Bürgermeisterwahl in Weil der Stadt Ralf Boppel will präsent sein und die Bürger einbinden

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„Das ist meine kleine Wellnessoase“ sagt Ralf Boppel über den Balkon. Foto: factum/Jürgen Bach

Weil der Stadt - Mitten in der Weiler Altstadt stolpert der Besucher plötzlich in ein kleines Idyll. Vom Balkon aus geht der herrliche Blick auf die umliegenden Hügel, unten gibt es eine kleine Wiese mit einem Teich und Goldfischen. „Wir mussten den Teich abdecken, damit der Reiher keine Fische holt“, sagt Ralf Boppel, der Hausherr.

„Ja“, gibt er zu, „das ist meine kleine Wellnessoase.“ Termine hat er viele, als selbstständiger Unternehmer und jetzt noch ein paar mehr, seit er Bürgermeisterkandidat ist. Auf dem Balkon erholt er sich dann, abends, zusammen mit seiner Frau und den drei Kindern.

Die Boppels leben seit acht Generationen in Weil der Stadt

Hierher hat Ralf Boppel zum Gespräch eingeladen, denn Heimat ist für ihn nicht bloß eine Floskel. Seit acht Generationen leben die Boppels in Weil der Stadt, Matthias war der erste, der sich hier 1781 niedergelassen hat. Seit den 30er Jahren gehört der Familie das Haus in der Stuttgarter Straße. Und für Ralf Boppel hat all das sehr viel mit dem Thema zu tun, um das es hier eigentlich gehen soll.

„Ein Bürgermeister sollte im Ort leben“, sagt der Kandidat. „Er sollte für die Bürger da sein.“ Präsent sein. Die Menschen mitbestimmen lassen. Da sieht Ralf Boppel gerade in Weil der Stadt Nachholbedarf: „Ich bin da schon unzufrieden.“ Als Beispiel nennt er das neue Verkehrskonzept in der Altstadt mit der Einrichtung der verkehrsberuhigten Zone in der Stuttgarter Straße. „Das wurde beschlossen und erst danach mit den betroffenen Bürgern in der Altstadt gesprochen.“

„Ich fühle mich als Allrounder“

Schon vor fünf Jahren begannen die Stadtverwaltung und der Gemeinderat mit der Überarbeitung dieses Verkehrskonzepts, begleitet von einem großen Informationsabend in der Aula des Schulzentrums. Und auch Ralf Boppels Überlegungen einer Bürgermeisterkandidatur sind kein Schnellschuss, sondern lange gereift. Vor vier Jahren bereits habe er laut im Familienkreis überlegt, sich um die Position des Stadtoberhaupts zu bewerben, erzählt der 44-Jährige.

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Politisch hat er sich bis zum Zeitpunkt der Bewerbung noch nicht engagiert. Eine Gemeinderatskandidatur hatte er nie angestrebt. „Mit dem dortigen Fraktionszwang umzugehen, finde ich undemokratisch“, sagt er. Auch in seinem Lebenslauf deutet nichts auf eine solche Laufbahn hin. Nach dem Hauptschulabschluss in Weil der Stadt hat er bei der Post eine Ausbildung zum Fernmeldetechniker gemacht, dann die mittlere Reife erlangt und an der Fachhochschule Ulm Medizintechnik studiert. „Ich bin ein technisch begabter Mensch und fühle mich als Allrounder“, schätzt Boppel sich selbst ein.

Vom Schlaflabor ins Bürgermeister-Büro

Und immer aktiv. Schon mit 18 hat er zusammen mit Kumpels eine Firma gegründet, die Licht- und Tontechnik verleiht. Nach dem Studium gründet er dann sein eigenes Unternehmen, das er immer noch leitet. „Boppel Medical Engineering“ stattet Schlaflabore und die Praxen von HNO-Ärzten mit speziellen Medizin-Geräten aus. Fünf Mitarbeiter hat er mittlerweile, nach eigener Angabe hat er die einzige kleine Firma dieser Art und konkurriert sonst mit großen Konzernen.

Vom Schlaflabor ins Bürgermeister-Büro? Ralf Boppel hat es, wie er sagt, selbst schon erlebt, dass Bürger ihn fragen, ob er wirklich qualifiziert sei. „Ich weiß, worauf ich mich einlasse“, sagt er. „Dass ich keine Verwaltungserfahrung habe, ist kein Hindernis, schließlich verwalte ich auch eine Firma.“ Seine Kunden seien vielfach auch öffentliche Krankenhäuser, mit der Thematik öffentlicher Ausschreibungen sei er zum Beispiel vertraut.

Marktplatzsanierung brennt ihm unter den Nägeln

Thematisch will er vor allem die Bürger einbinden, aber auch selbst Akzente setzen. „Letzter Ausschlag für die Kandidatur hat das Projekt Marktplatzsanierung gegeben“, sagt er. Bei dem Informationsabend in der Stadthalle habe es viel Kritik gegeben, aber die Stadtverwaltung und der Gemeinderat hätten das Projekt längst beschlossen und nichts mehr geändert. Auch beim Häugern seien die Bürger im alten Häugern vor vollendete Tatsachen gestellt worden. „In Einzelgesprächen habe ich davon einen guten Eindruck bekommen“, sagt er.

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Seine Familie unterstützt ihn bei seiner Kandidatur, darüber hinaus aber keine Parteien, Vereinigungen oder Gruppen. „Ich bestehe darauf, dass ich unabhängig bin“, sagt Ralf Boppel, der keinen Zweifel daran lässt, dass er es ernst meint. Schon vor vier Jahren habe er damit begonnen, Fachliteratur für Verwaltungsrecht und zu Wahlkampfstrategien zu kaufen und zu lesen. In den kommenden Wochen will er jetzt auf dem Markt und vor seinem Ladengeschäft präsent sein.

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