zweiten Wahlgang mitten in den Ferien mit einem absehbaren Ergebnis. Das ist ein starker Rückenwind für das Amt! Aber ich habe auch schon in den letzten zwei Wochen versucht, gezielt auf meine Kritiker zuzugehen. Das werde ich auch in Zukunft tun. Ich möchte Bürgermeister von allen sein.

Mischt sich in die Freude über den Sieg auch Furcht und Angst vor dem Amt?

Frucht und Angst würde ich es nicht nennen, aber Respekt und Demut. Das Amt ist kein Selbstläufer, klar. Ich habe jetzt noch zehn Wochen Zeit, um mich auf die kommenden Themen vorzubereiten. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es auf das Duo an der Spitze ankommen wird.

Mit dem Duo meinen Sie Ihre Zusammenarbeit mit dem Beigeordneten Jürgen Katz. Hatten Sie seit der Wahl am 2. August nochmals Kontakt mit ihm?

Ja, ich habe ihm ein persönliches Gespräch angeboten. Das führen wir bald.

Sie haben immer betont, Sie würden Herrn Katz gern halten. Er selbst lässt sich das bislang offen. Wenn er sich doch dagegen entscheidet: Was dann?

Dann müssen wir damit professionell umgehen und eine neue Beigeordnete oder einen neuen Beigeordneten suchen. Im Idealfall ist das wieder ein Experte für Bauen und Stadtplanung, weil ich die jetzige Ämteraufteilung für gut halte. Klar ist, dass ich es bedauern würde, wenn Herr Katz geht, denn das wäre bei den laufenden Projekten sicherlich ein Bruch.

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