Bürgermeisterwahl in Heimsheim Die CDU hat ihre Fühler ausgestreckt

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Über die Zusammenarbeit mit dem Rathaus gehen die Ansichten im Gemeinderat auseinander – hier ein Foto kurz nach der Kommunalwahl 2019. Foto: Gorr/Archiv

Heimsheim - Damit Sie eine Wahl haben“ lautete 2016 der Slogan von Dennis Metzulat, der damals gegen den amtierenden Bürgermeister von Renningen, Wolfgang Faißt, kandidiert hat – und nur knapp verlor. Ansonsten laufen Bürgermeisterwahlen, bei denen der Amtsinhaber erneut kandidiert, – abgesehen von einigen Dauer- und Spaßkandidaten – nicht selten konkurrenzfrei ab.

In Heimsheim hat mit Nastassia Di Mauro rund einen Monat vor der Bürgermeisterwahl eine ernstzunehmende Bewerberin ihren Hut in den Ring geworfen, um gegen den Amtsinhaber Jürgen Troll anzutreten. Im Gemeinderat der Stadt fällt die Positionierung gegenüber den Kandidaten durchaus unterschiedlich aus.

Überaus positiv äußern sich zu der Kandidatur von Nastassia Di Mauro die CDU-Fraktion sowie die Unabhängige Wählervereinigung. Beide waren es auch, die die junge Kandidatin bereits vor der endgültigen Entscheidung zu ihrer Bewerbung in ihrem Vorhaben bestärkt haben. „Unsere Überzeugung ist: Eine Wahl mit nur einem Kandidaten ist keine echte Wahl“, meint Uwe Braun als Sprecher für die CDU-Fraktion. „Wir sind auch aus der Bevölkerung mehrfach darauf angesprochen worden, ob wir keinen Gegenkandidaten hätten. Also haben wir uns umgehört.“

Unterstützung für Di Mauro aus der UWV

Ähnliches ist von Ulrich Meeh zu hören, Vertreter der UWV im Gemeinderat. Er habe Nastassia Di Mauro daher mit unterstützt, als sie ihr Interesse an Heimsheim geäußert hatte. „Wir hatten ein längeres und interessantes Gespräch, und ich habe einen sehr guten Eindruck von ihr“, erzählt Ulrich Meeh. Er stellt sich klar auf die Seite der neuen Kandidatin. „Sie hat klare Ziele, vor allem in Bezug auf gute Kinderbetreuung, das imponiert mir.“ Außerdem: „Was mir bei Herrn Troll fehlt, ist die Bürgernähe“, diese sei Nastassia Di Mauro ein besonderes Anliegen.

Bei Gesprächen der CDU mit Nastassia Di Mauro zeigte sich ebenfalls, dass es einige gemeinsame Ansichten gibt, nicht nur beim Umgang miteinander, sondern auch bei politischen Inhalten wie der vorgesehenen Pflasterung der Pforzheimer Straße, die die CDU ablehnt. „Grundsätzlich funktioniert die Zusammenarbeit mit Herrn Troll, aber der Informationsfluss lässt zu wünschen übrig“, so Uwe Braun. Als jüngstes Beispiel nennt er die Einführung der Heimsheim-App. „Davon haben wir vielleicht zwei Tage, bevor es im Amtsblatt stand, erfahren. Darüber hätten wir gerne im Vorfeld gesprochen.“ Auch dass Nastassia Di Mauro angekündigt hat, im Fall eines Wahlsiegs nach Heimsheim zu ziehen, ist im ganz Sinne der CDU.

Positive Signale aus der Freien Wählervereinigung

Aus der Freien Wählervereinigung sind ebenfalls positive Signale in Richtung der Kandidatur von Nastassia Di Mauro zu vernehmen, die Fraktion teilt zudem die Kritik, dass die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Gemeinderat besser sein könnte. Eine konkrete Wahlempfehlung geben die FWV wie auch die CDU nicht ab. „Wir haben eine mündige Bürgerschaft, die selbst in der Lage ist, eine gute Entscheidung für Heimsheim zu treffen“, sagt der FWV-Fraktionssprecher Andreas Wein. Jedoch: „Dass es mit Frau Di Mauro eine wählbare Alternative zum Amtsinhaber gibt, begrüßen wir im Sinne der Wählerschaft ausdrücklich.“ Er selbst habe Di Mauro „als eine emphatische, qualifizierte und kompetente Person kennengelernt, der ich das Bürgermeisteramt in Heimsheim absolut zutraue“.

Eine andere Richtung schlagen die übrigen Vertreter im Gemeinderat ein. Vor allem, was die Kritik an der Amtsführung von Jürgen Troll angeht, brechen sie eine Lanze für den Amtsinhaber. „Wenn wir Probleme oder Anfragen hatten, wurde das immer angenommen“, sagt zum Beispiel Rolf Vetter als Sprecher der SPD im Gemeinderat. „Diesen Punkt kann ich daher nicht verstehen.“ Auch Carolin Schneider von den Frauen für Heimsheim teilt den Eindruck von CDU, FWV und UWV bezüglich Jürgen Troll nicht. „Ich bin nach knapp zwei Jahren das dienstjüngste Mitglied im Gemeinderat, aber ich war mit der Zusammenarbeit immer zufrieden und habe auf Anfragen immer eine Antwort erhalten.“

Beide geben keine konkrete Wahlempfehlung für die Bürger ab. „Nach acht Jahren muss jeder für sich selbst ein Resümee ziehen, was erreicht wurde, und danach entscheiden“, sagt Rolf Vetter im Namen der SPD. Er persönlich fände es allerdings nicht hilfreich, „alle acht Jahre einen Wechsel zu haben“. Und man müsse dem Amtsinhaber auch zugestehen, dass er in seiner Zeit eine Menge geleistet habe. „Ich persönlich könnte mit einer Wiederwahl von Herrn Troll gut leben.“

BfH: „Eine kompetente und transparente Verwaltung“

Noch deutlichere Worte finden die Bürger für Heimsheim. „Die vergangenen acht Jahre waren geprägt von einer intensiven Sitzungstätigkeit mit vielen Inhalten, Projekten und großen Schritten in der Stadtentwicklung, was wir die Jahre davor lange vermisst haben“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme. Erwähnenswert finden sie auch die Monate des positiven und innovativen Pandemiemanagements, bei dem Heimsheim in Sachen digitale Gemeinderatssitzungen eine Vorreiterrolle eingenommen habe.

„Wir hatten immer eine kompetente und transparente Verwaltung mit dem amtierenden Bürgermeister Troll als Partner im Gemeinderat und dürfen mit einem niveauvollen und stilvollen Umgang auf Augenhöhe arbeiten.“ Die Stadt Heimsheim würde aus Sicht der BfH von einer konstanten Fortsetzung dieser Arbeit in gewohnter Form profitieren. „Eine Einarbeitung in diese laufenden umfangreichen Prozesse kostet viel Zeit und Vertrauen.“

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