Bürgermeisterwahl in Weil der Stadt Christian Walter ist der neue Rathauschef

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Vorgänger mit Nachfolger: Mit Corona-Abstand gratuliert Thilo Schreiber (rechts) Christian Walter. Foto: factum/Andreas Weise

Weil der Stadt - Um 19.57 Uhr räuspert sich der bisherige Weiler Rathauschef Thilo Schreiber (CDU). „Ich darf feststellen, dass der Bürgermeisterbewerber Christian Walter deutlichst gewählt wurde“, sagt er. Am 2. November werde Walter ihm nachfolgen. „Meinen herzlichen Glückwunsch.“ 82,6 Prozent bekommt Walter. Er strahlt den ganzen Abend schon, was selbst durch die schwarze Maske hindurch zu erkennen ist. „Ich hätte mit einem Ergebnis 60 plus x gerechnet“, sagt er. Das sind jetzt deutlich mehr. „Ich bedanke mich bei den Bürgern für diesen Vertrauensvorschuss.“

48,7 Prozent sind zur Wahl gegangen – auch das wertet Walter als hohen Wert und gute Zustimmung. Denn dass er gewählt wurde, war nach dem ersten Wahlgang vor zwei Wochen keine Überraschung mehr. Mit 47 Prozent war Walter nur knapp an der absoluten Mehrheit vorbeigeschrammt. Und der Beigeordnete Jürgen Katz (37,7 Prozent vor zwei Wochen) hatte seine Bewerbung zurückgezogen. Jetzt noch im Rennen waren neben Walter auch Ralf Boppel (10,3 Prozent), Silvia De Benedictis (1,8 Prozent) und vier weitere Männer, die nicht einmal auf ein Prozent kamen.

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Hoch war die Zahl der Stimmen unter „Sonstiges“. 4,1 Prozent machte das am Endergebnis aus. Das lag vor allem an einem Namen: Jürgen Katz. 266 Weil der Städter (3,7 Prozent) schrieben ihn auf den Wahlzettel. Groß ist der Wunsch auch bei den Gemeinderäten und weiteren Akteuren, dass Katz künftig, trotz seiner Niederlage, als Beigeordneter in der Stadt bleibt. Er selbst hatte das bislang offen gelassen und von den Gesprächen mit dem neuen Bürgermeister abhängig gemacht. „Sie und Herr Katz – das wäre das ideale Tandem“, sagt der Böblinger Landrat Roland Bernhard in seiner Gratulation an Christian Walter. Als Geschenk hat der Landrat deshalb ein Glas Honig mitgebracht. „Das verspeisen Sie bei Gelegenheit mit dem Beigeordneten“, lautet die allererste Dienstanweisung an den neuen Bürgermeister. „Wenn Herr Katz bliebe, würde mich das saumäßig freuen.“

Mit dem Wahlergebnis wird Weil der Stadt grüner. Schon bei der Gemeinderatswahl vor einem Jahr sind die Grünen stärkste Partei geworden, jetzt hat ein von ihnen unterstützter Kandidat die Bürgermeisterwahl gewonnen. Entsprechend hoch ist am Sonntagabend die Dichte der Grünen-Politiker in der Aula des Schulzentrums, wo das Ergebnis verkündet wird. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt der Fraktionschef Alfred Kappler. Eine eigene Quasi-Stellenanzeige hatte seine Partei veröffentlicht. Sieben Bewerbungen gab es. „Christian Walter war der erste, mit dem wir gesprochen haben“, berichtet Kappler. „Ich dachte: Sapperlot, das fängt ja gut an.“ Als „Grund zu feiern“ bezeichnetet auch der grüne Landtagsabgeordnete Bernd Murschel das Ergebnis. „Ein junger, frischer Kopf – das ist ein Signal des Aufbruchs.“ Peter Seimer, Murschels Nachfolger als Landtagskandidat, findet: „Das Ergebnis zeigt, welche Themen den Menschen künftig wichtig sind“, sagt der 26-Jährige. „Herr Walter setzt stark auf Umweltthemen“, stellt auch Matthias Gastel fest, der Nürtinger Bundestagsabgeordnete, der ebenfalls gekommen ist.

Die Fraktionen bieten gute Zusammenarbeit an

Die Fraktionen im Weil der Städter Gemeinderat bieten dem Wahlsieger eine gute Zusammenarbeit an. „Christian Walter hat sich als neutral bezeichnet“, sagt Silvia Tanczos-Lückge (SPD). Er bekomme jetzt einen verantwortungsvollen Job, da müsse er jetzt „viel dazu lernen“. Martin Buhl (CDU) stellt fest, dass ihn die Bürgerschaft gewählt habe. „Wir blicken jetzt nach vorne“, sagte er. „Seine erste, wichtigste Aufgabe ist es, den Gemeinderat und seine Mitarbeiter kennen zu lernen. „Die Projekte müssen alle weiter gehen“, sagt Jürgen Widmann, dessen Freie Wähler zuvor Jürgen Katz unterstützt hatten. Wichtig sei dafür jetzt eine „konstruktive Zusammenarbeit“. Auch Hans Dieter Scheerer (FDP) erklärt, dass er lieber einen anderen Sieger gehabt hätte. „Christian Walter hat eine Chance verdient. Ich wünsche mir, dass er vernünftig, pragmatisch und unideologisch ist.“

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