Buslinie nach Schwieberdingen Trotz Kontaktsperre: Fahrgäste dicht an dicht

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Momentaufnahme aus dem Bus der Linie 501 am Mittwoch auf der Fahrt von Korntal nach Schwieberdingen. Foto: privat

Kreis Ludwigsburg - Als Stefan Schmidt (Name geändert) am Mittwochfrüh in Korntal den Bus der Linie 501 bestieg, war er erst überrascht, dann verärgert. Die Fahrgäste standen eng nebeneinander. Sitzplätze Fehlanzeige, die Passagiere füllten auch den Gang. Der wegen der Virus-Pandemie vorgegebene Sicherheitsabstand war nicht einzuhalten, wollte man nicht eine halbe Stunde auf den nächsten Bus warten.

Schmidt, der anonym bleiben möchte, hat für diese Situation in der Corona-Krise kein Verständnis, er hält sie für inakzeptabel. Es sei „vollkommen daneben“, dass die Passagiere so dicht gedrängt stünden, „dass sie sich gegenseitig auf den Fuß treten“. Manche Mitfahrer hätten Atemschutzmasken getragen, manche nicht, eine Frau habe gar angsterfüllt geschaut. Normalerweise, erzählt der Physiker, nutze er die Strohgäubahn. „Sie ist relativ leer.“ Ebenso problemlos sei auch die Fahrt mit der S-Bahn. An diesem Morgen aber hatte die S-Bahn aber so viel Verspätung, dass das Bähnle abgefahren war. Der 54-Jährige war auf den Bus angewiesen, um an seinen Arbeitsplatz in Schwieberdingen zu gelangen.

Von Freitag an fährt ein Bus mehr

Die Linie 501 wird vom Unternehmen Omnibus-Verkehr Ruoff (OVR) bedient, das einen Standort in Hemmingen hat. Auf Anfrage unserer Zeitung teilt die OVR mit, dass man „selbstverständlich“ versuche, mit verschiedenen Maßnahmen das Einhalten der Abstandsregeln zu gewährleisten. Gleichwohl verweist das Busunternehmen auf Empfehlungen des Verkehrsministeriums: Demnach sollen Fahrgäste im Zweifel die nächste Fahrt nutzen.

Zudem kündigte die OVR an, besagte Linie von diesem Freitag an mit einem weiteren Bus zu verstärken, bevor generell von Montag an das Angebot im gesamten Verbund hochgefahren werde. Busse und Bahnen fahren dann also wieder häufiger. Das Landratsamt in Ludwigsburg bestätigt beide Aussagen der OVR. Seit Beginn der Beschränkungen im ÖPNV seien laut der Behörde sehr wenige Beschwerden bei den Verkehrsunternehmen, dem VVS oder dem Landkreis eingegangen. Dies liege auch darin begründet, dass mit den Unternehmen vereinbart sei, die Besetzung der Fahrzeuge kontinuierlich zu überprüfen und bei Bedarf nachzusteuern.

Kommunen mit begrenztem Einfluss

So läuft das auch bei der OVR. „Wir beobachten die aktuelle Lage und damit auch das Fahrgastaufkommen. Sobald ein erhöhter Bedarf festgestellt wird, reagieren wir umgehend.“ Die fortlaufende Auswertung habe ergeben, dass im Gewerbegebiet gerade in der vergangenen Woche wieder verstärkt Fahrgäste die Busse genutzt hätten. „Daraufhin haben wir sofort reagiert und den Takt erhöht und weitere Fahrzeuge eingesetzt.“ Man gehe davon aus, „dass wir auch künftig auf eine steigende Nachfrage gut vorbereitet sind“.

Die Kommunen haben auf die Busunternehmen nur begrenzt Einfluss. Carry Buchholz, Geschäftsführerin von LVL Jäger, erwartet, dass von Montag an auch in den Bussen in Ludwigsburg und Kornwestheim wieder mehr los sein wird. In den vergangenen Wochen habe sich alles „im Rahmen“ bewegt. Lediglich vier Fahrgäste meldeten sich beim Unternehmen und beanstandeten, dass zu viel los sei.

Mund-Nasen-Schutz wird empfohlen

In Abstimmung mit der Stadt wurde beschlossen, am Bahnhof in Kornwestheim, am Busbahnhof in Ludwigsburg, am Arsenalplatz sowie am Rathaus, wo die meisten Busse vorbeifahren, Personal abzustellen, um die Fahrgäste zu zählen. Außerdem befragte Jäger die Fahrer. Auch die hätten nicht den Eindruck gehabt, dass sie zu viele Fahrgäste auf einmal befördern würden, so Buchholz. „Wir hatten zunächst angedacht, die Zahl derjenigen, die einsteigen dürfen, zu beschränken“, sagt Bürgermeister Michael Ilk. Davon sei man aber relativ schnell wieder abgerückt. Er kann zwar nicht ausschließen, dass in einzelnen Fällen Busse zu voll waren, insgesamt hätten sich die Probleme in Ludwigsburg im Rahmen gehalten.

Beschwerden leite man an die Kreisbehörde weiter, heißt es aus Korntal-Münchingen, wo die Linie 501 durchfährt. „Nach unserer Kenntnis handelt es sich nur um Einzelfälle“, sagt der Bürgermeister Joachim Wolf (parteilos). Im Moment blieben lediglich Appelle. „An die betroffenen Verkehrsunternehmen, trotz der auch dort oft sehr schwierigen Rahmenbedingungen für ausreichende Kapazitäten zu sorgen – und an die Fahrgäste, durch Tragen eines Mundschutzes andere Fahrgäste und damit in Gänze auch sich selbst bestmöglich vor Ansteckung zu schützen.“ Zu einem Mund-Nasen-Schutz im ÖPNV rät auch der Hemminger Rathauschef Thomas Schäfer (CDU).

Informationen an Haltestellen

Schwieberdingen steht nach eigenen Angaben in regelmäßigem Kontakt zu den Busunternehmen – und gibt Hinweise aus der Bürgerschaft gezielt an die Busunternehmen weiter, sagt Florian Bausch vom Hauptamt. Die Gemeinde habe etwa beim Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) mit Erfolg angeregt, auf den dynamischen Fahrgastinformationen an den Haltestellen eine Meldung aufzuspielen, wonach von den Wartenden der nötige Mindestabstand einzuhalten sei.

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