Cello-Akademie Rutesheim Drei Wochen ohne Cello? Kaum auszuhalten

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Samuel Weilacher sagt über sich: „Ich bin generell ziemlich aufgeschlossen.“ Foto: privat

Rutesheim - Wenn Samuel Weilacher und Thomas Prechal am Samstag beim Abschlusskonzert der ­Cello Akademie Rutesheim eine Uraufführung spielen, wird das nicht die erste sein, die es in diesem Rahmen gegeben hat. Und es wird an diesem Abend auch nicht die Einzige sein. Trotzdem ist es etwas ­Besonderes. Denn es sind erstmals Studenten, die ein nagelneues Musikwerk so der Öffentlichkeit präsentieren – und die Komposition „Symbiosis für 2 Celli und Streichorchester“ stammt aus der Feder des erst 14-jährigen Niederländers Thomas Prechal.

Begegnung im echten Leben

Samuel Weilacher, der „Symbiosis“ zusammen mit dem jungen Komponisten spielen wird, kommt aus Stuttgart. Er hat schon Uraufführungen gemacht, allerdings nur im Ensemble. Solistisch ist dieser Auftritt auch für ihn eine Premiere. Er ist gespannt und voller Vorfreude, zumal er und Prechal sich bislang nur über ­E-Mail kennengelernt haben. Auf dem Campus in Rutesheim hat nun ihre erste „echte“ Begegnung stattgefunden. Beide haben aus ihrem Meisterkurs-Kontingent jeweils eine Unterrichtseinheit dafür eingesetzt, damit sie gemeinsam bei ihrem Dozenten Wen-Sinn Yang daran arbeiten können. Mit dem Stuttgarter Kammer­orchester wird es sicherlich nicht viele Proben geben. Ob die Zusage, ein bislang noch ungespieltes Werk aufzuführen, für ihn nicht ein Wagnis gewesen sei? „Ich bin generell ziemlich aufgeschlossen“, sagt ­Samuel Weilacher und lächelt schelmisch. Außerdem habe Festivalleiter Matthias Trück, der ihm das Werk vorgeschlagen habe, ihm versichert, dass das Werk nicht nur interessant, sondern auch melodiös sei. „Es ist schon beim ersten Hören gut nachzuvollziehen, und man versteht es schnell“, so Samuel Weilacher.

Höchste Punktzahl

Bei der Cello Akademie hat er schon einmal mitgewirkt – allerdings nicht als Student. Seinen ersten Auftritt in Rutesheim hatte er 2014, als Festivalleiter Matthias Trück ihn beim Vorspiel im Rahmen des Bundeswettbewerbs von Jugend Musiziert in Stuttgart gehört und vom Fleck weg aufs Konzertpodium der Akademie eingeladen hatte. Weilacher hatte damals mit seiner Duo-Partnerin die Höchstpunktzahl erreicht. Heute spielt er als ­Solo-Cellist beim Bundesjugendorchester.

Wer ihm gegenübersitzt, würde das ­zunächst vielleicht gar nicht vermuten. Denn der 18-Jährige gibt sich so natürlich und humorvoll, als sei all das die normalste Sache der Welt. Seit zwei Jahren schon studiert er an der Musikhochschule in Trossingen, und er liebt sein Cello über alles. Als sein Professor ihm in der Sommerpause drei Wochen Cello-Abstinenz verordnet habe, sei das am Anfang fast wie eine Art Entzug gewesen, sagt der sympathische junge Mann mit dem Lockenschopf. Und er habe danach sein Cello wieder ganz neu kennenlernen müssen. Aber genau das, so beschreibt er, habe ihn ein gutes Stück weitergebracht. Sechs Stunden Übezeit pro Tag sind für ihn die Regel. Trotz des Studiums findet er dennoch immer genügend Zeit, auch mit Freunden etwas zu unternehmen. Er ist auch neugierig auf die Welt außerhalb des Cellos. „Es gibt so viel Schönes!“, sagt er mit blitzenden Augen und lacht. Wenn er sich etwas wünschen dürfte, würde er ­später am liebsten einmal als Solo-Cellist bei den Berliner Philharmonikern spielen verrät er. Und noch ein Geheimnis verrät er verschmitzt: Wenn’s mit dem Cello nichts geworden wäre, hätte er sich auch vorstellen können, Pilot zu werden.

„Beeindruckend, faszinierend“

Für Festivalleiter Matthias Trück ist diese Uraufführung auch ein besonderer Moment. „Symbiosis“ ist das erste Auftragswerk, das ein Student geschrieben hat. „Ich habe mir etwas für Streichorchester gewünscht. Thomas Prechal hat es geschrieben und uns auch gewidmet“, freut er sich. Prechal ist schon als 13-Jähriger Teilnehmer vergangenes Jahr Teilnehmer der Akademie gewesen. „Das war ein ­beeindruckender Auftritt“, erinnert sich Trück. „Ich finde ihn faszinierend. Bei ihm kommt viel zusammen, das man in dieser Form nur selten findet.“

Die beiden jungen Männer werden nicht die einzigen sein, die eine Uraufführung mitbringen. Die 25-jährige Engländerin Sarah Gait stellt ihre eigene Komposition „Coronach“ vor. Und noch weitere, selten gespielte musikalische Genüsse stehen auf dem Programm: ein Arrangement der „5 Morceaux de Fantaisie (op. 3)“ von Sergej Rachmaninow, die Trauermusik von Paul Hindemith, die bislang in Rutesheim noch nicht zu hören war sowie Sätze aus den bekannten Cellokonzerten von Joseph Haydn, zu denen die Studenten jedoch eigene Kadenzen im Gepäck haben.

Was, wann, wo

Das Abschlusskonzert der Studenten mit dem Stuttgarter Kammerorchester unter Leitung von Olivier Pols ist am Samstag, 2. November, um 20 Uhr in der Halle Bühl 2. Kartentelefon: 0 71 52 / 3 19 54 77.

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