Cello-Akademie Rutesheim Ohne Gastfamilien geht nichts

Von Gabriele Metsker
Die Schottin Hattie McGregor (links) und die Italienerin Elena Ben (Mitte) mit ihren Gastgebern Juliette und SImon Granville. Foto: /Jürgen Bach

Jedes Jahr prägen Cellokästen eine Woche lang das Straßenbild von Rutesheim – immer dann, wenn Studierende und Lehrende aus aller Welt zur Cello-Akademie anreisen, um das Cello-Universum gemeinsam weiter zu erforschen und ein Stück weiterzubringen. Noch niemals waren dafür Hotelbetten notwendig, denn von Anbeginn sind es die Menschen in Rutesheim gewesen, welche die Teilnehmenden bei sich aufgenommen haben – das ist Teil des Konzeptes des Gründers und Festivalleiters Matthias Trück. Dieses Jahr gehören auch Simon Granville und seine Frau Juliette zu den Gastgebenden.

Als Fotograf unserer Zeitung hat Simon Granville das Werden und Wachsen der Akademie von Anfang an verfolgt. „Ich meine sogar, dass ich Porträtfotos von Matthias Trück und seinen Mitstreitern gemacht habe, als sie gegründet wurde“, erzählt er. Viele der Konzerte hat er als Mann mit der Kamera erlebt.

Umzug nach Rutesheim macht es möglich

Doch dieses Jahr ist alles anders. Der Grund dafür ist einfach: „Wir sind vor 15 Monaten von Heimsheim nach Rutesheim gezogen“, erzählt der sympathische Engländer. Heimsheim wäre für die Studierenden keine attraktive Adresse gewesen – mit Cellokasten und öffentlichen Verkehrsmitteln einfach zu umständlich zu erreichen. Das ist nun aber kein Problem mehr. Über eine Nachbarin, die ebenfalls Gastgeberin ist, erfuhr Simon Granville alles Wesentliche und meldete sich dann direkt bei der Mutter von Matthias Trück, Gabriele Trück, die von Anfang an unter anderem die Unterkünfte organisiert hat.

Simon und seine ebenfalls aus England stammende Frau Juliette lieben es, Gäste zu haben. Dass sie darüber hinaus beide naturgemäß perfekt Englisch sprechen, macht sie gewissermaßen zu idealen Herbergseltern – ist doch die Schar der Studierenden international und Englisch oft die einzige Möglichkeit zur Verständigung mit Worten. „Ich bin aber auch viel gereist und konnte die Sprache nicht“, sagt Granville und lacht. „Man kann auch einfach zeigen, wo Brot und Butter stehen.“

Viele Stunden am Tag wird geprobt

Zwei Zimmer werden nun während der Akademiewoche bewohnt: von der 19-jährigen Hattie McGregor aus Schottland und der 23-jährigen Elena Ben aus Italien – sie studieren bei Claudio Bohórquez und Sebastian Klinger. Beide haben einen eigenen Hausschlüssel bekommen, dürfen essen, was sie mögen – und wenn sie sich etwas wünschen, haben Simon und Juliette stets ein offenes Ohr. Dass beide proben, mitunter mehrere Stunden am Tag und an verschiedenen Stücken, ist für die Gastgebenden ein Genuss. Ein Gästezimmer sei im ersten Stock, das andere im Untergeschoss, erzählt der Fotograf.

Wenn er selbst dann im Wohnzimmer in Erdgeschoss sitze, freue er sich einfach am wunderbaren Celloton sagt er lächelnd. Den liebt er selbst dann, wenn es kompositorisch auch mal ein wenig durcheinandergeht. „Die beiden sind so unglaublich talentiert!“ Hattie arbeitet an den Paganini-Variationen und einem Stück von Francis Poulenc, Elena an einer Sonate von César Franck und einem Werk von Johann Sebastian Bach.

In Rutesheim willkommen gefühlt

Sie finden es richtig schön, in einer Familie zu wohnen. Inspirierend sei die Akademiewoche, sagen sie übereinstimmend – und dass sie hier ihr Spiel wirklich verbessern können. Begeistert ist Elena auch von der Saitenberatung. Dass man sich in Rutesheim sehr willkommen fühlt und alles so entspannt abläuft, schätzen beide sehr. Durch ihr gemeinsames Basislager im Hause Granville sind sie außerdem inzwischen Freundinnen geworden. Zweimal haben sie schon gemeinsam mit Juliette und Simon zu Abend gegessen.

Am Donnerstag waren sie gemeinsam beim Konzert und danach zum Empfang eingeladen. Aber das wird nicht das einzige Konzert sein, das die Granvilles besuchen. Die Liebe zur Musik hat der Engländer aus seinem Elternhaus mitgenommen, wo neben Frank Sinatra und Mike Oldfield auch jede Menge Jazz und Klassik gehört wurde.

Ein kleiner Teil einer später vielleicht großen Geschichte

Schön ist an der ganzen Geschichte, dass Simon und Juliette Granville erst vor acht Wochen geheiratet haben. Doch, in den Flitterwochen waren sie schon, aber direkt danach haben sie sich als Herbergseltern gemeldet. Angst, dass etwas schiefgehen könnte, hatten sie keine.

„Wir waren sicher, dass der Blick der jungen Leute in Richtung Akademie gehen wird und nicht in Richtung Kneipenlandschaft“, sagt Simon Granville und schmunzelt. „Und wenn sie in 25 Jahren ganz oben sind, erinnern sie sich vielleicht an die Woche in Rutesheim – und dann sind wir auch ein kleiner Teil der Geschichte.“

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