BUND Weissach Seit 30 Jahren hat die Natur eine Stimme

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Feiern Jubiläum: Jörg Herter, Birgit Clauß, Marianne Wacker und Doris Schmidt-Welker. Foto: factum/Bach Foto:  

Weissach - Gülle in einer Hecke? Das ist doch nicht erlaubt, denkt sich Doris Schmidt-Welker. Und protestiert beim Weissacher Rathaus, als sie das bei einem Spaziergang entdeckt. „Von da an haben mich die Weissacher immer angesprochen, wenn es um Naturschutz ging“, erinnert sie sich – auch wenn sie sich um diesen informellen Posten eigentlich nie beworben hat.

Das war so bei diesem Gülle-Erlebnis in den 80er Jahren, und so ist es geblieben. Wenn die Einwohnerversammlung in die Strudelbachhalle lädt und über Porsche diskutiert (wie im März 2017), dann tritt natürlich Doris Schmidt-Welker für die Belange des Naturschutzes ein. Fast schon logisch, dass die resolute Frau auch dabei ist, als sich in Weissach eine Ortsgruppe des „Bunds für Umwelt und Naturschutz“ (BUND) bildet. Genau 30 Jahre ist das her. „Klimawandel und Flächenverbrauch sind immer noch die größten Umweltprobleme“, sagt Jörg Herter, der Vorsitzende. Beim Jubiläum richtet er den Blick nach vorne – und gemeinsam mit der stellvertretenden Vorsitzenden Birgit Clauß und den beiden Mitgründerinnen Marianne Wacker und Doris Schmidt-Welker zurück. Wobei das eine mit dem anderen zusammenhängt, denn das heutige Weissach sähe ohne die BUND-Aktiven anders aus – nicht nur, weil es den Regionalmarkt im Herbst nicht gäbe, bei dem sie nachhaltigen Produkten ein Forum geben.

1989 gab’s den Umweltpreis

Warum eigentlich haben Weissach oder Flacht keine Umgehungsstraße, und warum gibt es keine großen Neubaugebiete? So mancher fragt sich das. Und die Politiker müssen dann mitteilen: Weil der Ort von Naturschutzgebieten umgeben ist. Daran ist der BUND nicht ganz unschuldig. „Wir wurden von der Naturschutzbehörde gefragt, ob wir die Landschaft kartieren würden“, sagt Schmidt-Welker. Also sind die Ehrenamtlichen losgezogen, haben notiert, welche Bäume, Pflanzen und Vögel im kompletten Weissacher Ortsgebiet zu finden sind – die Grundlage für die Einteilung der Naturschutzgebiete. 1989 gab es dafür den mit 2000 Mark dotierten Umweltpreis. Ein erfolgreicher Start für die damals ganz junge BUND-Ortsgruppe.

Seit 1984 hatte es in Leonberg eine Bezirksgruppe gegeben. „Bei den Treffen in Leonberg waren wir Weissacher schon eine relativ große Gruppe“, erinnert sich Marianne Wacker, die auch von Anfang an mit dabei ist. Also hat es sich gelohnt, dass die Weissacher ihre eigene Gruppe gründen.

„Es hieß immer: Ihr seid gegen alles“

Denn die Themen waren vorhanden – und sind heute legendär. 1986 gibt es Pläne, den Ettlesberg bis zum CVJM-Heim hoch zu bebauen. 1988 dann das nächste Problem: Heidelberg-Zement will auf Wiesen und Feldern Richtung Heimerdingen einen riesigen Steinbruch errichten. Als das vom Tisch ist, reicht Heidelberg-Zement Pläne ein, um auf dieser Fläche einen Golfplatz bauen zu dürfen. Vor allem der Kampf gegen dieses Projekt geht in die Weissacher Geschichtsbücher ein. Es werden Flugblätter und Aufkleber gedruckt, Hand in Hand mit Landwirten und einer Bürgerinitiative wird gekämpft. Auch in der Bevölkerung war der Golfplatz heftig umstritten. „Jemand hat gesagt, wir seien Brunnenvergifter“, erzählt Doris Schmidt-Welker. Heute können sie beim BUND darüber schmunzeln. „Es hieß immer: Ihr seid gegen alles“, sagt auch Marianne Wacker. „Dabei sind wir für etwas, nämlich für die Natur.“

Den Kampf gewinnen sie schließlich. Nach einer spektakulären Bürgerversammlung zieht Heidelberg-Zement den Antrag zurück. Ganz so aufsehenerregend ist die Tätigkeit heute zwar nicht mehr, aber nicht weniger wichtig. „Ein großer Teil unserer Arbeit sind Stellungnahmen“, berichtet Jörg Herter. Als anerkannter Naturschutzverband muss der BUND gehört werden, wenn die Gemeinde etwa Bebauungspläne erarbeitet. Zum Beispiel, als Porsche jüngst den Antrag auf Erweiterung und die neue Südzufahrt einreichte. Die BUND-Position dazu ist klar: Natürlich hat man die Pläne abgelehnt. „Wenn dadurch zig neue Arbeitsplätze entstehen, gibt es auch durch die Südzufahrt keine Verkehrsentlastung“, sagt Herter empört.

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