Bundesbank Steigende Risiken am Immobilienmarkt

Von Barbara Schäder
Von einer Blase am Immobilienmarkt will die Bundesbank noch nicht sprechen. Foto: dpa/Martin Schutt

Frankfurt - Die Kombination aus steigenden Hauspreisen und boomender Kreditvergabe bereitet der Bundesbank zunehmend Kopfschmerzen. „Risiken aus der Immobilienfinanzierung müssen begrenzt werden“, sagte die Vizepräsidentin der Notenbank, Claudia Buch, am Donnerstag bei der Vorstellung des jährlichen Finanzstabilitätsberichts. Konkret forderte sie strengere Eigenkapital-Anforderungen für Banken. „Jetzt ist die richtige Zeit für Prävention gegenüber zukünftigen Risiken.“

Von einer Blase am Immobilienmarkt würde sie zwar nicht sprechen, sagte die stellvertretende Bundesbankchefin. Doch die Preise lägen um zehn bis 30 Prozent „über dem Wert, der durch Fundamentaldaten gerechtfertigt ist“. Dies gelte „zunehmend auch außerhalb der Ballungsräume“. Da für den Kauf oder Bau von Eigenheimen immer höhere Summen aufgebracht werden müssen, stiegen die Kredite schon seit Jahren schneller als die Einkommen.

Obergrenzen für die Kreditvergabe lehnt die Bundesbank vorerst ab

Viele EU-Länder haben auf ähnliche Entwicklungen mit Obergrenzen für die Vergabe von Immobiliendarlehen reagiert. Sie beziehen sich beispielsweise auf das Verhältnis der Darlehenssumme zum Wert der Immobilie. In Deutschland sieht die Bundesbank den Zeitpunkt für derartige Einschränkungen noch nicht gekommen: Sie wären „ein erheblicher Eingriff in die Vertragsfreiheit“, sagte der für die Bankenaufsicht zuständige Vorstand Joachim Wuermeling.

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Stattdessen setzt die Bundesbank auf ein Mittel, das Risiken für die Finanzstabilität insgesamt begrenzen soll: Den Aufbau eines Sicherheitspolsters, das die Banken auf ihre bestehenden Eigenkapitalpuffer draufsatteln müssten. Der Aufbau eines solchen „antizyklischen Kapitalpuffers“ war von der Finanzaufsicht Bafin bereits 2019 angeordnet, bei Ausbruch der Coronapandemie aber ausgesetzt worden, um eine Einschränkung der Kreditvergabe in der Krise zu vermeiden.

Nach Einschätzung der Bundesbank wäre jetzt eine Reaktivierung des Puffers angezeigt. Obwohl die Pandemie noch nicht ausgestanden ist, sieht sie die Wirtschaft weiter auf Erholungskurs. Zwar belasteten die Lieferengpässe einzelne Branchen, „grundsätzlich bleiben die wirtschaftlichen Aussichten aber positiv“.

Auch ein schneller Zinsanstieg wäre gefährlich

Obendrein sei die befürchtete Zunahme von Unternehmenspleiten ausgeblieben, sagte Buch. „Wir können hier aktuell Entwarnung geben.“

Umfangreiche Staatshilfen und die niedrigen Zinsen hätten eine tiefere Krise verhindert. „Nahezu alle Branchen können sich aktuell günstiger finanzieren als noch vor zwei Jahren.“ Buch fürchtet indes, dass die Gesellschaft daraus die falschen Lehren ziehen könnte: „Gerade weil wir vergleichsweise gut durch die Krise gekommen sind, können Risiken unterschätzt werden.“

Eines dieser Risiken besteht in dem Szenario, dass die Notenbanken wider Erwarten abrupt die Zinsen erhöhen. Dazu könnte es kommen, wenn die Inflationsrate länger steigen sollte als erwartet. Zwar haben die meisten Immobilienkredite mittlerweile eine Zinsbindungsfrist von mehr als zehn Jahren, die Darlehensnehmer wären von einer Zinserhöhung also nicht unmittelbar betroffen. Umso schmerzhafter wäre sie aber für die Banken: Sie erhielten weiter niedrige Zinseinnahmen, müssten für ihre Refinanzierung aber höhere Zinsen aufbringen.

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