Charity Bike Cup Der letzte Platz als Erfolgsgeschichte

Von Carsten Meyer
Das berühmt berüchtigte schwarze Trikot: Patrick und Heinz Betz (von links). Foto: privat

Es gibt ja Menschen, die mit ihren Erledigungen immer bis auf den letzten Drücker warten. Sollten darunter auch Hobby-Radsportler sein, die am 3. Oktober beim Lila Logistik Charity Bike Cup in Heimerdingen starten wollen, dann ist es ratsam, diese Gewohnheiten zumindest in diesem Fall zu überdenken.

1100 Startplätze gibt es, über 1000 Anmeldungen sind schon eingegangen. Eine Online-Anmeldung auf der Homepage (www.charity-bike-cup.de) ist noch bis 30. September möglich – zumindest, so lange es noch Plätze gibt. Patrick Betz vom Veranstalter Radsportakademie frohlockt: „Wir gehen davon aus, dass wir in diesem Jahr ausverkauft sein werden.“

Strampeln mit Richy Müller und Guido Buchwald

Ihre Plätze sicher haben die vielen Stars, die mit den Hobby-Radsportlern als Teamkapitäne auf die Strecke gehen werden. Unter anderen dabei sind Guido Buchwald (Fußball-Weltmeister), Richy Müller (Tatort-Kommissar), Didi Thurau (Radsport-Legende), Alexander Herr (Skisprung-Weltmeister), Simone Hauswald (Biathlon-Weltmeisterin, Olympia-Bronzemedaillen-Gewinnerin), Peter Freudenthaler (Sänger Fools Garden) und Uwe Rohde (Schauspieler) – um nur mal ein paar zu nennen.

Keine Plätze mehr gibt es im Team Maglia Nera mit Extremsportler Guido Kunze als Kapitän. Maglia Nera ist ein Herzensprojekt des Veranstalters Radsportakademie, ins Leben gerufen vor einem Jahr. Kurz zuvor hatte Patrick Betz die Geschäfte von seinem Vater Heinz übernommen. Seitdem ist die Radsportakademie keine normale Firma mehr, sondern eine gemeinnützige Einrichtung. „Ich habe schon früh gemerkt, dass es mir ein größeres Glücksgefühl gibt, Menschen zu helfen als fünf Euro mehr auf dem Konto zu haben“, sagt Patrick Betz.

Über eine halbe Million Euro für Kinder in Not

Ein Unterfangen, das die volle Unterstützung von seinem Vater Heinz Betz hat. Denn geholfen hat die Radsportakademie schon immer, vor allem mit dem Charity Bike Cup. In den vergangenen 15 Jahren kamen 568 000 Euro für Kinder in Not zusammen. Mit Maglia Nera sollen nun radsportbegeisterte Kids unterstützt werden, die gerne im Verein fahren würden – sich aber kein Rennrad leisten können. Ihnen stellt Maglia Nera das nötige Material kostenlos zur Verfügung.

Finanziert wird das Ganze über Spenden und den Verkauf von Radsportbekleidung, Kaffee und Nudeln im Online-Shop (www.maglia-nera.de) und in ausgewählten Supermärkten. Die Resonanz: überwältigend. Der Renner: Pasta di Gruppetto.

Erster Start beim Giro D’Italia

Gruppetto – das ist jenes Grüppchen, dass es nie ins Fernsehen schafft und in den Ergebnislisten so weit hinten steht, dass es nur noch ausgewiesene Kenner finden. Das darum kämpft, ins Ziel zu kommen und nicht aussteigen zu müssen.

Ein Gefühl, das Heinz Betz 1980 beim Giro d’Italia besser kennengelernt hat, als ihm recht war. Es war seine erste große Landes-Rundfahrt. Aber statt für Furore zu sorgen, lag er jeden Abend völlig ausgepumpt auf seinem Hotelbett und wusste nicht, was mehr schmerzte: die Beine oder die Rennfahrerseele.

Denn Heinz Betz trieb das Feld tagtäglich konsequent vor sich her. Und da der Letzte der Gesamtwertung ein schwarzes Trikot, das berühmt berüchtigte Maglia Nera, trug, blieb die Platzierung dem Rest der Welt auch nicht gerade verborgen. Dabei hätte Heinz Betz am liebsten eine Tarnkappe getragen: „Ich dachte nur: Jetzt sieht auch jeder von Weitem wie schlecht ich bin.“ So wie das Rosa Trikot des Gesamtführenden des Giro das Gegenteil bewirkt.

Aufmunterung statt Hohn und Spott

Doch statt Hohn und Spott erntete Heinz Betz Aufmunterung und Respekt für sein Durchhaltevermögen und seinen Kampfeswillen. „Das hat mich sehr bewegt.“

Und es hat ihm gezeigt, dass sich Durchhalten lohnt. Dass Aufgeben keine Option ist. So wie es der große Giro-Sieger Gino Bartali einst sagte: „Schwarzes Trikot im Radsport, Rosa Trikot im Leben.“ Eine Erfahrung, die das weitere Leben von Heinz Betz geprägt hat. Und die er nun zusammen mit seinem Sohn weitergeben möchte. An jene, die Hilfe wirklich nötig haben.

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