Bürgermeisterwahl in Heimsheim Last-Minute-Wahlkampf trotz Briefwahltrend

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Am 25. April entscheiden die Heimsheimer, wer die kommenden acht Jahre auf dem Chefsessel im Heimsheimer Rathaus sitzt. Foto: Andreas Gorr

Heimsheim - In zwei Tagen, am Sonntag, 25. April, wählt ganz Heimsheim seinen Bürgermeister oder seine Bürgermeisterin für die nächsten acht Jahre. Ganz Heimsheim? Nein. Ein guter Teil der Wähler hat seine Stimme bereits per Briefwahl abgegeben, bis Anfang der Woche waren im Rathaus bereits 1200 Anträge auf Briefwahl eingegangen. Für die Bewerber ist der Wahlkampf trotzdem nicht zu Ende. Sie bleiben bis zuletzt aktiv. Die Herausforderin Nastassia Di Mauro ist sogar bis einschließlich Samstag in der Stadt mit ihrem Bollerwagen unterwegs, am Donnerstagabend hatte sie noch ein Online-Meeting zu ihrer Sicht auf den Heimsheimer Haushalt angeboten.

Noch bis Samstag ist Nastassia Di Mauro in der Stadt unterwegs, um die Bürger kennenzulernen. Foto: Simon Granville

Seit ihrer Bewerbung ist Nastassia Di Mauro, die Fachbereichsleiterin Bürgerservice und Zentrale Dienste (Hauptamt) in Marxzell, regelmäßig in der Stadt Heimsheim unterwegs, um sich den Menschen vorzustellen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Insgesamt hatte sie für den Wahlkampf nicht allzu viel Zeit, denn die Entscheidung für die Kandidatur fiel erst vor einem Monat, kurz vor Ende der Bewerbungsfrist.

„Wegen der Kurzfristigkeit habe ich mir meine Bewerbung sogar noch einen Tag länger durch den Kopf gehen lassen“, gesteht sie. Denn Zeit sei immer ein entscheidender Faktor, nicht zuletzt, wenn der Amtsinhaber einer Kommune erneut kandidiert und so viele Menschen wie nie sich für Briefwahl entscheiden. „Ich habe schon vor drei Wochen von einzelnen Menschen, die ich angesprochen habe, gesagt bekommen, dass sie schon gewählt haben“, berichtet sie. Bis zum Ende der Bewerbungsfrist habe sie sich in Heimsheim aber schon so sehr wiedergefunden, dass sie trotz der erschwerten Bedingungen die Kandidatur in jedem Fall in Angriff nehmen wollte. Seither nutzt sie jede freie Minute für den Wahlkampf.

Für Jürgen Troll bleibt durch die Arbeit im Rathaus wenig Zeit für aktiven Wahlkampf. Über Kanäle wie seine Homepage oder Instagram bleibt er im Gespräch mit den Bürgern. Foto: Jürgen Troll/Screenshot LKZ

Der Amtsinhaber Jürgen Troll war in dieser Zeit seltener draußen anzutreffen. Verständlich, als Bürgermeister kann er sich in den Wochen vor der Wahl nicht einfach Urlaub nehmen, noch dazu in dieser Phase der Coronapandemie. Stattdessen ist er vor allem, wie auch seine Kontrahentin, auf verschiedenen Online-Kanälen wie Facebook und Instagram aktiv, bis zur Wahl beantworte er weiterhin die Anfragen der Bürger auf allen Kommunikationskanälen. Draußen unterwegs wird er auch am Samstag nicht sein. „Ich habe angesichts des Infektionsgeschehens großen Respekt vor den Gefahren für meine Mitbürger und verzichte deshalb bewusst auf Haustürkontakte, wie sie bei der letzten Bürgermeisterwahl 2013 noch möglich waren.“ Gesundheit gehe immer vor, auch bei einer Bürgermeisterwahl.

Insgesamt ist er mit dem Verlauf des Wahlkampfs zufrieden, auch wenn weitreichende Aktionen nicht möglich waren. „Der Wahlkampf lief gut, war aber anstrengend. Ich habe viele Aufgaben im Krisenmanagement der Stadt zu erfüllen, da bleibt wenig Zeit für Anderes“, so Troll.

Nastassia Di Mauro erzählt von vielen positiven Erfahrungen. Als sie am Donnerstag mit ihrem Bollerwagen durch die Stadt zieht, gibt es auf dem Weg nur wenige, die die junge Bewerberin noch nicht kennengelernt haben. Viele winken und grüßen freundlich, man tauscht ein paar nette Worte aus, bevor sie weiterzieht. „Ich habe sehr viel Zuspruch von den Menschen erfahren“, erzählt Nastassia Di Mauro begeistert. Gleichzeitig sei sie natürlich auch auf Menschen getroffen, die sich nicht für ihre Inhalte interessiert haben, „die gesagt haben: Wir sind zufrieden, wie es ist“. Der größte Teil der Bürger sei ihr aber sehr offen und positiv begegnet. Ob dieser große Zuspruch repräsentativ für ganz Heimsheim steht und sich auch auf dem Wahlschein wiederfindet, das werde man natürlich erst am Sonntag erfahren, sagt Di Mauro.

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Wie viel aber bringt ein Wahlkampf bis zur letzten Minute, wenn so viele Menschen ihre Stimme schon per Briefwahl abgegeben haben? Auch wenn er es letztlich nicht genau wisse, so Jürgen Troll: „Ich denke, die Mitbürger haben sich über das Video zur Kandidatenvorstellung längst entschieden“, ist er überzeugt. Eine Aufzeichnung des Abends, an dem die Kandidaten Troll und Di Mauro sich öffentlich vorgestellt und sich den Fragen der Bürger gestellt haben, ist noch bis Sonntag auf der Homepage der Stadt, www.heimsheim.de, unter dem Reiter „Bürgermeisterwahl 2021“ zu sehen.

Auch Nastassia Di Mauro kann nicht sagen, wie viel Einfluss die letzten Tage vor der Wahl haben werden. „In erster Linie bin ich aber jetzt auch nicht mehr unterwegs, um auf Stimmenfang zu gehen, sondern weil ich die Leute kennenlernen möchte.“ Falls sie am Sonntag gewählt werde, sei ihr das sehr wichtig.

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