Bundestagswahl im Altkreis Das sagen die Kommunalpolitiker

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Ob sich eine Ampel- oder Jamaika-Koalition im Bundestag bildet, entscheidet sich bei den Verhandlungen in den kommenden Wochen. Die Meinungen der Kommunalpolitiker im Altkreis Leonberg sind unterschiedlich. Foto: dpa/Fabian Sommer

Altkreis Leonberg - „Dass ich das noch erleben darf!“ Ottmar Pfitzenmaier, der Chef der SPD-Fraktion im Leonberger Gemeinderat, ist auch am Tag danach sprachlos über den Sieg seiner Partei. „Noch vor wenigen Wochen hätte ich das so nicht erwartet.“ Dass es nun auf eine Ampel hinausläuft, liegt für ihn auf der Hand. „Es wäre eine Frage des Stils, würde Armin Laschet der SPD den Vortritt lassen.“ Hart würden die Verhandlungen auf jeden Fall, gebe es doch gerade mit der FDP inhaltliche Dissonanzen.

Ähnlich geht es Tommy Scheeff. „Ich dachte schon, dass es an mir liegt: Seit ich in der SPD bin, hat sie noch keine Wahl gewonnen.“ Der Chef des Rutesheimer SPD-Ortsvereins hat den Eindruck, dass sich Deutschland einen sachlichen Kanzler wünsche und dafür stehe Olaf Scholz.

„Endlich sind wir aus der Talfahrt heraus und können uns über ein positives Ergebnis freuen“, sagt Jan Hambach von der SPD Renningen. Die Persönlichkeitswerte von Olaf Scholz hätten die Wähler überzeugt und deshalb liege es an ihm, die Regierung aufzubauen. „Die Ampel hat in der Bevölkerung den größten Rückhalt und die Kompetenz, die zentralen Herausforderungen der nächsten Jahre zu schaffen“, sagt Hambach.

Leicht zwiespältige Gefühle hat Bernd Murschel: „Einerseits ist das Ergebnis mit fast sechs Prozent Zuwachs sensationell“, meint der Leonberger Grünen-Fraktionsvorsitzende. „Andererseits sind wir mit einem anderen Gefühl in die Wahl gegangen.“ Für Murschel hat nun die SPD „das Heft des Handelns“ in der Hand. Dass seine Partei mit der FDP vorab sondieren will, sei „der richtige Ansatz“.

Gemischte Gefühle bei CDU und Grünen

Ähnlich fällt die Analyse von Fritz Schlicher aus: „Das Erreichte ist gut, wir stehen dort wo wir hingehören“, sagt der Fraktionsvorsitzende der Grünen in Rutesheim. Die Partei habe ihr Ergebnis verbessert, aber die Früchte zu hoch gehängt. „Das Ergebnis ist bodenständig und richtig.“

In Ironie rettet sich Oliver Zander: „Das Ergebnis ist zwar schlechter als erwartet, aber nicht so schlecht wie befürchtet.“ Der Chef der Leonberger CDU setzt jetzt auf eine „starke FDP, um das Schlimmste von der Verbotspartei Grüne zu verhindern“. Den Anspruch von Olaf Scholz auf eine Regierungsbildung sieht Zander so nicht: „Bei der Landtagswahl 2011 hatte die CDU 39 Prozent, trotzdem haben Grüne und SPD koaliert.“ Für Elke Staubach, Vorsitzende der Leonberger CDU-Fraktion, ist nun zunächst die SPD am Zug: „Die Mehrheit der Bevölkerung sieht es so, und deshalb muss Scholz schauen, dass er ein Bündnis mit Grünen und FDP hinkriegt.“ Wenn dies nicht gelänge, könnte die Stunde der CDU schlagen, „gibt es doch zwischen FDP und uns deutlich mehr Schnittmengen“.

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Christina Almert richtet an ihre eigenen Partei deutliche Worte: „Die CDU muss in sich gehen, vieles überdenken und sich moderner für die Zukunft aufstellen“, sagt die Christdemokratin aus Rutesheim. Wofür die CDU stehe, komme nicht richtig herüber. Durch die vielen Personaldebatten sei das Parteiprogramm im Wahlkampf außen vor geblieben. „Mein Koalitionsfavorit ist Jamaika, damit die Wirtschaft auch mitgenommen wird“, sagt Almert. „Da hat die CDU immer noch die größte Kompetenz.“

Weitgehend zufrieden ist Hans Dieter Scheerer. „Zwar hätte ich mir im Bund mehr erhofft, aber im Landkreis und besonders in Leonberg sind wir sehr gut aufgestellt“, sagt der FDP-Kreisvorsitzende aus Weil der Stadt. „Wir sind die drittstärkste Kraft im Kreis und stabilisieren uns in Richtung 20 Prozent. Darauf sind wir stolz“. Persönlich zieht Scheerer ein Jamaika-Bündnis einer Ampel vor: „Die SPD besteht nicht nur aus Scholz, sondern auch aus Kühnert und Esken.“

Im dritten Anlauf Erfolg für SPD-Kandidat

Sozialdemokratische Zufriedenheit gibt es auch im Nachbarwahlkreis Ludwigsburg, zu dem die Strohgäu-Kommunen und Weissach gehören: „Alle guten Dinge sind drei“, sagt Wolfgang Stehmer zum Einzug des SPD-Kandidaten Macit Karaahmetoglu in den Bundestag. Zweimal hatte Karaahmetoglu kandidiert, zweimal war er gescheitert.

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Stehmer weiß, wovon er spricht, dem Hemminger Gemeinderat war erst im dritten Anlauf der Sprung in den Landtag geglückt. „Karaahmetoglu, der in Hemmingen aufgewachsen war, hat mit vielen Menschen innerhalb der SPD gewirkt“, erklärt Stehmer. Es sei eine Leistung gewesen, von Platz 14 auf der Landesliste in die Wahl gehen zu können. Erklären lasse sich das „klasse Ergebnis“ mit der Schwäche der CDU und mit dem eigenen Spitzenkandidaten Olaf Scholz. „Er hat eine ruhige Art. Mir persönlich ist er ein wenig zu ruhig“. Ob Scholz nun tatsächlich Kanzler wird, beantwortet er zurückhaltend: „Ich hoffe, dass es zu einer Regierung kommt.“

Parallele zur Bundestagswahl 1980

Diese Hoffnung hat auch Konrad Epple noch nicht aufgegeben, selbst wenn er über das Abschneiden seiner Partei sagt: „Berauschend ist das Ergebnis nicht.“ Der Ditzinger CDU-Chef und Landtagsabgeordnete verweist auf das Jahr 1980. CDU/CSU gingen damals als stärkste Kraft aus der Bundestagswahl hervor. Letztlich bildete aber die sozialliberale Koalition die Regierung. Jetzt komme es darauf an, wie sich die Sondierungen und mögliche Verhandlungen gestalten, so Epple. In Verhandlungen müsse man zwar auch eigene Positionen aufgeben, gleichwohl dürfe man die eigenen Wähler nicht vor den Kopf stoßen.

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